St. Pölten schafft trotz 1:2 bei Rapid Klassenerhalt

28. Mai 2017, 18:38
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Niederösterreicher profitieren von Ried-Niederlage – Hofmann bei Rekordspiel doppelter Assistgeber, Rapid rückt noch auf Rang fünf vor

Wien – St. Pölten hat in der letzten Bundesliga-Runde den Klassenerhalt geschafft. Die Niederösterreicher verloren am Sonntag bei Rapid durch Tore von Christopher Dibon (9.) und Christoph Schösswendter (56.) beziehungsweise Lonsana Doumbouya (22./Elfmeter) mit 1:2, blieben aber wegen des 2:3 von Ried gegen Mattersburg mit zwei Punkten Vorsprung oben.

Für Rapid endete eine verkorkste Saison mit Rang fünf, mit 46 Punkten blieben die Hütteldorfer drei Zähler über dem Negativrekord der Saison 2001/02. Am Donnerstag kämpfen die Grün-Weißen in Klagenfurt gegen Meister Salzburg um den Cuptitel und damit um einen Platz in der Europa-League-Qualifikation.

Ehrung für Hofmann

In dieser Partie könnte Steffen Hofmann zu Rapids alleinigem Rekordspieler aufsteigen. Gegen St. Pölten stellte er Peter Schöttels Bestmarke von 527 Pflichtspiel-Einsätzen ein, wurde von der Klubführung geehrt und den Fans gefeiert und bedankte sich schon in der 9. Minute: Hofmann zirkelte einen Eckball auf den Kopf von Dibon, es stand 1:0 für Rapid.

13 Minuten später rückte ein anderer Rapidler in den Vordergrund: Andreas Dober, im Winter von St. Pölten zurückgeholt und danach nur noch bei den Amateuren im Einsatz, fabrizierte in seinem Profi-Abschiedsspiel ein Elfmeter-Foul an Manuel Hartl. Doumbouya ließ dem für Tobias Knoflach aufgebotenen Richard Strebinger keine Chance.

Dober runter

Der überforderte und zur Pause ausgetauschte Dober war wie auch einige andere nur aufgeboten worden, um Stammspieler für das Salzburg-Match eine Pause zu gewähren. Auch mit einer neu zusammengewürfelten Mannschaft kontrollierte Rapid die Partie, ließ aber nach einem Fehler in der Innenverteidigung noch eine Chance zu – in der 35. Minute war Strebinger bei einem Schupfer von Doumbouya zur Stelle. Zwei Minuten danach flog auf der Gegenseite ein Weitschuss von Hofmann nur knapp über das Tor.

Der Beginn der zweiten 45 Minuten ähnelte jenem der ersten Hälfte. Wieder flog ein Hofmann-Eckball zur Mitte, diesmal köpfelte Schösswendter unter Mithilfe von SKN-Goalie Christoph Riegler ein (56.).

In der Folge kämpften die Gäste um einen Punktgewinn, der den Ligaverbleib unabhängig vom Ausgang des Spiels in Ried gesichert hätte. In der 66. Minute scheiterten Doumbouya und im Nachschuss Michael Ambichl an Strebinger, fünf Minuten später machte der Rapid-Schlussmann eine Gelegenheit von Christopher Drazan zunichte. Praktisch im Gegenzug ließ Matej Jelic die große Chance auf das 3:1 aus – sein Volley aus wenigen Metern ging am Tor vorbei.

Im Finish brachte Rapid die Partie wieder unter Kontrolle und den Sieg relativ problemlos über die Zeit. Der dritte Sieg in Folge bedeutete einen versöhnlichen Ligaabschied und eine Moralinjektion für das Cupfinale. Auch St. Pölten hatte Grund zum Jubeln – den Gästen blieb das Schicksal, als erster Aufsteiger seit Vorwärts Steyr 1998/99 gleich wieder abzustürzen, erspart. (APA, 28.5.2017)

Bundesliga, 36. Runde, Sonntag

SK Rapid Wien – SKN St. Pölten 2:1 (1:1)
Allianz-Stadion, 20.200 Zuschauer, SR Jäger

Torfolge:
1:0 ( 9.) Dibon
1:1 (22.) Doumbouya (Elfmeter)
2:1 (56.) Schösswendter

Rapid: Strebinger – Dober (46. Thurnwald), Schösswendter, Dibon, Schrammel – Szanto (60. Auer), P. Malicsek – Traustason (78. Joelinton), S. Hofmann, Kuen – Jelic

St. Pölten: Riegler – Stec, Huber, Diallo, Pirvulescu – Ambichl, Martic (76. Brandl), Petrovic, Drazan – Doumbouya, Hartl (76. Luckassen)

Gelbe Karten: Dober, Schösswendter bzw. Hartl

Stimmen

Goran Djuricin (Trainer Rapid): "Wir sind gut gestartet, haben aber nach dem Führungstor aufgehört zu spielen. St. Pölten war präsenter, wie haben unsere Aktionen nicht bis zum Ende durchgespielt. Die zweite Hälfte war ein Hin und Her. Mit Schösswendter und Dibon haben wir zwei Riesenwaffen bei Standards. Wir sind als Sieger vom Platz gegangen, ob verdient oder nicht, sollen andere beurteilen. Die Moral hat wieder einmal gewonnen. Die Jungs wissen, dass sie viel besser sind, als sie in der Tabelle stehen. Es waren nur Kleinigkeiten für mich zu tun. Scheinbar habe ich das Richtige gemacht, die Jungs sind mitgezogen. Unser Ziel war ein ganz anders, es war eine sehr, sehr durchwachsene Saison."

Steffen Hofmann (Rapid-Rekordspieler): "Die Ehrung mit dem Video war sehr schön, weil viele Leute, die meine Karriere geprägt haben, dabei waren. Ich bin trotzdem ganz gut ins Spiel gekommen, obwohl die Vorbereitung anders war, aber so etwas pusht zusätzlich. Endrang fünf war bei weitem nicht unser Ziel, aber wenn man sieht, wo wir vor sieben, acht Wochen waren, ist es noch ganz in Ordnung." Über eine mögliche Fortsetzung seiner Karriere: "Es kann sein, dass ich mich am Montag, Dienstag oder auch nach dem Cupfinale entscheide. Ich weiß, dass ich den Jungs auf dem Platz helfen kann. Es hängt aber nicht alles von mir ab."

Jochen Fallmann (Trainer St. Pölten): "Es war noch nie so schön nach einer Niederlage. Ich möchte mich bei meinen Jungs bedanken, sie haben alles rausgehaut. Wir haben Rapid Paroli geboten und die eine oder andere Möglichkeit gehabt, um einen Punkt zu holen. Ich möchte mich auch bei den Mattersburgern bedanken, die in Ried alles in Waagschale gehaut haben. Wir sind schwer in die Gänge gekommen, man hat gesehen, welcher Druck auf uns gelastet ist. Ein Unentschieden wäre gerecht gewesen, aber ich nehme die Niederlage auch gern, weil es gereicht hat. Ich bin mit Leib und Seele Trainer dieses Vereins. Wir werden uns nächste Woche zusammensetzen. Von Vereinsseite ist das Signal gekommen, dass sie gern mit mir weitermachen wollen, von meiner Seite ist das auch gegeben. Von meiner Seite aus ist es nur Formsache. Wir haben bis zur Pause nicht gewusst, wie es in Ried steht, dann habe ich gesagt, wir dürfen uns nur auf uns verlassen. Die Erleichterung war unglaublich groß, als wir dann das Ergebnis gehört haben. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu Chabbi (Anm.: Ried-Trainer), weiß, wie es ihm geht, bin aber sicher, dass er nächste Saison mit Ried zurückkehrt und übernächste Saison wieder gegen St. Pölten in der Bundesliga spielt."

Frenkie Schinkels (Sportdirektor St. Pölten, in der Trainerfrage nicht zeichnungsberechtigt): "Wir wollen als Verein unbedingt mit Fallmann weitermachen. Er hatte großen Anteil am Klassenerhalt."

  • St. Pölten bleibt oben.
    foto: apa/hans punz

    St. Pölten bleibt oben.

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