Forscher entwerfen Spezialviren gegen Krebs

27. Mai 2017, 08:00
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Künstlich entworfene Viren sollen das von Krebszellen ausgetrickste Immunsystem wieder scharf machen. Schweizer Forscher liefern einen Ansatz dafür

Die meisten Krebszellen regen die körpereigene Abwehr, das Immunsystem, eher schlecht an und können daher ohne merkliche Gegenwehr wachsen. Ganz anders bei Virusinfektionen: Die eindringenden Viren führen im Körper zur Freisetzung von Alarmsignalen, worauf das Immunsystem alle verfügbaren Mittel zum Kampf gegen den Eindringling einsetzt.

Immuntherapien, die das Abwehrsystem des Körpers enthemmen, werden seit einigen Jahren erfolgreich zur Krebsbehandlung eingesetzt. Dadurch wird auch sein halbherzig geführter Kampf gegen die Krebszellen verstärkt. Doch das Immunsystem dazu anzustacheln, dass es spezifisch, gezielt und mit aller Kraft gegen Krebszellen vorgeht, blieb ein weitgehend unerreichtes Ziel.

Forschenden um Daniel Pinschewer von der Universität Basel und Doron Merkler von der Universität Genf ist es nun gelungen, neuartige Designerviren herzustellen, die genau das bewirken sollen. Die Forschenden haben die künstlichen Viren aus dem lymphozytären Choriomeningitis-Virus (LCMV) gebaut, das Nagetiere, aber auch Menschen befallen kann. Sie waren für Mäuse zwar ungefährlich, lösten bei ihnen aber die für Virusinfektionen typischen Alarmsignale aus.

Verstärker für Abwehrkampf

Zudem bauten die Biomediziner den Viren besondere Eiweiße ein, die sonst nur in Krebszellen vorkommen. Bei einer Infektion mit dem Designervirus konnte das Immunsystem diese Krebseiweiße nun als gefährlich erkennen. Die einzigartige Kombination von Alarmsignalen und dem Eiweiß von Krebszellen brachte das Immunsystem dazu, eine schlagkräftige Armee von zytotoxischen T-Lymphozyten herzustellen, die auch Killerzellen genannt werden. Diese konnten die Krebszellen anhand ihres Eiweißes gezielt erkennen und erfolgreich bekämpfen.

Die Behandlungsmöglichkeiten für Krebspatienten haben sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. Dennoch sprechen viele Krebsarten nach wie vor unzureichend auf die derzeit verfügbaren Therapien an, wie die Forschenden schreiben. "Wir erhoffen uns, dass unsere neuen Erkenntnisse und Technologien bald in der Krebstherapie Anwendung finden und einen Beitrag leisten, die Behandlungserfolge bei Krebs weiter zu steigern", sagt Pinschewer. (red, 27.5.2017)

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