Dortmunds Plan gegen Frankfurter Minimalisten

27. Mai 2017, 11:15
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Möglicherweise letztes Spiel für Coach Tuchel und Aubameyang – Eintracht-Sportdirektor Bobic: "Haben schon gewonnen" – Wiener Band im Showprogramm

Berlin – Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt bestreiten am Samstag in Berlin (20.00 Uhr/live ARD und Sky) das deutsche Fußball-Cupfinale. Der BVB will eine außergewöhnliche Saison mit einem positiven Schlussakkord beenden und seinen Final-Fluch zu den Akten legen. Viel spricht dafür, dass Thomas Tuchel das letzte Mal auf der Trainerbank sitzen wird. Für die Eintracht geht es um das Europacup-Ticket.

Noch blendet Tuchel den Gedanken an seinen möglichen Abschied so gut wie möglich aus. "Die Saison ist noch nicht zu Ende und kann gekrönt werden", brachte er die in Dortmund vorherrschende Erwartungshaltung auf den Punkt. Sportlich war es ohnehin schon ein recht erfolgreiches Jahr: Platz drei in der Bundesliga und das Erreichen des Champions-League-Viertelfinales sind für die Schwarz-Gelben längst nicht selbstverständlich.

Entfremdung

Doch die Entfremdung zwischen Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Tuchel ist weit fortgeschritten. Die zuletzt vor den Augen der Öffentlichkeit ausgetragene Fehde der beiden Alphatiere erinnerte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" gar an die erfolgreiche US-Serie "House of Cards", in der durchtriebene und machthungrige Politiker ein abschreckendes Intrigenspiel vorführen.

Noch einmal verfestigt hat sich der Zwist offenbar nach dem Sprengstoff-Attentat auf den BVB-Bus vor dem Champions-League-Heimspiel gegen AS Monaco im April. Im Hintergrund soll sich Watzke bereits um Lucien Favre als Tuchel-Nachfolger bemühen. Offiziell ist freilich noch nichts – die volle Konzentration gilt dem Termin im Olympiastadion. Schließlich wollen sich die Beteiligten nach zuletzt drei Finalniederlagen in Serie eine weitere Pleite ersparen, womit man den Cup-Negativrekord noch einmal ausgebaut hätte.

Gutes Jahr

Anders als zuletzt gilt der BVB als Favorit. "Wir müssen in Berlin gewinnen, dann war es ein gutes Jahr", betonte Abwehrchef Sokratis. Das Team könnte nach der Saison auch Goalgetter Pierre-Emerick Aubameyang abhandenkommen, der mehrere Angebote aus dem Ausland vorliegen haben soll. "Ich werde mit dem Club sprechen und nach dem Pokalfinale eine Entscheidung treffen", sagte der Bundesliga-Torschützenkönig. Für Marco Reus wäre ein Cup-Erfolg der erste Titel überhaupt in seiner Profi-Karriere.

Frankfurt und Dortmund stehen sich zum ersten Mal im Finale gegenüber. Die Frankfurter haben die Bundesliga-Saison auf dem elften Platz beendet und könnten den ersten Titel seit 1988 holen. Damals gewannen die Hessen zum fünften und bisher letzten Mal den Cup. Gleich dreimal setzte sich das Team von Ex-Salzburg-Co-Trainer Niko Kovac auf dem Weg ins Finale im Elfmeterschießen durch. In der regulären Spielzeit erzielte Frankfurt dagegen nur fünf Tore – noch nie hat ein Finalist weniger Treffer erzielt.

Hessischer Masterplan

"Auf dem Papier sind wir Außenseiter. Aber in einem Spiel ist alles möglich. Deshalb sehen wir eine Chance", sagte Kovac, der seit Wochen an einem Masterplan bastelt, wie dem BVB mit seinen schnellen Offensivleuten beizukommen ist. "Wir werden unser Heil auch in der Offensive suchen müssen, wenn wir das Spiel gewinnen wollen."

Den Posten im Eintracht-Tor besetzt auch im Cup der Finne Lukas Hradecky, ÖFB-Teamgoalie Heinz Lindner muss wohl auch am Samstag auf der Bank Platz nehmen. Sollte Frankfurt triumphieren, qualifiziert sich die Truppe für die Europa League. Für Sportdirektor Fredi Bobic stand aber unter der Woche fest: "Wir haben doch schon gewonnen, dass wir überhaupt im Finale stehen. Für die Jungs ist es eine Riesengeschichte."

Atemlos

Ein prominenter Daumendrücker ist wie immer Formel-1-Star Sebastian Vettel, der sich das Finale nach dem Qualifying vor dem Großen Preis von Monaco zu Gemüte führen wird. "Dortmund ist auf dem Papier natürlich stärker, aber in 90 Minuten kann alles passieren", sagte der 29-Jährige.

Für Wirbel sorgte im Vorfeld des Final-Showdowns der geplante Auftritt von Schlagerkönigin Helene Fischer in der Halbzeitpause. Bisher fanden Showeinlagen nur vor dem Beginn der Spiele statt. So verhält es sich auch bei dem Auftritt einer österreichischen Band: Die Wiener Formation Kaiser Franz Josef, 2014 Amadeus-Gewinner in der Kategorie "Rock/Hard & Heavy", wird auf der ARD-Bühne vor dem Olympia-Stadion vor dem Ankick zwei kurze Sets spielen. (APA, 27.5.2017)

  • Wollen beide dasselbe: Niko Kovac und Thomas Tuchel.
    foto: imago/matthias koch

    Wollen beide dasselbe: Niko Kovac und Thomas Tuchel.

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