Michael Haneke: Feel-Bad-Kino aus Österreich

Umfrage29. Mai 2017, 08:00
48 Postings

Der neueste Film des österreichischen Regisseurs feierte in Cannes Premiere. Welchen seiner Filme schätzen Sie besonders?

"Happy End" heißt zwar Michael Hanekes neuester Film, der auf den Filmfestspielen in Cannes Premiere feierte. Kritiken zufolge gibt es bei Haneke jedoch auch weiterhin keine Hoffnung und schon gar kein Happy End. Es geht um eine "Dynastie verlorener Seelen", wie der "Guardian" schreibt. Leichten Themen widmet sich der 1942 geborene österreichische Regisseur und Drehbuchautor wahrlich nicht.

Gleich seine ersten drei Kinofilme sind eine "Trilogie über die emotionale Vergletscherung der postindustriellen Konsumgesellschaft". "Der siebente Kontinent", "Bennys Video" und "71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls" stellen Selbstmord, Mord und einen Amoklauf dar – Hanekes Filme fordern den Zuschauern einiges ab. So wie "Funny Games". Ohne erkennbares Motiv wird hier eine Familie über Nacht von zwei Jugendlichen ausgelöscht. Als Haneke den Film Jahre später für den amerikanischen Markt Szene für Szene neu verfilmt, schreibt die "New York Times": "Seine eigene reine und perverse Art des filmischen Sadismus versucht uns die Freude an unserem eigenen Masochismus zu nehmen." Haneke wolle sein Publikum mit seinen Filmen nicht unterhalten, sondern bestrafen.

Keine leichte Kost

Schuld, Isolation, die brüchige Fassade der Bürgerlichkeit, dysfunktionale Familien und immanente Bedrohungszenarien spielen auch in seinen französischen Filmen "Caché", "Code: unbekannt", "Wolfszeit" und "Die Klavierspielerin" eine große Rolle. "Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte" beschert Haneke im Jahr 2009 schließlich seine erste Goldene Palme von Cannes. Im STANDARD-Interview erklärt er seine Gedanken zur Grundidee des Films: "Jede Geschichte hat ihre eigene Form. Ich wollte zeigen, dass überall dort, wo Leid, Unterdrückung, Demütigung und Verzweiflung herrschen, ein Boden für die Empfänglichkeit von jeder Art von Ideologie bereitet wird."

"Amour" aus dem Jahr 2012 entließ nur die allerwenigsten mit trockenen Augen aus den Kinosälen. Zu ehrlich und einfühlsam wird die kompromisslose Liebe der zwei Hauptfiguren, die bis in den Tod reicht, dargestellt. Dafür wird Haneke schließlich sein erster Oscar und seine zweite Goldene Palme von Cannes verliehen.

Was schätzen Sie an Hanekes Filmen?

Welchen von Hanekes Filmen fanden Sie am einprägsamsten? Welche Szene können Sie nicht vergessen? (aan, 29.5.2017)

  • Michael Haneke bei den Filmfestspielen in Cannes.
    foto: afp photo/ loic venance

    Michael Haneke bei den Filmfestspielen in Cannes.

  • the upcoming

    Ungezwungenes Familiendiner in "Happy End".

  • user5134

    Der Trailer zu "Das weiße Band".

  • Szene aus "Die Klavierspielerin".
    foto: wega film/petro domenigg

    Szene aus "Die Klavierspielerin".

  • movieclips trailers

    Der Trailer zu "Liebe".

  • film society of lincoln center

    Darren Aronofsky interviewt Michael Haneke zu seinem Film "Das weiße Band".

    Share if you care.