Ski-Weltcup-Reform: Aus für Kombi, mehr Parallelrennen

23. Mai 2017, 13:22
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Weltcup soll laut "New Vision" kompakter werden – Diskussionen um Termine, Starterfeld, Super G

Wien – Der alpine Ski-Weltcup steht vor einer umfassenden Reform. Bei der FIS-Kalenderkonferenz von Mittwoch bis Sonntag in Portoroz in Slowenien wird am Samstag ein "Strategiepapier" präsentiert, das die neue Richtung ab 2020 vorgeben soll. Auch WM-Kandidaten 2023 wie Saalbach-Hinterglemm sind für Briefings vor Ort, am Sonntag tagt zum Abschluss der FIS-Vorstand.

Saalbach-Hinterglemm hatte 2015 gegenüber St. Anton am Arlberg (Tirol) den Vorzug für eine österreichische Bewerbung bekommen. Obwohl die jüngsten Alpinski-Weltmeisterschaften in Österreich erst 2013 stattfanden, wähnt man sich in Salzburg gegenüber dem französischen Konkurrenten Courchevel-Meribel im Vorteil, weil im hinteren Glemmtal die Wege kurz sind und in Frankreich an zwei verschiedenen Orten gefahren werden muss. Die Weltmeisterschaften 2023 werden im Juni 2018 vergeben.

Thema Weltcup-Kalender

Im Mittelpunkt der Konferenz an der Adria-Küste stehen aber die diversen Weltcup-Kalender, und da tut sich speziell im Alpinbereich einiges. Schon im kommenden Winter etwa könnte die traditionelle Herren-Abfahrt in Bormio ins Programm zurückkehren.

Speziell im Alpinski-Bereich wird die lange diskutierte "Umkrempelung" des Kalenders nun offenbar ernsthaft angegangen. So gilt das Aus für die Alpine Kombination ab 2020/21 als beschlossen. Das bestätigte auch FIS-Chefrenndirektor Markus Waldner gegenüber der APA.

Mehr Parallelbewerbe

Die aus einem Speed-Rennen und einem Slalom zusammengezählte Kombination wird demnach 2019 bei der WM in Aare (Schweden) zum letzten Mal ausgetragen und danach durch stadtnahe City- bzw. Parallel-Events ersetzt. Im Kalender-Entwurf ab 2020 stehen etwa gleich sieben Parallelbewerbe pro Geschlecht (Team und Einzel) im Programm, der erste soll als Team-Event gleich bei der Saisoneröffnung in Sölden steigen. Bleibt das so, hätten die Techniker womöglich einen weiteren Vorteil im Kampf um die große Kristallkugel.

Zudem durchkreuzt dies auch etwas die Strategie von Peter Schröcksnadel. Der ÖSV-Präsident hatte kürzlich u.a. mehr Augenmerk auf die Kombi angeregt, weil dort "leichte" Medaillen zu holen seien. Auch mit einem "Alpine Team Event" (ATE) in Sölden hätte der Tiroler bekanntlich keine Freude.

Zu große Starterfelder

In Slowenien wird jedenfalls diskutiert, wie die "New Vision" im Alpin-Weltcup im Detail aussehen könnte. So sucht man etwa auch Lösungen dafür, die Starterfelder zu verkleinern. "Die Fernsehstationen steigen nach der Nummer 30 aus, da sind aber oft noch 50 Läufer am Start", erklärte Waldner das Dilemma. Kleinere Starterfelder würden aber wohl vor allem auf Kosten der großen Verbände gehen.

Diskussionen um Super G

Auch über das Renn-Format der einzelnen (Technik-) Disziplinen wird diskutiert. So sind Sprint-Abfahrten in zwei Durchgängen statt dem Super-G vorstellbar. Weil der Alpin-Weltcup schlanker, einfacher und kompakter werden soll, könnte es nach der Kombi in absehbarer Zeit deshalb auch dem Super-G an den Kragen gehen.

Die zweitschnellste Alpindisziplin ist nach Meinung vieler der Abfahrt zu ähnlich. "Man sieht oft kaum Unterschiede. Es stellt sich also die Frage der Sinnhaftigkeit", so Waldner.

Gespräche über Großevents

Pläne, die alle zwei Jahre stattfindenden Weltmeisterschaften auf Ende Februar/Anfang März nach hinten zu schieben und danach nur noch das Weltcup-Finale auszutragen, haben hingegen offenbar keine Befürworter gefunden. "Es wäre zwar für den Weltcup eine Aufwertung, der Marktwert ist im Februar aber doch sehr hoch", erklärte Waldner, warum man die Weltmeisterschaften weiterhin Anfang Februar beginnen lassen wird.

Die Idee wird schon seit längerem ventiliert, weil das Interesse am Skirennsport spätestens mit Wiederbeginn der Fußball-Ligen deutlich abebbt. Auch in den kommenden Wintern geht der Alpinski-Weltcup aber weiterhin erst Mitte März zu Ende. "Die Wertigkeit des Weltcups nach der WM ist aber vielfach praktisch null", verweist Waldner etwa auf schwach besuchte Events wie jenen der Herren in Kvitfjell in Norwegen.

Wie üblich sind dies aber alles lediglich Vorschläge und Diskussionsthemen, die diese Woche bei der Konferenz in Slowenien besprochen werden. Entscheiden kann in der FIS nur das Council bzw. der alle zwei Jahre tagende Kongress.

Erstmals ein Teambewerb bei Olympia

Nicht gerüttelt wird am Programm der Alpinski-Wettkämpfe bei Olympia 2018 in Pyeongchang. In Südkorea wurde nur eine Abfahrtspiste gebaut. Deshalb erstrecken sich die Speed-Bewerbe über die kompletten zwei Wochen statt diese wie zuletzt üblich in der ersten und die Technikbewerbe in der zweiten Olympia-Woche abzuwickeln. Der erstmals bei Olympia ausgetragene Teambewerb findet als letzter Bewerb zum Schluss statt. (APA, 23.5.2017)

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