"Miramare": Zeugin belastet Ex-Hypo-Vorstände

    23. Mai 2017, 14:22
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    Erste Kredittranche wurde trotz negativen Bescheids ausbezahlt

    Klagenfurt – Im Hypo-Prozess um das kroatische Hotelprojekt "Miramare" am Landesgericht Klagenfurt hat am Dienstag eine Zeugin die angeklagten Ex-Hypo-Vorstände schwer belastet. Sie habe auf Anweisung ihrer Vorgesetzten Kreditmittel ausbezahlt, obwohl nicht alle Voraussetzungen erfüllt gewesen seien, erklärte die ehemalige Hypo-Mitarbeiterin bei der Befragung durch den Schöffensenat.

    Der Untreue angeklagt sind die Ex-Hypo-Vorstände Wolfgang Kulterer, Günter Striedinger und Josef Kircher sowie die beiden damaligen Kreditwerber. Der Schaden beträgt laut Staatsanwaltschaft 17,7 Mio. Euro. Der Kreditfall zog sich über die Jahre 2005 bis 2007.

    "Sonderfall"

    Erste Zeugin dieses Tages war die damalige Leiterin der Marktfolge, der Abteilung Group Market Support (GMS). Sie bezeichnete den inkriminierten Kredit als "Sonderfall". Ihre Abteilung sei hier stärker involviert gewesen als es bei den Cross-Border-Finanzierungen sonst üblich gewesen sei.

    Es sei in diesem Fall zu Abweichungen zwischen Kreditantrag und Ist-Situation gekommen. Ohne Unterschrift des Vorstandes hätte man die erste Tranche nicht auszahlen dürfen, denn die Hypo Kroatien (HBC) als prüfende Stelle hatte empfohlen, nicht auszuzahlen, erklärte sie.

    "Wenn es solche Abweichungen gegeben hat, haben wir die Vorstände informiert und um Anweisungen gebeten. Wenn alles in Ordnung war, zahlten wir aus und der Vorstand war gar nicht eingebunden", präzisierte sie auf Nachfrage des Vorsitzenden des Schöffensenats, Richter Uwe Dumpelnik. Im konkreten Fall hatten Kircher und Kulterer unterschrieben. "Sind Sie in dem Fall overruled worden. Nach dem Motto Ober sticht Unter?" fragte Staatsanwalt Norbert Ladinig. "Ja, das kann man so sagen", antwortete die Zeugin.

    Verhandlung ohne Striedinger

    Der Kreditantrag sei in Kroatien geprüft und von der kroatischen Hypo in die Hypo International (HBInt) zur Beschlussfassung gekommen, erzählte sie. Für die laufende Kontrolle sei ebenfalls Kroatien zuständig gewesen. Auf Anforderung der HBC habe die HBInt die Mittel dann an die HBC überwiesen. Warum im vorliegenden Fall die Kredittranche trotz negativer Beurteilung durch die Hypo Kroatien ausgezahlt worden sei, könne sie nicht sagen, so die Zeugin. Auf Nachfrage des Kulterer-Verteidigers Josef Weixelbaum erklärte sie auch, dass das Letztrisiko dieses Kreditengagements bei der HBC gelegen sei.

    Die Verhandlung fand ohne Striedinger statt. Er hatte gleich zu Beginn ausdrücklich erklärt, den Verhandlungen nicht weiter beiwohnen zu wollen und verließ mit Zustimmung des Schöffensenats den Verhandlungssaal. Laut Auskunft seines Anwalts Sebastian Lesigang war dies Striedingers 106. Verhandlungstag in einer Hypo-Causa.

    Die Verhandlung wurde am Nachmittag mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt, auch für den (morgigen) Mittwoch sind Zeugen geladen. (APA, 23.5.2017)

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