St. Pöltens Klassenkampf geht nach 1:1 gegen WAC weiter

25. Mai 2017, 18:22
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Niederösterreicher liegen vor der letzten Runde nur zwei Zähler vor Schlusslicht Ried und müssen nun nach Wien zu Rapid

St. Pölten – Reinhard Weidinger hatte sich, wie sich das für Orakel so geziemt, in einschichtige Bergregionen verflüchtigt. Dass er damit den STANDARD im Vorfeld des Treffens zwischen dem SKN St. Pölten und dem WAC rätselnd auf sich allein stellte, dürfte ihn nicht sonderlich angefochten haben. Die Partie der 35. und vorletzten Bundesliga-Runde, soviel wurde klar, war nicht ganz unwichtig. Schließlich konnte der niederösterreichische Aufsteiger mit einem Sieg den Klassenerhalt aus eigener Kraft endgültig sicherstellen. Er würde damit nicht zuletzt dem Sportdirektor Frenk Schinkels etwas Gutes tun, der regelmäßig ein paar Sitzreihen vor Ihrem Berichterstatter ganz erbarmungswürdig vor sich hin leidet. Kaum einmal schafft er ein Match am Stück, verschwindet stattdessen früher oder später, vom überstrapazierten Nervenköstum getrieben, in den Katakomben.

In der letzten Woche hatten die St. Pöltner beim SV Ried, dem Kontrahenten im Ringen um den Klassenerhalt, ein Remis errangelt. Dem WAC, mit sechs Punkten Vorsprung auf den Letzten schon vor Anpfiff so gut wie gerettet, war es gelungen, einem üblen Lauf mit einem Sieg gegen die Wiener Austria zu kontern. Jener Wiener Austria, die eine weitere Woche davor wiederum den Innviertlern in hochüberlegener Manier heimgeleuchtet hatte. Diese Liga lässt den Beobachter ratlos zurück, Vorhersagen erscheinen als Ding der Unmöglichkeit. Man kann versuchen, das positiv zu deuten.

Die Leiden des Schinkels

Im vorliegenden Fall entwickelte sich das Geschehen von Beginn an durchaus lebendig, daran hatten beide Seiten in etwa vergleichbaren Anteil. Die Atmosphäre in der NV-Arena schien hoffnungsfroh aufgeladen. Das Publikum zeigte sich willig, seinen Part zu spielen: ein Kinderfreundeschuss von Paul Pirvulescu löste eine nachgerade enthusiastische Reaktion auf den Rängen aus (3.). Erstmals wirklich brenzlig wurde es nach einer Viertelstunde, da bugsierte Manuel Hartl einen weiten Freistoßball noch einmal zurück in den Fünfer – allein, es fehlte ein Abnehmer. Wenige Augenblicke später war ein solcher sehr wohl vorrätig: Michael Ambichl drückte nach Vorarbeit von Lonsana Doumbouya so kurzentschlossen wie herzhaft ab und der SKN führte (18.). Schinkels klatschte ab.

Das Goal wirkte vielleicht nicht wie eine Initialzündung, die Gastgeber saßen nun aber doch auf dem längeren Ast. Doumbouya befand sich auf dem alleinigen Weg Richtung WAC-Keeper Christoph Riegler, als er von Referee Dominik Ouschan zurückgepfiffen wurde. Das vom Assistenten monierte Abseits war allerdings in der Realität nicht gegeben (26.). Statt möglicherweise 2:0 stand es kurz darauf 1:1. Der wuchtige Issiaka Ouedraogo hatte eine Flanke losgelassen, Christian Klem wurde nur zögerlich bedrängt und verfügte den Ball unter die Latte (33.). Schinkels eruptierte. Bis zur Pause machte jetzt wieder der WAC die etwas bessere Figur.

Doumbouya und König Zufall

Bei Wiederbeginn blieb der Sitz des Sportchefs zunächst verwaist, er verpasste ereignisreiche Minuten. Erst gelang eine Direktabnahme Lukas Thürauers nicht ganz nach Wunsch, der SKN-Kapitän war nach einem Outeinwurf arg vernachlässigt worden (50.). Dann kam Doumbouya, der ansonsten trotz seiner Höhe von 1,93 Metern recht zuverlässig an jedem hohen Ball vorbei schlakst, an einen Kopfball. Der Mann aus Guinea brachte es allerdings fertig, aus fünf Metern exakt die Innenstange anzuvisieren. Verzweifeltes Aufheulen aus immerhin 5.251 Kehlen (52.) folgte. Danach wurden die Bandagen härter: Doumbouya hätte nach einer völlig überzogenen Attacke an Michael Sollbauer zumindest verwarnt werden müssen, David Stec widerfuhr selbiges nach einer an Stephan Palla verübten Grobheit.

St. Pölten blieb auch weiterhin gefährlicher: Doumbouya kam im Laufduell mit Kofler zu kurz (69.), Hartl hatte freie Schussbahn, schloss jedoch zu zentral Richtung WAC-Keeper ab (74.). Das Geschehen degenerierte zunehmend zu einem kampfbasierten Gewurschtel, zehrte von der Brisanz der Konstellation. Spielmacher Zufall war König. Den Bemühungen des SKN haftete jetzt Verzweiflung an, vielleicht hatte sich auch die Rieder Führung in Altach herumgesprochen. Die Kärntner hingegen hatten Zeit. Und es glückte ihnen, bis zum Ende ereignisarme Zerfahrenheit herbei zu führen. Während der WAC mit dem 1:1 also das rettende Ufer erreicht hat, geht St. Pöltens Klassenkampf weiter. In der letzten Runde trifft man am Sonntag in Wien auf Rapid, das auf zwei Punkte herangerückte Schlusslicht Ried empfängt Mattersburg. (Michael Robausch – 25.2. 2017)

Bundesliga (35. Runde):
SKN St. Pölten – Wolfsberger AC 1:1 (1:1)
St. Pölten, NV Arena, 5.200, SR Ouschan.

Torfolge:
1:0 (18.) Ambichl
1:1 (33.) Klem

St. Pölten: Riegler – Stec, Huber, Grasegger, Pirvulescu (84. Vucenovic) – Hartl, Ambichl, Petrovic, Drazan (70. Mehremic) – Doumbouya, Thürauer (79. Brandl)

WAC: Kofler – Zündel, Sollbauer, Hüttenbrenner, Palla (79. Standfest) – G. Nutz, Offenbacher (66. M. Leitgeb), Tschernegg, Klem – Orgill (87. Prosenik), Ouedraogo

Gelbe Karten: Stec bzw. keine

  • Stimmen:

Jochen Fallmann (Trainer St. Pölten): "Wir sind enttäuscht, weil mehr für uns drin war. Das Glück war wieder einmal nicht auf unserer Seite, zumal zwei klare Elfer für uns nicht gegeben wurden. Jetzt wollen wir den nötigen Punkt in Wien holen. Ich gehe davon aus, dass Gerald Baumgartner (Anm.: Mattersburg-Trainer) so ein Sportsmann ist, dass er gegen Ried seine beste Mannschaft aufbietet und die Mattersburger vollen Einsatz zeigen werden."

Heimo Pfeifenberger (WAC-Trainer): "Es war ein sehr kampfbetontes Spiel, das nicht schön anzuschauen war. Aber das war bei dieser Ausgangsposition logisch. Wir haben schlecht begonnen, aber die Mannschaft hat sich gut herausgezogen und am Ende den Punkt über die Zeit gebracht. Wir können mit dem Punkt natürlich besser leben als St. Pölten."

Lukas Thürauer (Kapitän St. Pölten, via Sky): "Jetzt haben wir das Endspiel, das wir nicht haben wollten. Ried muss gewinnen, aber natürlich ist unser Gegner stärker."

  • Noch gibt es Arbeit.
    foto: robausch

    Noch gibt es Arbeit.

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