Suizide in Österreich rückläufig

24. Mai 2017, 12:39
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Strengere Waffengesetze reduzieren die Zahl der Selbstmorde in Österreich. Experten raten, gefährdete Personen direkt anzusprechen

"Die Suizide nehmen in Österreich ab. Von 1970 bis Mitte der 1980er-Jahre gab es einen stetigen Anstieg, seither eine Abnahme. Männer sind dreimal häufiger betroffen als Frauen", sagt Anita Holzinger von der Universitätsklinik für Psychiatrie der MedUni Wien im AKH.

Bei den Männern erhöhte sich die Suizidrate von 1970 bis Mitte der 1980er-Jahre von etwa 35 Selbsttötungen pro 100.000 Personen auf Spitzenwerte von bis zu 42 je 100.000 und Jahr. Seither fiel die Häufigkeit auf eine Quote von etwa 24/100.000 Männer und Jahr. Unter den Frauen blieb die Suizidrate von 1970 bis 1985 mit 15 Fällen pro 100.000 und Jahr in etwa konstant. 2014 waren es etwa sieben Suizide pro 100.000 Frauen.

2013 wurden in Österreich insgesamt 1.456 Suizide (1.068 bei Männern, 388 bei Frauen) registriert, 2014 waren es insgesamt 1.313 (989 bei Männern und 324 bei Frauen). Seit 1980 ist die Häufigkeit von Suiziden in Wien um 60 Prozent zurückgegangen, eine etwas schwächere Reduktion wurde in Niederösterreich und Salzburg registriert. In Tirol waren es minus 30 Prozent und in der Steiermark minus 35 Prozent.

Zusammenhang mit Waffengesetz

Jedenfalls stellen die Selbsttötungen ein viel größeres Problem dar als die tödlichen Verkehrsunfälle. "Ab 2010 gabt es in Österreich bereits mehr als doppelt so viele Suizide als Verkehrstote", zitiert Holzinger den Wiener Spezialisten Gernot Sonneck.

Statistisch klar belegt ist eine Korrelation zwischen der Häufigkeit des Waffenbesitzes und der Zahl der Suizide mit Schusswaffen. "Es gibt einen Zusammenhang zwischen den Schusswaffensuiziden und der Waffenpassrate. Die österreichischen Bundesländer mit einer relativ hohen Waffenpassrate haben auch eine relativ hohe Waffensuizidrate."

Die Verschärfung der Waffengesetze in Österreich seit 1997 hätten auch eine Reduktion der Selbsttötungen und der Morde unter Verwendung von Schusswaffen gebracht, betont die Expertin. "Ein Substitutionseffekt, also eine Zunahme anderer Suizidmethoden wurde nicht verzeichnet", so Holzinger. Suizid sei auch eine Frage der Gelegenheit.

Tabuisierung ist falsch

Auch die Verbesserung der psychosozialen Versorgung in den meisten Regionen Österreichs habe die Häufigkeit von Selbsttötungen verringert. Entscheidend sei die möglichst schnelle Kontaktaufnahme mit potenziellen Gefährdeten und entsprechende Hilfe. Jeder Mensch kann dabei mithelfen. Das ist keine Angelegenheit von Experten. "Wenn Sie das Gefühl haben, jemand in Ihrer Nähe könnte an Suizid denken, bitte fragen Sie ihn danach", so Holzinger. Ein Tabuisieren sei völlig falsch.

Jedes Aufnehmen eines menschlichen Kontaktes in dieser Hinsicht wirke der Suizidalität entgegen. "Feuer am Dach" sei jedenfalls, wenn jemand Kontakt verweigere oder völlig apathisch bei solchen Nachfragen wirke, so die Expertin. "Suizidalität ist oft nur von ganz kurzer Dauer." Deshalb könne eine einfache Intervention vielen Betroffenen helfen, die gefährlichste Periode zu überstehen. (APA, 24.5.2017)

Wer gegenüber einem anderen Menschen auch nur den leisesten Verdacht auf eine Gefährdung vermutet, sollte den Betroffenen offen darauf ansprechen, raten Experten.

Hilfseinrichtungen für Personen, die sich in einer Krise befinden oder Suizidgedanken haben:

kriseninterventionszentrum.at

Soforthilfe:

Unter dieser Nummer erhalten Sie qualifizierte und rasche Hilfestellung rund um die Uhr: Psychiatrische Soforthilfe (0–24 Uhr): 01/313 30

Kriseninterventionszentrum (Mo–Fr 10–17 Uhr): 01/406 95 95

Rat und Hilfe bei Suizidgefahr: 0810/97 71 55

Sozialpsychiatrischer Notdienst: 01/310 87 79

Telefonseelsorge (0–24 Uhr, kostenlos): 142

Rat auf Draht (0–24 Uhr, für Kinder & Jugendliche): 147

Sorgentelefon für Kinder, Jugendliche und Erwachsene (Mo–Sa 14–18 Uhr, kostenlos): 0800/20 14 40

Männernotruf Steiermark: 0800 246 247

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  • Wer bei einer Person in seinem Umfeld eine Gefährdung vermutet, sollte sie direkt darauf ansprechen.
    foto: dpa/dpaweb

    Wer bei einer Person in seinem Umfeld eine Gefährdung vermutet, sollte sie direkt darauf ansprechen.

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