VW vs. VW: Wolfsburg im Relegations-Duell mit Braunschweig unter Druck

24. Mai 2017, 18:51
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"VfL-Lebensversicherung" Gomez: "Wir müssen das schaffen" – Braunschweig-Trainer Lieberknecht: "Keiner hätte den Aufstieg mehr verdient als wir nach so einer Saison"

Wolfsburg/Braunschweig – 2009 noch deutscher Fußball-Meister, vor zwei Jahren DFB-Pokal- sowie DFB-Supercup-Gewinner, und nun das Relegationsduell mit dem Nachbarn aus Braunschweig. Der Druck, der auf dem VfL Wolfsburg vor dem Heimspiel am Donnerstag lastet, ist enorm. Mit einem klaren Erfolg wollen die "Wölfe" den Grundstein zum Klassenerhalt legen, damit das Rückspiel am Montag (beide 20.30 Uhr) keine Zitterpartie wird.

In der Abgeschiedenheit des kleinen niederländischen Städtchens De Lutte zog sich Wolfsburg zur Vorbereitung zurück, um den drohenden und vor kurzem noch für unmöglich gehaltenen Bundesliga-Abstieg zu verhindern. "Wir haben zwar in Wolfsburg die besten Bedingungen, aber man braucht auch die Ruhe, und die ist etwas größer, wenn wir wegfahren", begründete der niederländische Trainer Andries Jonker diese Maßnahme.

Unliebsame Erinnerungen für den VfL

Ruhe vor dem Sturm heißt das Motto, denn auch Jonker weiß, dass die beiden Duelle gegen den Zweitliga-Dritten zwei ganz besondere werden. Im gemeinsamen Bundesliga-Jahr 2013/14 konnte der große VfL gegen die kleine Eintracht aus Braunschweig kein Spiel gewinnen. Das Heimspiel ging mit 0:2 verloren, das Rückspiel endete 1:1. Zwei Resultate, die in der Relegation den Absturz in die Zweitklassigkeit sowie eine massive Budgetkürzung für den millionenschweren VW-Werksverein bedeuten würden.

"Da sind Emotionen dabei. Das habe ich damals schon gespürt", sagte Jonker, der vor drei Jahren als Assistenz-Coach dabei war. Emotionen, die den Wolfsburgern in dieser Saison bisher oft abgingen. Auch nach dem 1:2 beim HSV am Samstag hatte es nicht bei allen Spielern den Anschein, als hätten sie den Ernst der Lage erkannt. Sportdirektor Olaf Rebbe nahm seine Profis aber in Schutz. "Sie waren enttäuscht und wütend", berichtete Rebbe, der nach wie vor darum bemüht ist, kühlen Kopf zu bewahren.

Gomez mit Zweckoptimismus

Der deutsche Teamstürmer Mario Gomez, mit 16 Liga-Toren bisher quasi die Lebensversicherung der Grün-Weißen, appelliert daran, an die eigene Stärke zu glauben. Auch wenn gleich drei wichtige Wolfsburg-Spieler – Sebastian Jung, Riechedly Bazoer und Jakub Blaszczykowski – gegen Eintracht Braunschweig fehlen. "Wir haben jetzt zwei Spiele gegen einen Zweitligisten – bei aller Liebe: Wir müssen das einfach schaffen", forderte der Torjäger, ohne den es der VfL wohl nicht einmal in die Relegation geschafft hätte. Doch bleibt die Frage, warum das völlig konturenlose Team sein Potenzial ausgerechnet jetzt abrufen soll, wenn es das zuvor in 34 Runden kaum geschafft hat.

In Braunschweig hoffen sie insgeheim, dass der große Nachbar auch in der Relegation den Erwartungen hinterherhinkt. Mit Sticheleien in Richtung des gerade einmal rund 30 Kilometer entfernten VfL hielt man sich bei der Eintracht aber zurück. "Wolfsburg ist der haushohe Favorit", betonte Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht, wollte aber ansonsten lieber über sein Team reden. "Keiner hätte den Aufstieg mehr verdient als wir nach so einer Saison."

VW vs. VW

Der VfL kann sich auch im Falle eines Abstiegs weiter auf die Unterstützung von Volkswagen verlassen. "VfL ist eine 100-Prozent-Tochter von VW; VW lässt keine Tochter fallen", wurde der Aufsichtsrats-Vorsitzende der VfL-GmbH, Francisco Javier Garcia Sanz, am Mittwoch in Wolfsburger Medien zitiert.

Dennoch kündigte der Spanier eine gründliche Analyse der schwachen Saison an, will diese aber erst nach den Relegationsspielen führen. "Wir werden alles ab Dienstag besprechen, vorher nicht", sagte Garcia.

Für die Volkswagen-Bosse ist der Kampf um den letzten freien Platz in der Bundesliga auch deshalb so brisant, weil der Konzern beim Zweitligisten Braunschweig über die Marke Seat ebenfalls als Hauptsponsor fungiert. "Dass es gegen Braunschweig geht, ist eine außergewöhnliche Situation", gab Garcia zu. Duelle gegen Braunschweig seien "Derbys wie Schalke gegen Dortmund oder Atletico gegen Real", betonte Garcia, "da ist immer ein bisschen Pfeffer dabei." (APA, 24.5.2017)

  • Er soll es gegen Braunschweig richten: DFB-Teamstürmer Mario Gomez.
    foto: apa/afp/dpa/christian charisius

    Er soll es gegen Braunschweig richten: DFB-Teamstürmer Mario Gomez.

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