Sex und Alkohol: Notenbankchef fällt auf Fake-E-Mails rein

26. Mai 2017, 10:01
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Ein gewiefter 38-jähriger Webdesigner erschlich sich E-Mail-Adressen und entlockte dem britischen Notenbankchef pikante Details

Notenbankchefs gehören nicht zu den gesprächigsten Zeitgenossen. Unvergesslich Alan Greenspan, der von August 1987 bis Jänner 2006 die Geschicke der US-amerikanischen Federal Reserve lenkte. Seine abgewetzte lederne Aktentasche, die er stets dabeihatte, konnte die gesamte Finanzbranche das Fürchten lehren: Als Regel unter Insidern galt dabei, dass eine Leitzinsänderung umso wahrscheinlicher war, je dicker die Aktentasche erschien. Zu knacken oder gar zu einem verräterischen Wort zu verleiten war der legendäre Notenbankchef allerdings nie.

Zwei Martinis und mehr

An Einfallsreichtum fehlte es nun einem britischen Webdesigner nicht, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") berichtet. Zielscheibe der Aktion war Mark Carney, seines Zeichens Chef der britischen Notenbank. Der Trick: Der Webdesigner erschwindelte sich über einen Hotmail-Account die E-Mail-Adresse von Anthony Habgood, einem ranghohen Kollegen Carneys in der Notenbank. Letzterer fiel darauf herein und gab Pikantes preis. So etwa unterhielt er sich mit seinem vermeintlichen Kollegen locker flockig über seinen Vorgänger. "Ich würde den Martini trinken und gleich noch zwei weitere bestellen", so Carney. Und weiter: "Augenscheinlich war das Eddie Georges tägliche Dosis ... vor dem Mittagessen." Edward "Eddie" George war bis 2003 Gouverneur der Bank of England. Bezogen hatte sich Carney dabei auf eine E-Mail von "Habgood", in der dieser meinte, Jane Austin sehe auf dem neuen Zehn-Pfund-Schein so aus, als habe sie einen "belebenden Martini" getrunken.

Mit dem nächsten – diesmal sexistischen – Köder ging der spaßige Webdesigner allerdings zu weit. Carney ging nicht nur nicht darauf ein, er widersprach. In der Konversation ging es um eine Sommerparty. Als Anthony Habgood erzählte der Webdesigner, er wolle einige schöne Frauen hinter der Bar und die Gläser extra tief positionieren, damit man ihre Hinterteile besser bewundern könne. Carney antworte knapp, das sei überhaupt nicht angemessen.

Es war nicht das erste Mal, dass dem findigen 38-Jährigen ein solcher Clou gelungen ist. Schon zuvor trieb er sein Unwesen, indem er den Chef der Großbank Barclays Jes Staley anschrieb und sich als Vorstandskollege ausgab, so die "FAZ" weiter. Auch Staley fiel auf die Masche herein. Nach Auffliegen des Schwindels reagierte das Geldhaus und führte zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für E-Mails ein. (red, 26.5.2017)

  • Der Bloßgestellte: Mark Carney könnte jetzt wohl selbst einige Martinis gebrauchen.
    foto: apa/adrian dennis

    Der Bloßgestellte: Mark Carney könnte jetzt wohl selbst einige Martinis gebrauchen.

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