Indischer Teilstaat will wegen Kuh-Schlachtverbots vor Gericht klagen

28. Mai 2017, 16:32
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Kerala sieht in Tierschutz nur vorgeschobenes Motiv

Neu-Delhi – Der südindische Teilstaat Kerala will gegen das kürzlich von der Regierung in Neu Delhi verhängte De-facto-Schlachtverbot von Kühen vor das Oberste Gericht bringen. "Wir werden unsere Klage nächste Woche einreichen", sagte der Landwirtschaftsminister von Kerala, V.S. Sunil Kumar, am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP.

Das Umweltministerium in Neu Delhi hatte am Freitag eine Verordnung erlassen, wonach der Kauf und Verkauf von Kühen verboten ist, wenn das Tier geschlachtet werden soll. Kühe gelten den Hindus als heilig. Regierungschef Narendra Modi von der hinduistischen Bharatiya Janata Party (BJP) ist 2014 auch mit dem Ziel angetreten, die Kühe im Land besser zu schützen. In den meisten Teilstaaten ist die Schlachtung von Kühen sowie der Besitz und der Verzehr von Rindfleisch bereits verboten – Zuwiderhandlungen werden hart bestraft.

Kerala dagegen sowie einige andere Teilstaaten erlauben die Schlachtung von Kühen und den Verzehr von Rindfleisch, obwohl die Mehrheit der Bevölkerung hinduistisch ist. Minister Kumar kritisierte am Sonntag, die Regierung Modi berufe sich auf den Tierschutz, um ihre "rechten Hindu-Ziele" zu verfolgen. Das Argument sei nur vorgeschoben.

Das Schlacht-Verbot betrifft nicht nur Kühe, sondern auch Büffel und Kamele. In Indien kommt es häufig zu Auseinandersetzungen wegen der Verehrung der Kuh: Mindestens ein dutzend Menschen, vor allem Muslime, sind bereits getötet worden, weil ihnen vorgeworfen worden war, sie hätten Rindfleisch gegessen oder eingeschmuggelt. (APA, 28.5.2017)

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