Saatgutdepot in der Arktis muss vor Klimawandel geschützt werden

23. Mai 2017, 15:20
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Auf Spitzbergen lagern Pflanzensamen aus der ganzen Welt

Longyearbyen – Ein als besonders sicher geltendes Saatgut-Depot in der Arktis ist vom Klimawandel bedroht und soll besser geschützt werden. Im "Global Seed Vault" auf der Inselgruppe Spitzbergen lagern Pflanzensamen aus der ganzen Welt bei Minusgraden, um im Falle von Naturkatastrophen oder auch Kriegen auf sie zurückgreifen zu können.

Doch nach starken Regenfällen und Schneeschmelze wegen einer Hitzewelle war im vergangenen Oktober Wasser in einem Zugangstunnel entdeckt worden, wie die Behörden in Norwegen mitteilten. Saatgut sei dabei nicht beschädigt worden. Nun werden den Angaben zufolge unter anderem wasserdichte Schutzwände gebaut, Wärmequellen in dem Tunnel entfernt und Entwässerungsgräben ausgehoben.

Die im Jahr 2008 eröffnete Samenkammer liegt in einer stillgelegten Kohlegrube außerhalb der Stadt Longyearbyen. Ein futuristisch anmutender Eingang führt ins Innere. Dort können bis zu 2,5 Milliarden Samen aufbewahrt werden. Im März wurde auch ein Archiv für wichtige Dokumente aus aller Welt eingerichtet.

Merkel fordert Einigkeit

Im Kampf gegen den Klimawandel sei ein gemeinsames Handeln der Weltgemeinschaft angemahnt, sagte Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag in Berlin beim Petersberger Klimadialog: "Wir sind verantwortlich füreinander. Wir haften füreinander. Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft."

Sie lobte die Anstrengungen von China und Indien. Der Geist beim Beschluss des Weltklimavertrages von Paris müsse weiterleben. "Ich versuche also, auch Zweifler noch zu überzeugen. Dabei bleibt immer wieder Arbeit", sagte Merkel am Ende ihrer Rede, ohne die USA einmal direkt zu erwähnen. Dies tat unmittelbar im Anschluss der Ministerpräsident der Fidschi-Inseln, Frank Bainimarama: "Wir haben einen Elefant im Saal. Und der ist die Unsicherheit über die Position der USA."

Ausgaben würden weltweites BIP-Wachstum anschieben

Dass Bestrebungen zur Bekämpfung des Klimawandels nicht unbedingt ein wirtschaftliches Verlustgeschäft sein muss, berechnete die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Entsprechende Investitionen würden der OECD-Studie zufolge das Wirtschaftswachstum weltweit anschieben. Bis 2021 sei unter dem Strich mit einem zusätzlichen Wohlstandsgewinn über das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1 Prozent zu rechnen, heißt es in der heute, Dienstag, veröffentlichten Untersuchung. Bis 2050 betrage das Plus dann 2,8 Prozent.

Diese würden durch zusätzliche Investitionen in erneuerbare Energien, Leitungsnetze oder umweltfreundlichen Verkehr ausgelöst würden. Kalkuliere man die vermiedenen Schäden durch den Klimawandel ein, sei sogar mit 4,7 Prozent zu rechnen. Berücksichtigt ist dabei, dass etwa Preise für Strom steigen und Investitionen in Kohle- oder Ölkraftwerke vorzeitig abgeschrieben werden müssten. Die wirkt negativ auf das Wachstum.

Um den weltweiten Temperaturanstieg auf unter zwei Grad gegenüber der vorindustriellen zu begrenzen, müssten die ohnehin fälligen Investitionen in Energie- oder Verkehrssysteme allerdings erhöht werden, schreibt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), in der vorwiegend Industriestaaten vertreten sind. Jährlich müssten dann weltweit 600 Mrd. Dollar (533,7 Mrd. Euro) mehr ausgegeben werden. Diese Summe relativiere sich aber, wenn man die 6.300 Mrd. Dollar sehe, die ohnehin für Investitionen aufgebracht werden müssen. Gerade jetzt in der Zeit von weltweit überwiegend niedrigen Zinsen eröffne sich für die Weltgemeinschaft hier eine Chance. (APA, dpa, Reuters, 23.5.2017)

  • Die kenianische Nobelpreisträgerin Wangari Maathai und Norwegens damaliger Premierminister Jens Stoltenberg bei der Eröffnung des Global Seed Vault.
    foto: epa/larsen hakon mosvold

    Die kenianische Nobelpreisträgerin Wangari Maathai und Norwegens damaliger Premierminister Jens Stoltenberg bei der Eröffnung des Global Seed Vault.

  • Eine schematische Darstellung des Bunkers.
    foto: epa/global crop diversity trust

    Eine schematische Darstellung des Bunkers.

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