"Biblische Geologie": Kreationist klagt US-Nationalparkbehörde

27. Mai 2017, 12:00
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Geologe wird nach eigenen Angaben aufgrund seiner christlichen Überzeugungen am Sammeln von Gesteinsproben im Grand-Canyon-Nationalpark gehindert

Washington – Ein australischer Geologe und Kreationist hat einen Strafantrag gegen die US-Nationalparkbehörde National Park Service (NPS) eingebracht: Wie "Science" berichtet, ortet Andrew Snelling Diskriminierung aufgrund seiner religiösen Überzeugungen. Er sammelt seit Jahrzehnten Nachweise für eine globale Sintflut vor rund 4.300 Jahren, die alles Leben auf der Erde vernichtete – mit Ausnahme derer, die auf der Arche Noah gerettet wurden. Nach eigenen Angaben wurde Snelling die Entnahme von Gesteinsproben im Grand-Canyon-Nationalpark zu diesem Zweck untersagt.

Die Entscheidung sei aus einer Ablehnung seiner religiösen Standpunkte heraus erfolgt und verletze seine Rechte und Freiheiten, heißt es in dem Strafantrag. Vom zuständigen Bundesbezirksgericht in Arizona liegt noch keine Stellungnahme dazu vor.

Forschungsantrag zurückgewiesen

Snelling, der Geologie an der Universität Sydney studierte und 1982 mit einer Dissertation abgeschlossen hat, arbeitet seit Jahrzehnten für kreationistische Organisationen: Nach langer Tätigkeit in der australischen "Creation Science Foundation" wechselte er 2007 nach Kentucky zur fundamentalistisch-evangelikalen Organisation "Answers in Genesis", um die "biblische Geologie" voranzubringen. Das Ziel: eine wörtliche Auslegung der biblischen Schöpfungsgeschichte zu etablieren und zu beweisen, dass die Erde nicht älter als 6.000 Jahre sein könne.

Im Jahr 2013 suchte Snelling bei der zuständigen Behörde NPS um eine Genehmigung an, im Grand Canyon mehrere Sedimentstrukturen aus dem Paläozoikum zu analysieren und 60 Gesteinsbrocken einzusammeln und mitzunehmen. Dort war man von seinem "Forschungsantrag" allerdings wenig beeindruckt und lehnte mit der Bemerkung ab, dass es genügend andere Formationen außerhalb des Grand-Canyon-Nationalparks gebe, derer er sich bedienen könne. Und fügte eine Warnung hinzu: Das Sammeln von Gesteinsproben in geschützten Gebieten ohne Genehmigung habe eine dauerhafte Antragssperre zur Folge.

Nächster Versuch

"Meine Schlussfolgerung ist, dass Dr. Snelling seit 1982 keine wissenschaftlichen Leistungen vorweisen kann und seither auch keiner anerkannten Forschungsinstitution angehört hat", kommentierte der Geologe Karl Karlstrom von der University of New Mexico in Albuquerque den Fall. Der Experte für die Entstehungsgeschichte des Grand Canyon kritisierte das Antragsdokument zudem als insgesamt unprofessionell.

2016 versuchte es Snelling erneut und brachte einen etwas abgeänderten Antrag ein. Diesmal wurde er dazu aufgefordert, zunächst GPS-Koordinaten und Fotografien der gewünschten Forschungsstätten einzureichen und genauere Angaben zur beabsichtigten Vorgehensweise zu machen. Snelling weigerte sich und brachte stattdessen einen Strafantrag ein.

Strafantrag mit Unterstützung

Der Nationalpark habe vielfach Anträge für Probenentnahmen bewilligt, ohne von den Wissenschaftern zuvor so genaue Informationen zu verlangen, heißt es darin. Hinter der Entscheidung in seinem Fall stehe allein die Ablehnung seiner kreationistischen Überzeugungen seitens der Behörde, wodurch seine Rechte eingeschränkt würden. Die Haltung der Behörde verletze zudem den Erlass zum Schutz der Religionsfreiheit, den US-Präsident Donald Trump Anfang Mai unterzeichnet hatte.

"Der Fall verdeutlicht beispielhaft, warum Präsident Trump dieses Dekret unterzeichnen musste", sagte Gary McCaleb von der christlich-fundamentalistischen NGO "Alliance Defending Freedom", die Snelling vor Gericht vertritt. "Die Behördenvertreter haben Dr. Snellings religiöse Überzeugungen zur Entscheidungsfindung herangezogen und zum Anlass genommen, seine Forschung zu verhindern." Unterstützung erhält Snelling auch vom republikanischen Kongressabgeordneten Trent Franks, der sich ebenfalls in den Fall einschaltete und die Ausstellung einer Genehmigung forderte: "Ich vertraue darauf, dass es sich bei der ausbleibenden Bewilligung um ein Missverständnis handelt, das sich aufklären wird."

Jetzt schon aufgeklärt ist jedenfalls das ungefähre Alter des Grand Canyons: Wie Karlstrom und Kollegen 2014 im Fachblatt "Nature Geoscience" berichteten, dürfte der Canyon vor etwa fünf bis sechs Millionen Jahren entstanden sein. Seine ältesten Gesteinsschichten sind über 1,84 Milliarden Jahre alt – und übertreffen die alttestamentarischen Zeitangaben dann doch signifikant. (dare, 27.5.2017)

  • Blick über den – Jahrmillionen alten – Grand Canyon.
    foto: ap/rick bowmer

    Blick über den – Jahrmillionen alten – Grand Canyon.

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