Wrabetz: TV-Info "ab sofort" bei ORF-General, Channelchefs nicht abgesagt

23. Mai 2017, 10:40
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"Channelstruktur soll jedenfalls noch im heurigen Jahr nach den Nationalratswahlen", schreibt Wrabetz Mitarbeitern

Wien – ORF-General Alexander Wrabetz hat seine Mitarbeiter per Rundmail am Dienstag informiert, dass die TV-Information "ab sofort" zur Generaldirektion ressortiert und nicht mehr zur Programmdirektorin. Die neue Struktur mit Channel Managern und Channel-Chefredakteuren sei verschoben auf nach der Nationalratswahl. Aber, so betont Wrabetz in seinem Mail, die Struktur sei keineswegs abgesagt.

Wörtlich schreibt Wrabetz: "Diese Maßnahme bedeutet jedoch keine "Absage" der neuen Struktur, deren strategische Notwendigkeit ja eindeutig gegeben ist. Die Umsetzung der Channelstruktur soll jedenfalls noch im heurigen Jahr nach den Nationalratswahlen erfolgen."

Publikumsräte wie Willi Mernyi (ÖGB, roter Freundeskreis) und Walter Marschitz (Verband Sozialwirtschaft Österreichs, schwarzer Freundeskreis) bedauerten die Verschiebung der Channel-Struktur und ihrer Besetzung, sie plädieren für rasche Umsetzung.

Wrabetz erklärte die Verschiebung mit zeitaufwändigen Abläufen parallel zur Berichterstattung über den Nationalratswahlkampf. Denn, so Wrabetz wörtlich über die Channel Struktur: "Die Politik geht das nichts an."

Wrabetz' Brief an die Mitarbeiter im Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich möchte Sie persönlich über die weiteren Schritte im Zusammenhang mit der Strukturreform im ORF-Fernsehen informieren. Die Einführung der Channelstruktur im Fernsehen ist sicher die größte Änderung der Aufbau- und Ablauforganisation im ORF seit Jahrzehnten. Seit Mitte Jänner habe ich die notwendigen Schritte mit Direktorium, Betriebsrat, Redakteursvertretung und Führungskräften diskutiert. Es entspricht weder den rechtlichen Regelungen noch meinem Stil, solche weitreichenden Veränderungen ohne Diskussion zu verordnen. Eine umfassende Debatte, das Anhören unterschiedlicher Meinungen und der Versuch der Einbindung möglichst vieler Betroffener, führt erfahrungsgemäß bei großen Veränderungen zu besseren Ergebnissen. Ich habe bereits in meiner Bewerbung letztes Jahr festgehalten, dass die Channelstruktur "so rasch wie möglich, aber gleichzeitig, wegen der Komplexität des Vorhabens, so behutsam wie notwendig" eingeführt wird. Der knapp viermonatige Prozess zur Entwicklung einer neuen Organisation ist sehr weit fortgeschritten und plangemäß hätte nun die Phase der Ausschreibungen, Bestellungen und Implementierungen begonnen.

Da nun für den 15. Oktober die vorgezogene Nationalratswahl anberaumt wurde, habe ich beschlossen, den Implementierungsprozess "on hold" zu stellen und die neue Struktur erst nach der erfolgten Nationalratswahl umzusetzen. In den kommenden Monaten des Nationalratswahlkampfes werden wir uns ausschließlich darauf konzentrieren, erstklassige, objektive, vielfältige und professionelle Informationssendungen zu gestalten und unserer Rolle als wichtigste und glaubwürdigste Informationsquelle der Österreicherinnen und Österreicher bestmöglich gerecht zu werden. Bei sofortiger Umsetzung der neuen Strukturen wären zahlreiche Ausschreibungsverfahren inklusive der unterschiedlichen Hearings durchzuführen gewesen und in der Folge hätte sich die neue Struktur gerade in der Intensivphase des Wahlkampfes einspielen müssen.

Diese Maßnahme bedeutet jedoch keine "Absage" der neuen Struktur, deren strategische Notwendigkeit ja eindeutig gegeben ist. Die Umsetzung der Channelstruktur soll jedenfalls noch im heurigen Jahr nach den Nationalratswahlen erfolgen. Mit der Festlegung der Geschäftsverteilung nach meiner Wahl im Sommer des Vorjahres wurde festgelegt, dass die aktuelle TV-Information fachlich nicht zur Programmdirektion ressortiert. Unabhängig vom Start der Channelstruktur wird die fachliche Verantwortung für die FD 1 im Einvernehmen mit der Programmdirektorin, entsprechend der im Sommer des Vorjahres festgelegten Geschäftsverteilung, ab sofort vom Generaldirektor wahrgenommen. Selbstverständlich bleibt die redaktionelle Unabhängigkeit wie bisher gewahrt. Die Regelung entspricht strukturell sinngemäß jener, die z. B. beim ZDF seit vielen Jahren besteht.

Entgegen anders lautenden Medienberichten haben wir alle die genannten Schritte in intensiver Diskussion in der Geschäftsführung gemeinsam entwickelt und werden die weiteren Maßnahmen in vertrauensvoller Zusammenarbeit umsetzen.

Ich bin überzeugt, dass Sie wie bisher in allen Bereichen des Unternehmens Ihre Verantwortung für den Erfolg im Interesse des Publikums auch in den kommenden Monaten wahrnehmen werden und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Alex Wrabetz

(red, 23.5.2017)

  • ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.
    foto: apa/herbert neubauer

    ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.

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