Anschlag auf ägyptische Kopten: Es gibt keinen Trost

Kommentar26. Mai 2017, 15:04
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Die einfache Antwort, dass der islamistische Extremismus nichts mit dem Islam zu tun habe, ist unbefriedigend

Nach dem Palmsonntag nun der Ramadanbeginn: Den Extremisten in Ägypten ist einerseits jeder Tag recht, um Kopten zu töten, aber andererseits sind sie Kommunikationsprofis genug, um zu wissen, wann ein Anschlag noch mehr Entsetzen hervorruft. Der Effekt bei vielen Nichtmuslimen – was ist das für eine Religion, in deren Namen zum Auftakt eines besonders heiligen Monats gemordet wird – ist den Terroristen hochwillkommen. Alle sollen, wenn sie schon nicht an Gott glauben, an die Feindschaft zwischen den Religionen glauben. Der Frage, warum Muslime Christen hassen müssen, war vergangenen Sommer sogar eine Sondernummer der Propagandapostille des "Islamischen Staats" gewidmet.

Es gibt keinen Trost, nicht für die verfolgten Christen im Nahen Osten, wo das Christentum ja herstammt, nicht für die Nichtmuslime im Westen, die sich vor Anschlägen wie in Manchester fürchten, und auch nicht für die Muslime, deren einzige – unbeholfene und für Nichtmuslime völlig unbefriedigende – Antwort oft ist, dass der "richtige" Islam eben ein völlig anderer sei. Von der Warte eines Religionslosen aus tut man sich leichter: Da gibt es keine "richtige" oder "falsche" Religion, denn eine Religion ist nicht von ihrer Geschichte und ihren historischen Erscheinungsformen, so schrecklich sie gerade sein mögen, zu trennen. Der "Islamische Staat" ist islamisch – so wie die katholische Inquisition katholisch war. Man sollte sich eher fragen, was es braucht, um eine Religion so regredieren zu lassen – und was der Beitrag der islamischen Institutionen ist, die mit dem Extremismus nichts zu tun haben wollen.

Keine Antwort gibt es auf die Frage, warum der ägyptische Staat es nicht und nicht schafft, seinen Kopten – den Urägyptern, wie der Name schon sagt (die Worte Kopten und Ägypten haben den gleichen Stamm) – mehr Schutz angedeihen zu lassen. Der letzte große Anschlag am Palmsonntag in Kairo war für Präsident Abdelfattah al-Sisi Anlass, den Ausnahmezustand auszurufen. Es ist klar, dass nicht hinter jeden Kopten in Ägypten ein Polizist gestellt werden kann, aber mehrere Busse mit Christen, die am Tag des Ramadanbeginns zu einem Kloster unterwegs sind, wären vielleicht doch Grund für einen erhöhten Sicherheitsaufwand gewesen. Einen organisierten Überfall dieses großen Stils hätten natürlich ein paar Polizisten auch nicht verhindern können. Aber der Eindruck nach außen ist, dass viel zu wenig für die Christen in der arabischen Welt getan wird, nicht nur in Ägypten. (Gudrun Harrer, 26.5.2017)

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