Clostridium difficile: Der gefährliche Durchfall

    26. Mai 2017, 07:59
    1 Posting

    Wer sein Leben lang zu viel Antibiotika nimmt, steigert sein Risiko für eine Infektion mit Clostridium difficile – vor allem Spitäler sind Umschlagplätze

    Nur wenige bakterielle Krankheitserreger sind tückischer als Clostridium difficile. Bei betagten Spitalspatienten – oft mit geschwächtem Immunsystem – bedeuten solche Infektionen eine erhöhte Sterblichkeit. Manche übliche Hygienemaßnahmen versagen in der Kontrolle der Keimverbreitung, sagte der Wiener Spezialist Christoph Wenisch bei den Österreichischen Ärztetagen in Grado.

    C. difficile-Infektionen können auch ohne Symptome verlaufen. Oft kommt es aber zu schweren Durchfallerkrankungen bis hin zur Perforation der Darmwand, Nierenversagen, Sepsis und septischem Schock. Bei Spitalspatienten mit solchen Infektionen liegt die Sterblichkeit innerhalb von 30 Tagen in Europa zwischen drei Prozent (Frankreich) und 30 Prozent (Großbritannien). Österreich nimmt mit einer Mortalität von 14 Prozent eine Durchschnittsstellung ein.

    Resultat von zu viel Breitbandantibiotika

    Risikofaktoren für eine solche Erkrankung ist die Infektion über Sporen, eine geschädigte Darmflora und eine verminderte Antikörperbildung gegen die Toxine des Bakteriums. Unter den hauptsächlichen Risikofaktoren (speziell durch Schädigung der Darmflora) finden sich Medizin-bedingt vor allem Antibiotikatherapien. Besonders die längerfristige Verwendung von Breitband-Antibiotika begünstigt C. difficile-Infektionen.

    Besonders schwierig stellen sich die Hygienemaßnahmen zur Begrenzung der Verbreitung der Keime in Spitälern dar. Krisen mit mehreren Todesfällen in britischen Krankenhäusern ließen sich vor einigen Jahren auf Sparmaßnahmen auch mit Out-Sourcing von Reinigungspersonal in Verbindung bringen. Kommt ein Krankenhauspatient in ein Bett, in dem zuvor ein anderer Kranker eine Antibiotikatherapie erhalten hat, steigt die C. difficile-Infektionsrate bereits um 22 Prozent.

    Die üblichen Desinfektionsmittel auf Alkoholbasis für die Beseitigung von Keimen auf Oberflächen wirken gegen die C.difficile-Sporen nicht, betonte Wenisch, Leiter der Infektionsabteilung am Wiener Kaiser Franz Josef Spital. Spitalspatienten mit einer solchen Infektion und Durchfällen müssen isoliert werden. Einweghandschuhe und Einmalschürzen für das medizinische Personal sind de facto Pflicht. Händewaschen mit Seife und Wasser ist wichtig, weil eben die übliche Desinfektion mit alkoholischen Lösungen nicht gegen die Keime effektiv ist.

    Unter dem Radar

    In Österreich dürften viele Jahre lang viel zu wenige C. difficile von den Krankenhäusern gemeldet worden sein. Erst ab 2004 gab es einen Anstieg von unter 1.000 auf um die 2.000 in den Folgejahren. 2015 waren es dann rund 6.800 Fälle. Das kann nur mit der Zahl der Meldungen zusammenhängen. Bei diesen von der Agentur Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) erhobenen Daten ergab sich eine Mortalität von Patienten mit solchen Infektionen von 5,1 Prozent im Jahr 2015.

    Erst vor wenigen Wochen wurden in Wien beim Kongress der europäischen Gesellschaft für Mikrobiologie sehr bedenkliche Zahlen zu C. difficile präsentiert. Alistair Leanord von der Universität in Glasgow und seine Mitarbeiter hatten in den schottischen Krankenhäusern zwischen 2010 und 2013 insgesamt 3.304 Patienten mit C. difficile-Infektionen identifizieren können und mit 9.516 Spitalspatienten ohne diese Darminfektion verglichen. Zwei Drittel der Kranken hatten sich im Spital angesteckt.

    Tödlicher Ausgang

    Laut der Auswertung der Wissenschafter starben 29 Prozent der Patienten mit einer C. difficile-Erkrankung binnen zwei Monaten nach der Aufnahme ins Krankenhaus aus irgendeinem Grund (Gesamtmortalität) im Vergleich zu 14 Prozent der Kranken ohne eine solche zusätzliche Infektion. 60 Prozent der Betroffenen wurden wegen einer wiederkehrenden C. difficile-Erkrankung binnen sechs Monaten erneut ins Krankenhaus eingeliefert.

    Die Spitalskosten bei einem Patienten mit zusätzlicher C. difficile-Erkrankung betrugen laut den Berechnungen im Durchschnitt rund 8.600 Euro. Bei Krankenhauspatienten ohne eine solche Infektion lagen sie im Durchschnitt bei 3.200 Euro. "In Schottland verursachten die C. difficile-Infektionen pro Jahr rund 10.600 zusätzliche Krankenhaus-Aufenthaltstage. Das entspricht der ständigen Belegung einer 30-Betten-Station zusätzlich", sagte Leanord. In Europa kommt es pro Jahr schätzungsweise auf rund 125.000 C. difficile-Infektionen. Die Rückfallsrate beträgt 15 bis 30 Prozent. (APA, 26.5.2017)

    Share if you care.