Unternehmer fragen wieder mehr Exportkredite nach

23. Mai 2017, 17:23
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Die Kontrollbank erwartet ein steigendes Kreditvolumen, die Nullzinspolitik hat vorzeitige Rückzahlungen gebracht

Wien – Die anziehende Konjunktur trägt Früchte bei Exportfinanzierungen. "Die Nachfrage steigt, das macht Mut", schildert Kontrollbank-Finanzvorstand Angelika Sommer-Hemetsberger, die Stimmung ist deutlich besser als vor einem Jahr." Heuer erwarte man ein steigendes Kreditvolumen.

Auf den Iran, der seit Atomabkommen und Aufhebung der Sanktionen zu den Hoffnungsmärkten zählt, treffe das allerdings noch nicht im erwarteten Ausmaß zu. Da die US-Sanktionen noch immer nicht obsolet sind, gebe es nur sehr wenige Banken, die das Risiko entsprechend langfristigen Finanzierungen etwa für Infrastrukturinvestitionen in Kauf nehmen würden.

Der Hintergrund: Geldinstitute mit Dollarfinanzierungen müssen ihrerseits fürchten, bei Iran-Geschäften von den Amerikanern sanktioniert zu werden.

Weniger Finanzierungszusagen

Kurzfristige Finanzierungen (maximal zwei Jahre) hingegen seien kein Problem. Für sie bringt das billige Geld, mit dem die Europäische Zentralbank (EZB) seit der Finanzkrise die Märkte flutet, sogar Alternativen zum Kontrollbankkredit. Auch Cashflow-Finanzierung werde von Unternehmen verstärkt genützt, sagte Sommer-Hemetsberger im Klub der Wirtschaftspublizisten. Österreichs Firmen hätten ihre Hausaufgaben in der Krise gemacht. Bei der OeKB hinterließen die niedrigen Zinsen 2016 Spuren in Form eines massiven Nettokreditrückgangs. Die neu erteilten Finanzierungszusagen beliefen sich auf 4,46 Milliarden Euro, 2015 waren es 5,0 und 2012 gar 7,1 Milliarden.

Der Haftungsrahmen (die OeKB übernimmt im Namen der Republik Haftungen, Garantien, Wechselbürgschaften) wurde 2016 mit 22,5 Milliarden Euro bei weitem nicht ausgeschöpft, sondern ging um 2,7 Milliarden Euro zurück. 2012 lag der Wert noch bei 34 Milliarden. Der Rückgang hat ebenfalls mit den Zinsen zu tun: Unternehmen führten ihre Kredite vorzeitig zurück. Das kam billiger als abstottern, obwohl Vorfälligkeitsentschädigungen fällig wurden. Unterm Strich vereinnahmte die OeKB dadurch einen um 7,1 Prozent auf 85,1 Millionen Euro gestiegenen Zinsüberschuss. Das Betriebsergebnis stieg von 51,4 auf 56,3 Mio. Euro, der Gewinn sank aufgrund eines negativen Ergebnisses aus Finanzinstrumenten um 7,8 Prozent auf 43 Mio. Euro (von denen 20 als Dividende an die Eigentümerbanken gehen).

Bank Austria erbt Tresor

Überschuss hat die OeKB auch in ihrem Tresorraum. Da Aktien und Anleihen großteils digitalisiert wurden, reichte sie den frei gewordenen Platz in dem von der Bundesimmobiliengesellschaft gemieteten Gebäude Am Hof an die Bank Austria weiter. Die hat somit nach dem Auszug aus der Zentrale in der Schottengasse wieder einen Tresor – und im OeKB-Gebäude eine Bankfiliale. (ung, 23.5.2017)

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