Android: Google verspricht wesentlich längere Akkulaufzeit

26. Mai 2017, 18:13
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Smartphones sollen künftig mehrere Tage durchhalten – App-Entwickler müssen sich anpassen

Unter dem Namen "Vitals" will sich Google für die kommende Ausgabe von Android auf die Verbesserung der Basis seines Betriebssystems konzentrieren. So soll Android O denn nicht nur Performance-Verbesserungen sondern auch eine deutlich gesteigert Akkulaufzeit bringen. Google versteht das aber nur als ersten Schritt auf dem Weg zu einem ambitionierten Ziel: Künftig sollen Android-Geräte über mehrer Tage mit einer Akkuladung auskommen.

Eingriff

Wie man dorthin kommen will, führte Ben Poiesz, Product Manager des Android Frameworks-Teams, in einem Vortrag auf der Google I/O aus. Kernaussage ist, dass das System künftig deutlich stärker bestimmen soll, was Apps wann machen dürfen. In der Vergangenheit habe man App-Entwicklern viele mächtige Möglichkeiten an die Hand gegeben, die sich im Nachhinein als Problem herausgestellt haben. Damit soll nun also aufgeräumt werden. Da die anvisierten Änderungen auch Probleme für bestehende Apps ergeben könnte, greife man nun zum – für Google ungewohnten Schritt – die Entwickler bereits recht früh vorab zu informieren.

Hintergrunddienste

Bereits mit Android O werden die Möglichkeiten von Hintergrunddiensten massiv eingeschränkt, gehören diese doch nicht nur zu den größten Akkufressern, sondern und verbrauchen auch viel RAM, was sich wiederum auf die Performance negativ auswirke. Viele App-Entwickler würden solche Services ohne großen Bedacht laufen lassen, ohne sich der daraus ergebenden Konsequenzen bewusst zu sein. Mit der kommenden Betriebssystemgeneration sind solche Hintergrunddienste nun nur mehr für Apps erlaubt, die dies unbedingt benötigen, also etwa Musik-Player oder Fitness-Apps. Zudem muss den Usern das Laufen eines solchen Services klargemacht werden, in dem etwa eine Benachrichtigung im Vordergrund dargestellt wird.

android developers

Alle anderen Hintergrunddienste werden hingegen künftig nach kurzer Zeit automatisch vom System beendet. Darauf müssen sich App-Entwickler also einstellen. Google will diesen aber zur Hand gehen, und in Kürze unter dem Namen JobintentService eine neue Support-Bibliothek vorstellen, die sich automatisch um diese Migration kümmert. Mit dieser werden dann auf älteren Betriebssystemversionen weiter Hintergrunddienste genutzt, während ab Android O dann vom System getimete Jobs zum Einsatz kommen.

Ausnahmen

Angemerkt sei, dass diese Änderungen vorerst nur für jene Apps gelten, die Android O als Zielversion adressieren. In künftigen Versionen des Betriebssystems soll das Beenden von Hintergrund-Tasks aber generell auf diese Weise gehandhabt werden. Und auch sonst sollten sich App-Entwickler lieber nicht zurücklehnen: Denn mit O gibt es auch neue Systemeinstellungen, die es den Usern ermöglicht, Hintergrunddienste für jede beliebige App gezielt zu deaktivieren – egal welche Android-Version diese adressiert. Passend dazu zeigt Android künftig auch an, wie viel Akkuverbrauch die Hintergrunddienste einer App verursachen.

Eine zweite Neuerung mit Android O ist, dass die sogenannten Impliziten Broadcasts vollständig untersagt werden. Bisher können sich Apps über solche Broadcasts umgehend über diverse Aktionen am System informieren lassen also etwa wenn eine SMS eingeht oder ein Foto getätigt wird. Dies führt dann allerdings dazu, dass zahlreiche Programme auf einmal aufgeweckt werden, was sich umgehend in Hängern aber eben auch dem Akkuverbrauch bemerkbar macht. Erste Schritte in diese Richtung wurden bereits mit Android 7 vorgenommen, nun kommt aber das komplette Aus für solche Methoden.

Ortsdienste

Ein weiteres Problemfeld hat man bei Location-Diensten ausgemacht, diese gehören zu den intensivsten Akkuverbrauchern. Es gebe hier einige Apps, die alle paar Sekunden einen neuen Standort haben wollen, was natürlich extrem zu Lasten der Laufzeit geht. Fortan liefere Android nur mehr alle 30 Minuten eine neue Position an diesbezügliche Apps. Auch hier gilt natürlich: Läuft ein Programm im Vordergrund – und damit für die User deutlich sichtbar – gibt es solche Beschränkungen nicht, Pokemon-Go-Spieler müssen sich also keine Sorgen machen.

Das Scannen nach WLANs im Hintergrund begrenzt Android O auf ähnliche Weise, dieses liefert künftig ebenfalls nur alle 30 Minuten neue Ergebnisse. Noch nicht umgesetzt hat man solche Beschränkungen für Bluetooth-Verbindungen, aber auch das soll noch folgen, wie der Google-Entwickler betont.

Wakelocks

Ebenfalls weiter in die Zukunft gehen die Pläne von Google zur Bekämpfung unnötiger Wakelocks, die laut Poiesz rund ein Drittel sämtlicher gemeldeten Akku-Bugs ausmachen, und besonders unangenehm sind. Kann doch ein entsprechender Fehler in einer einzelnen App die Akkulaufzeit des gesamten Smartphones signifikant verringern, da ein Wakelock dafür sorgt, dass der Prozessor nie in den stromsparenden Schlafmodus gehen kann. Gerade bei Usern, die sehr viele Apps installiert haben, sei die Wahrscheinlichkeit von so einem Problem betroffen zu sein, derzeit recht hoch. Poiesz gesteht dabei zu, dass man in den eigenen Untersuchungen auch einige Google-Apps gefunden habe, die solche Probleme aufweisen.

Als Maßnahme dagegen plant Google fortan einen Teil dieser Wakelocks nach einer gewissen Zeit automatisch aufzuheben. Längerfristig denke man sogar darüber nach, ob Apps überhaupt selbst Wakelocks einfordern dürfen.

Ambitionierte Ziele

Das selbstgesetzte Ziel sei eine sechs- bis achtfache Effizienzsteigerung beim Akkuverbrauch, gibt sich Poiesz ambitioniert. Zudem soll mit der Initiative dafür gesorgt werden, dass die erwartbare Laufzeit für die User berechenbarer sei, immerhin gehe es auch darum, dass die User wissen, wofür ihr Akku verwendet wurde. Wer laufend akkuintensive Games spielt, darf sich natürlich auch in Zukunft keine Wunder erwarten, hier spiele das Betriebssystem für den Akkuverbrauch nur eine geringe Rolle. Alle anderen sollten in den nächsten Android-Versionen aber eine signifikante gesteigerte Laufzeit sehen. (Andreas Proschofsky, 26.5.2017)

  • Neue Android-Versionen sollen deutlich sparsamer sein.
    foto: andreas proschofsky / standard

    Neue Android-Versionen sollen deutlich sparsamer sein.

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