SV Ried fixiert den Abstieg

Video28. Mai 2017, 18:38
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Ein 2:3 gegen Mattersburg zum Saisonabschluss beschert den Innviertlern den zweiten Abstieg nach 2003

Ried im Innkreis – Die SV Ried ist zum zweiten Mal nach 2003 aus der Bundesliga abgestiegen. Die Oberösterreicher unterlagen am Sonntag in der letzten Runde zu Hause Mattersburg 2:3 (0:2) und konnten die Schützenhilfe von Rapid nicht nutzen. Ried beendete die Saison zwei Punkte hinter St. Pölten, das in Wien 1:2 verlor.

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Die Innviertler hatten sich mit einigen starken Leistungen im Frühjahr Selbstvertrauen geholt und mit einem Auswärtssieg in Altach am Donnerstag die Chance auf den Klassenerhalt gewahrt. Davon war am Sonntag aber in der ersten Halbzeit nichts mehr zu bemerken, die Rieder hatten vor 6.800 Zuschauern in der Keine-Sorgen-Arena von Beginn weg ihre liebe Not.

Früher 0:2-Rückstand

Bereits nach 20 Minuten lag die Elf von Lassaad Chabbi mit 0:2 zurück. Ried hatte wegen einer Verletzung von Florian Hart nur zehn Mann auf dem Rasen, als Mattersburg nach vier Minuten in Führung ging. Michael Perlak brachte einen scheinbar ungefährlichen Ball zur Mitte, der an Freund und Feind inklusive dem überraschten Ried-Torhüter Thomas Gebauer vorbei sprang.

Mit Ausnahme einer Serie von ungefährlichen Standardsituationen fiel den Heimischen danach offensiv nichts ein. Und ein weiteres schwaches Defensivverhalten ermöglichte den Burgenländern das 2:0 (20.). Bei einer Hereingabe von Perlak hatte Patrick Bürger zu viel Platz, Gebauer sah beim Schuss ins kurze Eck auch ganz schlecht aus.

Auch danach waren die Gäste das bessere Team. Bei einem Elfer-verdächtigen Rempler gegen Thorsten Röcher blieb der Pfiff aus (24.), der vor dem Wechsel herausragende Perlak sorgte für zwei weitere brenzlige Situationen (44., 45.+2). Ried dagegen kam dem Anschlusstreffer vor der Pause nur einmal durch Patrick Möschl (44.) nahe.

Neue Hoffnung nach dem Anschlusstreffer

Nach einer ersten Halbzeit zum Vergessen, in der auch Schützenhilfe aus Wien noch fehlte, brachte Chabbi mit Thomas Fröschl und Clemens Walch zwei frische Offensivkräfte – und damit auch neuen Mut. Fröschl hatte gleich eine Riesenchance, verfehlte aber aus vier Metern das leere Tor (51.). Stefan Nutz machte es zwei Minuten später besser und befeuerte mit seinem Treffer aus 15 Metern die Hoffnungen der Rieder.

Möschl vergab die Ausgleichschance (72.), auf der anderen Seite verhinderte Nutz auf der Linie noch den dritten Gegentreffer (75.), ehe die Burgenländer doch für die Entscheidung sorgten. Nach Vorlage von Joker Stefan Maierhofer traf der ebenfalls eingewechselte Manuel Seidl zum 3:1 (78.). Ob per Kopf oder wie von Gebauer vehement reklamierte mit Hilfe der Hand ließ sich nicht zweifelsfrei klären. Möschls neuerlicher Anschlusstreffer (83.) war zu wenig, um den Abstieg noch zu verhindern.

Unterbrechung kurz vor Schluss

In der Schlussphase gingen die Emotionen im Fansektor hoch. Schiedsrichter Dominik Ouschan unterbrach die Partie für einige Minuten, weil Bengalen auf das Feld geworfen wurden, und schickte die Mannschaften in die Kabine, ehe die Partie zu Ende gespielt werden konnte.

Ried war mit einer zweijährigen Pause gut 20 Jahre lang Bestandteil der Bundesliga. Die Innviertler hatten 1995 erstmals den Aufstieg geschafft, nach dem Abstieg 2003 gelang 2005 der Sprung zurück. Manager Franz Schiemer hat schon vor dem Spiel angekündigt, dass der Vereine im Fall des Abstiegs in der kommenden Saison den Wiederaufstieg anpeilt.

Bei Mattersburg, das als zweitbeste Frühjahrsmannschaft die Saison auf Rang sieben beendete, hieß es am Sonntag ebenfalls ein bisschen Abschied nehmen. Mit Patrick Farkas (RB Salzburg) und Thorsten Röcher (Sturm Graz) verlassen zwei langjährige Leistungsträger den Verein. (APA, 28.5.2017)

Bundesliga, 36. Runde, Sonntag

SV Ried – SV Mattersburg 2:3 (0:2)
Keine-Sorgen-Arena, 6.800 Zuschauer, SR Ouschan

Torfolge:
0:1 Perlak (4.)
0:2 Bürger (20.)
1:2 Nutz (53.)
1:3 Seidl (78.)
2:3 Möschl (83.)

Ried: Gebauer – Hart (6./Bergmann), Reifeltshammer, Özdemir, Marcos – Prada, Zulj – Möschl, S. Nutz, Elsneg (46./Walch) – Ademi (46./Fröschl)

Mattersburg: Kuster – Farkas, Mahrer, Rath, Novak (69./Maksimenko) – Jano, Erhardt – Templ (77./Maierhofer), Perlak (59./Seidl), Röcher – Bürger

Gelbe Karten: Elsneg bzw. Bürger, Seidl, Mahrer

Stimmen

Lassaad Chabbi (Trainer Ried): "Mattersburg ist zwar verdient 2:0 in Führung gegangen, in der zweiten Halbzeit haben wir einiges geändert und sind noch einmal ins Spiel zurück gekommen. Mattersburg hat verdient gewonnen. Es ist gut für den Fußball, dass sie so fair gespielt haben (Anm: und die Partie nicht hergeschenkt haben). Ried ist nicht der einzige Verein, der abgestiegen ist, wir werden zurück kommen."

Franz Schiemer (Ried-Manager): "Der Abstieg ist extrem bitter, wir hätten es noch schaffen können. Wir haben schon am Anfang katastrophale Fehler gemacht und sind nicht ins Spiel gekommen wie erhofft. Es gibt im Verein viele Baustellen, es wird sich viel ändern müssen. Von der körperlichen Verfassung waren wir die schlechteste Mannschaft der Saison, wir konnten das leider nicht während der Saison korrigieren. Das ist aber nicht de einzige Grund. Wenn man absteigt, ist jeder mitbeteiligt, da nehme ich auch mich in die Pflicht. Wir wollen sofort wieder aufsteigen, das ist ganz klar."

Patrick Möschl (Ried-Spieler): "Ich kann meine Gefühle nicht wirklich beschreiben. Wir haben uns ein Endspiel erkämpft und haben uns für heute sehr viel vorgenommen. Mattersburg hat gespielt, als ob es für sie um alles ging. Wir sind selber Schuld, wenn wir zu Hause 2:3 verlieren."

Thomas Gebauer (Ried-Torhüter): "Wir leben seit Monaten mit diesem Druck, wir haben uns heute vielleicht selbst zu stark unter Druck gesetzt. Wir haben uns das Finalspiel erarbeitet, Mattersburg hat befreit aufgespielt, aber unsere Beine waren richtig schwer. Nach dem Abpfiff kann man keinen klaren Gedanken fassen, da herrscht eine komplette Leere."

Thomas Reifeltshammer (Ried-Spieler): "Wir hatten die Möglichkeit, den Abstieg zu verhindern. Wir sind denkbar schlecht gestartet, wir waren vielleicht noch zu sehr in der Euphorie von Donnerstag. Wir waren nervös, aber wenn man nach 20 Minuten 0:2 hinten liegt, fällt es noch schwerer. Wir haben die Meisterschaft nicht heute vergeigt, sondern im gesamten Frühjahr, weil wir zu viele Gegentore bekommen haben."

Gerald Baumgartner (Trainer Mattersburg): "Wir haben es in der ersten Halbzeit sehr gut gemacht. Wir wussten, wie Ried auftreten wird und haben unseren Matchplan gut durchgebracht. Im Endeffekt war es ein verdienter Sieg. Wir waren von Saisonstart weg unter Druck, galten als Fixabsteiger und waren auch teilweise abgeschlagen Letzter. Wir haben (im Lauf der Saison) auf Ried 14 Punkte gutgemacht, wir wollten kein Endspiel in der letzten Runde in Ried und haben es zum Glück vorher erledigt."

  • Es ist passiert. Die Rieder müssen absteigen. Trainer Lassaad Chabbi, dem gute Arbeit bescheinigt wird, ist doch sehr betroffen.
    foto: apa/dietmar stiplovsek

    Es ist passiert. Die Rieder müssen absteigen. Trainer Lassaad Chabbi, dem gute Arbeit bescheinigt wird, ist doch sehr betroffen.

  • Ein bitterer Moment für die Wikinger.
    foto: apa/expa/roland hackl

    Ein bitterer Moment für die Wikinger.

  • Abschlussgala der Rieder Fans in der höchsten heimischen Spielklasse.
    foto: apa/expa/roland hackl

    Abschlussgala der Rieder Fans in der höchsten heimischen Spielklasse.

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