ORF-Chef: "Wolf keine brutale Mimose", Jeannée "menschenverachtend"

23. Mai 2017, 11:14
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Wrabetz: Anchor "betreibt keinen destruktiven Journalismus" – Warnt vor "Volksbegehren gegen die Unabhängigkeit des ORF"

Wien – ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz warnt davor, "ein Volksbegehren gegen die Unabhängigkeit des ORF zu starten". Überlegungen für ein ORF-Volksbegehren wurden vor wenigen Wochen aus der ÖVP, aber auch anderen Parteien kolportiert – Medienminister Thomas Drozda (SPÖ) distanzierte sich entschieden von solchen Überlegungen.

Im Publikumsrat verteidigte Wrabetz auch "ZiB 2"-Anchor Armin Wolf gegen Vorwürfe des Medienpsychologen und stellvertretenden Publikumsratsvorsitzenden Peter Vitouch: "Armin Wolf betreibt keinen destruktiven Journalismus", erklärte Wrabetz, "und ich würde ihn auch nicht als brutale Mimose bezeichnen". Diese Wortwahl von Vitouch, den er schätze, "würde ich wirklich nicht für gut befinden".

Allen Vorstößen gegen "die Vielfalt" der journalistischen Zugänge und Stile im ORF erteilte Wrabetz eine Abfuhr, sie seien "deutlich und schärfstens zurückweisen". Der ORF werde sich "unterschiedliche Stile nicht nehmen lassen". Der ORF verfolge seinen Auftrag, objektiv und ohne Schlagseite zu berichten, in jeder Sekunde – auch wenn das nicht immer gelinge.

"Menschenverachtend"

"Manche Medien" – Wrabetz nannte hier als Beispiel "Krone"-Kolumnist Michael Jeannée – würden "unsere journalistischen Proponenten in wirklich menschenverachtender Weise attackieren".

ORF-Publikumsratsvorsitzende Ilse Brandner-Radinger betonte, dass der Publikumsrat "den Redaktionen den Rücken stärkt" – wenn auch "Fehler passieren".

"Natürlich" stärke das Gremium den Redaktionen den Rücken, sagte ihr Stellvertreter Vitouch. Es sei aber "legitim, dass ich als Medienwissenschafter, als Medienpsychologe Fragen eines Journalisten beantworte" – Vitouch bescheinigte Wolf in den "Salzburger Nachrichten" "destruktiven Journalismus". Es müsse möglich sein, "bestimmten Vorfällen des kritischen Journalismus kritisch gegenüberzustehen, ohne den kritischen Journalismus grundsätzlich zu hinterfragen".

Neuerlich zeigte sich Vitouch "erstaunt, mit welcher Intensität und Massivität auf die Kritik reagiert wird". Wolf war ob Vitouchs Kritik "fassungslos" – am Freitag in Ö1 ("Punkt eins") nannte er sie "infam" – weil Vitouch sie nicht mit Beispielen belege.

Fenninger: Kritik von Interessen geleitet

Publikumsrat Erich Fenninger, der sich gerade in Sorge um Journalismus und Unabhängigkeit aus dem Stiftungsrat zurückgezogen hat, verortet die Kritik an der "ZiB 2" und Armin Wolf aus seiner Erfahrung: "Je näher man Politikern und Politikerinnen kommt, desto stärker wird die Kritik an der 'ZiB 2' und Wolf. Je weiter man weggeht, desto weniger kann man die Kritik – auch nur im geringsten – nachvollziehen."

Es gelte, "eine Lanze zu brechen für kritischen Journalismus", der versuche, im Sinne des Publikums von Politikern mehr zu erfragen, als sie preisgeben wollen. "Es wird im Wahlkampf noch viel Druck auf die Journalisten kommen. Es ist wichtig, diesen Journalisten die Mauer zu machen."

Fenninger war im Stiftungsrat Sprecher des "Freundeskreises" der roten Stiftungsräte. Die Funktion hat Heinz Lederer übernommen. Fenninger bleibt im Publikumsrat, der ihn ins gewichtigere ORF-Gremium entsandt hat. Das Mandat bekommt die niederösterreichische Arbeiterkammer-Vizedirektorin Bettina Heise. (red, 23.5.2017)

  • "ZiB 2"-Moderator Armin Wolf.
    foto: standard / cremer

    "ZiB 2"-Moderator Armin Wolf.

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