"Victoria": Die Katastrophe als Normalzustand

Video26. Mai 2017, 11:24
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Justine Triets zweiter Langfilm mit der wirbelnden Virginie Efira als Pariser Stadtneurotikerin

"Unter meinen Fehlern schlummern enorme Qualitäten." Aber ja doch. Victoria (Virginie Efira), Anwältin und alleinerziehende Mutter zweier Mädchen, kämpft sich durch den privaten und beruflichen Alltag. Dass sie zu Beginn von Justine Triets romantischer Burleske Victoria – Triets zweiter Langfilm nach La Bataille de Solférino – auf einer Psychiatercouch liegt, ist mithin ein erster Hinweis auf ihr Leben als Pariser Stadtneurotikerin.

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Was allerdings in der Folge auf sie einbricht, ist weniger die übliche Ansammlung von mittelgroßen Katastrophen, als ein Normalzustand, für den sie jedenfalls mitverantwortlich ist: die Strafverteidigung eines Freundes (Melvil Poupaud) gegen einen Vergewaltigungsvorwurf, die ebenfalls gerichtliche Auseinandersetzung mit ihrem Ex-Mann, der pikante private Details aus der Ehe nun als Blogger veröffentlicht, und nicht zuletzt die stillen Avancen eines ehemaligen jungen Klienten (Vincent Lacoste), der bei ihr als persönlicher Assistent Unterschlupf findet.

Virginie Efira ist das durch diesen Film wirbelnde Zentrum, dem kontinuierlich die Kraft ausgeht: Victoria trinkt, hat Depressionen, versinkt als labiler Charakter im Chaos, das sie nicht als solches wahrnimmt. Angesiedelt in einem bürgerlichen Milieu, das keine Probleme außer den eigenen kennt, kann es für sie also nur die Liebe als Lösung geben. (pek, 26.5.2017)

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    foto: audoin desforges
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