Nach Anschlägen: Twitter-Trolle narren User und Medien mit Fake-Opfern

27. Mai 2017, 11:15
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User verbreiten Fotos mit Hilfe-Aufrufen – offenbar ein Wettbewerb geworden

"Hilfe, mein Sohn war heute in der Manchester-Arena und hebt bei einem Anruf nicht ab" – immer wieder gehen derartige Tweets nach einem Anschlag viral. Zumeist sind diese mit einem Foto versehen, auf dem das Opfer zu sehen sein soll. Manche Medien greifen die Tweets auch auf und binden diese in ihre Berichterstattung ein. Das Problem dabei: Alles nur ein Fake. Die geschockten Angehörigen sind nicht echt und das Opfer auf dem Foto ist ein Unbeteiligter, der oftmals ganz woanders wohnt.

Bild von Australierin weltweit geteilt

Ist ein Bild allerdings einmal im Netz verbreitet, ist es schier unmöglich, dies wieder rückgängig zu machen. Im Falle des Anschlags in Manchester hat es etwa eine Australierin erwischt. Ihr Foto wurde tausendfach geteilt und sogar von einem australischen Fernsehsender verbreitet. Die Mutter des Mädchens erholte sich gerade von einer Operation, als Bekannte sie geschockt kontaktierte, ob denn mit der Tochter alles in Ordnung sei. Die Frau wusste jedoch, dass ihr Kind nicht in Manchester, sondern in der Schule in Melbourne war.

Frau wurde Verbreitung vorgeworfen

In Ohio stieß unterdessen die Besitzerin eines Modelabels auf einen Tweet mit einem Foto, das sie eindeutig wiedererkannte. Auf dem Bild war ein kleiner Junge mit Down-Syndrom zu sehen, der für ihr Label gemodelt hatte. Das Foto stammte von der Besitzerin selbst. "Ich habe versucht die Mutter des Kindes zu kontaktieren, konnte sie allerdings nicht erreichen", sagt die Frau gegenüber dem britischen Guardian. Geschockt erzählt die Frau weiter, dass sie einige Anrufe und Mails erhalten habe, in der ihr die Verbreitung des Fotos vorgeworfen wird. Ihr wurde etwa vorgeworfen, den Anschlag für Werbung für ihr Unternehmen zu nutzen.

Twitter-Troll erklärt Beweggründe

Um die Beweggründe der Urheber solcher Tweets zu verstehen, kontaktierte der Guardian einige Twitter-Nutzer, die solche Postings verbreiteten. Nur ein Nutzer meldete sich und gab an, dass es ihm primär darum geht, die Medien reinzulegen. Laut ihm begann der Trend als einige Social-Media-Nutzer bei jedem Anschlag oder Schießerei das Foto eines Comedians verbreiteten und ihn als Täter hinstellten. Es mittlerweile ein "Wettbewerb" geworden, wer es zuerst schafft, die Medien hinters Licht zu führen. Er hatte es beim Manchester-Anschlag erneut geschafft, einen viralen Tweet zu verbreiten. Auf dem Foto war ein YouTuber zu sehen, der daraufhin ein Video veröffentlichte, in dem er bestätigte, dass er lebt.

thereportoftheweek
Ein Twitter-Nutzer veröffentlichte ein Bild des YouTubers inklusive Todesmeldung. Dieser meldete sich mittels Video, dass er noch am Leben ist.

Twitter sperrt nicht alle Accounts

Der Twitter-Troll will unterdessen weitermachen und betont, dass all dies nicht passieren würde, wenn Menschen und die Medien zumindest ein bisschen recherchieren würden. Twitter selbst sperrt die Urheber solcher Tweets übrigens, sind allerdings auch etwas schlampig dabei. Einige Accounts sind nämlich nach wie vor online und warten bereits auf den nächsten größeren Event, bei dem sie wieder zuschlagen werden. Auf Nachfrage des Guardians wurde nicht reagiert.

Opfer haben kaum Möglichkeiten

Die Opfer solcher Fake-Tweets haben zumeist wenig in der Hand. Oftmals schwirrt ihr Foto wochenlang in den sozialen Netzwerken herum. Zum Teil wird mit gefälschten Tweets auch Hass geschürt. Das Bild einer jungen Frau mit Kopftuch wurde etwa Teil einer Hass-Kampagne gegen Muslime nach dem Anschlag in London. Sie hatte geschockt Angehörige kontaktiert, um ihnen zu bestätigen, dass ihr nichts passiert ist. Auf Twitter und Facebook wurde ihr Foto daraufhin mitsamt hasserfüllter und xenophober Kommentare geteilt. Wochen danach findet sich die Aufnahme nach einer kurzen Suche nach wie vor im Netz. (dk, 27.05.2017)

  • Auf Twitter trollen einige Nutzer andere User mit vermeintlichen Aufrufen, dass Angehörige Opfer eines Terroranschlags wurden. Oftmals lassen sich auch Medien dadurch hinters Licht führen.

    Auf Twitter trollen einige Nutzer andere User mit vermeintlichen Aufrufen, dass Angehörige Opfer eines Terroranschlags wurden. Oftmals lassen sich auch Medien dadurch hinters Licht führen.

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