Thiam stieg im Götzis-Siebenkampf in 7.000er-Klub auf

Video28. Mai 2017, 18:08
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Sieg in hochklassigem Bewerb vor Schäfer – Dadic als 14. unter den Erwartungen – Warner siegt in Zehnkampf

Götzis – Ein hochklassiger Siebenkampf hat am Wochenende dem Mehrkampf-Meeting in Götzis den Stempel aufgedrückt. Olympiasiegerin Nafissatou Thiam schrammte nur knapp am Europarekord vorbei. Die Belgierin kam mit der drittbesten Leistung der Geschichte auf 7.013 Punkte, sie ist erst die vierte Athletin, die jemals über die 7.000 kam. Ivona Dadic blieb als 14. unter den Erwartungen.

Bei den Herren hieß der Zehnkampf-Triumphator zum dritten Mal nach 2013 und 2016 Damian Warner. Der Kanadier fixierte mit 8.591 Punkten Jahresweltbestleistung, an seine persönliche Bestleistung von 8.695 kam er bei hochsommerlichen Temperaturen nicht heran. Dominik Distelberger schlug sich mit 8.046 Punkten als 13. gut.

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Dramatisch verlief jedoch der Siebenkampf der Damen. Vor dem abschließenden 800-m-Lauf war auch der seit 2007 von der Schwedin Carolina Klüft gehaltene Europarekord (7.032) noch in Gefahr, am Ende ging es sich für Thiam aber knapp nicht aus. Sie setzte sich bei das ganze Wochenende über hochsommerlichen Temperaturen im Mösle-Stadion vor der Deutschen Carolin Schäfer (6.836) und der Lettin Laura Ikauniece-Admidina (6.815) durch. Die Top-Sechs und weitere neun Athletinnen unter den 25 Klassierten hatten am Ende persönliche Bestleistungen markiert. Es fielen darunter gleich fünf nationale Rekorde.

Unglaublich

"Dass ich jetzt mit 7.000 Punkte heimgehe, ist unglaublich. Ich wusste, dass ich über die 800 m alles geben muss. Und ich werde versuchen, mich in Zukunft beim Laufen noch zu verbessern", sagte die 22-Jährige, die freilich auch Jahresweltbestleistung anschrieb. Besser als Thiam waren in der Geschichte bisher nur US-Weltrekordlerin Jackie Joyner-Kersee (USA) 1988 mit 7.291 und Klüft. Die vierte Athletin über 7.000 ist die Russin Larisa Turtschinskaja mit 7.007.

Als beste Österreicherin landete Ivona Dadic am Sonntag mit 6.143 Zählern an der 14. Stelle, sie blieb damit deutlich unter dem von ihr gehaltenen ÖLV-Rekord von 6.408. Die 17-jährige Sarah Lagger als 19. erreichte 6.012 Punkte und kam damit erstmals in ihrer noch jungen Karriere über die 6.000er-Marke. Karin Strametz markierte als 23. mit 5.840 ebenfalls persönliche Bestleistung.

"Technische Fehler"

Dadic lag nach dem ersten Tag und persönlichen Bestleistungen im Hürdensprint und Kugelstoßen mit 3.699 nahe an der Punkteleistung der EM in Amsterdam, als sie letztlich österreichischen Rekord markierte. Der zweite Bewerbstag im Ländle begann für die 23-Jährige mit 5,86 m im Weitsprung nicht zufriedenstellend. Besser lief es im Speerwurf mit 46,20, den Thiam mit dem Landesrekord von 59,32 vor der Schweizerin Geraldine Ruckstuhl mit dem Landesrekord von 58,31 für sich entschied. Thiam verbesserte dabei ihre Bestleistung gleich um mehr als sechs Meter.

"Ein paar technische Fehler waren dabei, die den Speer nicht fliegen lassen, das ärgert mich", sagte Dadic. Was den Weitsprung betraf, hatte sie noch Probleme mit dem Timing, wollte dies aber in Hinblick auf ihr Saisonziel WM noch intensiv angehen. "Den perfekten Mehrkampf brauche ich dieses Wochenende gar nicht, den hebe ich mir für London auf", hatte sie aber ohnehin stets beteuert. Die Norm von 6.200 m hatte sie ja bereits aus dem Vorjahr stehen, weshalb der Qualifikationsdruck weggeblieben war.

Sehr zufrieden durften Lagger und Strametz sein. Die Kärntnerin Lagger hielt seit dem U20-WM-Goldmedaillengewinn im Juli 2016 in Bydgoszcz bei 5.960 und überschritt nun erstmals den 6.000er. Götzis-Debütantin Karin Strametz aus der Steiermark verbesserte ihre bisherige persönliche Bestleistung von 5.666 deutlich.

Flotter Start von Distelberger

Distelberger startete mit flotten 14,32 Sekunden über 110 m Hürden in den Sonntag, Disziplinsieger Warner markierte mit 13,54 Götzis-Rekord. Im Diskus kamen Distelbergers 43,08 m im dritten Versuch erst nach einem Protest in die Wertung. "Der zweite Versuch war mit 44 m zwar richtig gut, aber leider out. Den dritten haben sie mir dann nach langen Diskussionen zum Glück gültig gegeben, mit 43 m bin ich zufrieden."

Im Stabhochsprung überquerte der 27-Jährige trotz Krampf in der Wade 4,90 m, die 5,00 m waren aus diesem Grund aber nicht mehr drinnen. Pech hatte Niels Pittomvils, der laut Papierform stärkste Stabhochspringer im Feld. Bei seiner Einstiegshöhe von 5,00 m brach der Stab spektakulär gleich an zwei Stellen, der Athlet landete aber auf der Matte und blieb unverletzt. In den folgenden Versuchen schaffte der verunsicherte Belgier keinen gültigen Versuch mehr. Es glänzten der Spanier Pau Tonnesen und der Niederländer Eelco Sintnicolaas mit je 5,40.

Gute 60,11 m steuerte Distelberger im Speerwurf seinem Zehnkampfkonto bei, nach den abschließenden 1.500 m stand die dritte 8.000er-Leistung seiner Karriere fest. "Ich bin extrem glücklich, dass es nach dem schlechten ersten Tag noch dafür gereicht hat. Das war mir doch sehr wichtig. Ich sehe, dass ich im letzten Jahr mein Grundniveau anheben konnte, trotzdem muss ich mich technisch noch verbessern", sagte Distelberger, dessen persönliche Bestleistung bei 8.175 Punkten steht. Diese will er nun bei der WM im August in London toppen.

Warner sprach von einem "harten Kampf", aber so sei das im Zehnkampf. "Götzis ist mein Lieblingsmeeting, da ist die Qualität immer sehr hoch, das macht aber auch richtig Druck. Drei Siege hier bedeutet mir viel, ich will wiederkommen." Platz zwei ging im nationalen Rekord an Sintnicolaas (8.539), drei an dem Deutschen Rico Freimuth (8.365). 23 Athleten kamen in die Wertung, neun erzielten persönliche Rekorde, darunter waren zwei nationale Bestmarken. (APA, 28.5.2017)

DAMEN – Siebenkampf, Endstand nach sieben Disziplinen (100 m Hürden, Hochsprung, Kugelstoß, 200 m, Weitsprung, Speerwurf, 800 m):

1. Nafissatou Thiam (BEL) 7.013 (13,34; 1,98; 14,51; 24,40; 6,56; 59,32; 2:15,24)

2. Carolin Schäfer (GER) 6.836 (13,09; 1,86; 14,76; 23,36; 6,57; 49,80; 2:14,73)

3. Laura Ikauniece-Admidina (LAT) 6.815 (13,10; 1,77; 13,53; 23,49; 6,64; 56,17; 2:11,76)

4. Katarina Johnson-Thompson (GBR) 6.691 (13,29; 1,95; 12,72; 22,81; 6,53; 39,98; 2:11,12)

5. Claudia Salman-Rath (GER) 6.580 (13,51; 1,74; 14,00; 23,62; 6,86, 39,67; 2:05,54)

6. Erica Bougard (USA) 6.502 (13,57; 1,83; 12,45; 23,28; 6,59; 40,85; 2:08,68)

7. Anouk Vetter (NED) 6.497 (13,32; 1,71; 15,54; 24,21; 6,19; 55,43; 2:20,20)

8. Yorgelis Rodriguez (CUB) 6.446 (13,80; 1,86; 14,09; 24,16; 6,06; 48,25; 2:12,65)

weiter:

14. Ivona Dadic (AUT) 6.143 (13,70/PB; 1,74; 14,10/PB; 24,07; 5,86; 46,20; 2:18,07)

19. Sarah Lagger (AUT) 6.012 (14,11/PB; 1,74; 12,65; 24,90; 6,00; 45,06; 2:12,33)

23. Karin Strametz (AUT) 5.840 (13,85; 1,68; 11,71/PB; 25,20; 6,11; 42,86/PB; 2:14,93)

  • Laura Ikauniece Admindina (LAT, 3. Platz), Siegerin Nafissatou Thiam (BEL), Carolin Schäfer (GER, 2. Platz)
    foto: apa/expa/peter rinderer

    Laura Ikauniece Admindina (LAT, 3. Platz), Siegerin Nafissatou Thiam (BEL), Carolin Schäfer (GER, 2. Platz)

  • Zehnkampf-Triumphator Damian Warner hoch oben.
    foto: apa/expa/peter rinderer

    Zehnkampf-Triumphator Damian Warner hoch oben.

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