Insektenfossil erschüttert These von der Isolation Indiens

26. Mai 2017, 18:32
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In Bernstein konservierte Mücken zeigen, dass der Subkontinent nicht so abgeschottet war wie gedacht

Bonn – Einst war der Indische Subkontinent Teil von Gondwanaland. Vor 130 Millionen Jahren – also in der zweiten Hälfte der Dinosaurierära – endete der Zusammenhalt dieses Superkontinents und Indien machte sich auf den Weg in Richtung Norden. Rund 80 Millionen Jahre später kollidierte es mit Asien und türmte den Himalaya auf. Bisher nahm man an, dass Indien während seiner Reise weitestgehend abgeschnitten vom Rest der Welt war, was zu einer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt führte.

Nun aber zeigt sich, das die Isolation doch nicht so total war wie gedacht: Aktuelle Untersuchungen von fossilen Insekten liefern Grund zur Annahme, dass es vor der Entstehung des Indischen Bernsteins einen regen Faunenaustausch zwischen Indien und Europa gab.

Fliegen im indischen Bernstein

Ein Team um Frauke Stebner von der Universität Bonn hat die entscheidenden Hinweise bei in Cambay Bernstein aus dem Nordwesten Indiens konservierten Mücken und Fliegen gefunden, die der Gruppe der Lygistorrhiniden angehören. Die heutzutage ausschließlich in tropischen Regionen verbreiteten Zweiflügler sind bisher nur mit sieben ausgestorbenen und acht lebenden Gattungen bekannt.

Unter Berücksichtigung der Seltenheit dieser Gruppe hat die Untersuchung von acht Fossilien im Indischen Bernstein eine erstaunliche Vielfalt ergeben: Drei neue Arten aus drei unterschiedlichen Gattungen sind beschrieben worden. Das übertrifft sogar die Artenzahl aus dem wohl bekanntesten fossilen Harz, dem Baltischen Bernstein, aus welchem nur zwei Arten beschrieben sind.

Die neu beschriebenen Fossilien des Cambay Bernsteins zeigen verschiedene Verbreitungsmuster: Indorrhina sahnii ist eine vollkommen neue Gattung und Art, welche nur aus dem Indischen Bernstein bekannt ist, wohingegen Lygistorrhina indica zu einer Gruppe von Zweiflüglern gehört, welche auch in deutlich jüngerem Dominikanischem Bernstein und in heutigen tropischen Regionen vorkommt.

Verwandte im Norden Europas

Der interessanteste Fund ist vermutlich Palaeognoriste orientale – dieses Fossil aus dem Indischen Bernstein hat seine nächsten Verwandten in etwas jüngerem Baltischem Bernstein aus Europa und untermauert somit die Theorie, dass es vor der Entstehung des Bernsteins einen Faunenaustausch zwischen beiden Regionen gab.

Die Ausbreitungswege der Tiere sind bislang noch unklar, wie die Forscher in der Fachzeitschrift "PeerJ" schreiben. Vorstellbar ist aber, dass die Insekten Inselkettensysteme zwischen Indien und Europa benutzt haben könnten, um sich auszubreiten. Ähnliche Überlegungen lieferte auch schon eine Untersuchung anderer Zweiflügler des Indischen Bernsteins. (red, 26.5.2017)

  • Die Mücke Palaeognoriste orientale, eingeschlossen im indischen Cambay Bernstein. Der nächste Verwandte dieses Insektes lebten im Norden Europas.
    foto: frauke stebner

    Die Mücke Palaeognoriste orientale, eingeschlossen im indischen Cambay Bernstein. Der nächste Verwandte dieses Insektes lebten im Norden Europas.

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