Bohrkern aus dem Mondsee liefert Daten aus 7.000 Jahren

24. Mai 2017, 11:40
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Betrachtung der Langzeitentwicklung soll klären helfen, ob es bei Hochwasserereignissen aktuell einen "Regimewechsel" gibt

Wien/Graz – In den vergangenen 15 Jahren gab es in Österreich gleich drei Jahrhunderthochwasser. Das könnte Zufall sein, möglicherweise haben sich die Bedingungen aber auch so geändert, dass solche Ereignisse nun häufiger auftreten, sagte der Grazer Umweltökonom Franz Prettenthaler. Mit Hochwasserdaten von heute bis zurück in die Jungsteinzeit wolle man dies klären.

An den Jahresringen eines Baumes kann man ablesen, welche Zeiten nährstoffreich und welche karg waren – genauso erkennt man an den Sedimenten eines Sees, ob es in einem Jahr Hochwasser gab oder nicht, sagte Prettenthaler, der an der Joanneum Research Forschungsgesellschaft in Graz arbeitet. Er hat sein Projekt beim Österreichischen Klimatag vorgestellt.

Dem Zufall auf der Spur

In den Forschungsvorhaben hat er mit internationalen Kollegen einen Bohrkern aus dem Mondsee in Oberösterreich mit bis zu 7.000 Jahre alten Sedimenten dahingehend untersucht. Außerdem werteten sie Schadensdaten von Hochwasserereignissen aus dem vorigen Jahrhundert aus, untersuchten die Zugbahnen von Tiefdruckgebieten und beobachteten, welche Niederschlagssummen sie produzieren.

Im Prinzip sei es ein Zufallsprozess, ob es in einem Jahr die "passende" Wetterlage für ein Hochwasser gibt, und mit einer Zufallskonstante könne man deren Wahrscheinlichkeit berechnen. Doch jene Zufallskonstante wird von den klimatologischen Umständen bestimmt. Mit versicherungsmathematischen Methoden ermittelten die Forscher, wann sich die Zufallskonstanten änderten und es damit zu "Regimewechseln" bei den Hochwasserwahrscheinlichkeiten kam.

Wechselnde Phasen

Sie entdeckten, dass dies schon einige Male passiert ist, zum Beispiel 1500, 1300 und 81 vor unserer Zeitrechnung, sowie anno 1489. Außerdem fanden sie heraus, dass 217 eine 247-jährige Periode ohne ein einziges Hochwasserereignis zu Ende ging. "Dies passt sehr gut mit historischen Aussagen zusammen, dass es um diese Zeit ein ganz besonderes Klima gab, das auch die größte Ausdehnung des römischen Reichs ermöglichte", so Prettenthaler.

Mit der langen Reihe an Hochwasserdaten könne man einerseits besser abschätzen, wie sich die Niederschlagsregimes in Zeiten des Klimawandels ändern werden, andererseits auch Aussagen über die Wahrscheinlichkeit von Hochwassern in der heutigen Zeit machen. Die Forscher wollen etwa herausfinden, ob die Hochwasser 2002, 2005 und 2013 Ereignisse waren, die im Schnitt nur einmal im Jahrhundert auftreten und zufällig sehr bald hintereinander geschahen, oder ob es jüngst einen Regimewechsel gab, der solche Überschwemmungen heutzutage viel wahrscheinlicher macht. (APA, 24. 5. 2017)

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