Südkoreas Ex-Präsidentin wies Vorwürfe zum Prozessauftakt zurück

23. Mai 2017, 10:32
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Park in Handschellen zum Gericht gebracht – Anklage wegen Bestechlichkeit und Machtmissbrauch

Seoul – Zum Auftakt ihres Korruptionsprozesses hat die frühere südkoreanische Präsidentin Park Geun-hye (65) alle Vorwürfe zurückgewiesen. Parks Anwalt habe argumentiert, die Anschuldigungen gegen Park beruhten auf "Schlussfolgerungen und Fantasie, ohne strikte Beweise", berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap am Dienstag aus dem Gerichtssaal in Seoul.

Das Verfassungsgericht hatte die konservative Politikerin im März wegen ihrer Rolle in einer Korruptionsaffäre um eine enge Vertraute des Amtes enthoben. Park muss sich vor Gericht wegen Bestechlichkeit, Machtmissbrauch, Nötigung sowie Weitergabe geheimer Regierungsdokumente und anderer Vorwürfe verantworten. Im Falle einer Verurteilung droht ihr nach Berichten südkoreanischer Medien eine Haftstrafe von zehn Jahren bis lebenslang.

Die Ex-Präsidentin wurde nach der Fahrt von einer Haftanstalt in Handschellen, jedoch ohne Häftlingskleindung, zum Gebäude des zentralen Seouler Bezirksgericht eskortiert. Im Gerichtssaal nahm die in einem dunkelblauen Hosenanzug gekleidete Park ohne die Fesseln auf der Anklagebank Platz. An ihrem Revers steckte ein Knopf mit ihrer Häftlingsnummer. Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich nach Berichten südkoreanischer Sender zahlreiche Anhänger Parks, um für ihre Freilassung zu demonstrieren.

Erster öffentlicher Auftritt

Es war der erste öffentliche Auftritt der 65-jährigen Tochter des früheren Militärdiktators Park Chung Hee seit ihrer Verhaftung Ende März. Gegen sie liegen 18 Anklagepunkte vor, die meisten von ihnen stehen im Zusammenhang mit dem Skandal um ihre langjährige Freundin Choi Soon Sil, die am Dienstag ebenfalls vor Gericht erschien.

Aus Sicht der Verfassungsrichter hatte Park es zugelassen, dass sich ihre Freundin in die Regierungsgeschäfte eingemischt hat. Choi hat nie ein öffentliches Amt inne gehabt. Sie soll dank ihrer Beziehung zu Park zahlreiche Unternehmen einschließlich der Samsung-Gruppe genötigt haben, ihre Stiftungen und Organisationen mit Millionen zu fördern. Auch steht Park im Verdacht, in der Erstellung einer schwarzen Liste von mehr als 9.000 Kulturschaffenden und Künstlern beteiligt zu sein, die der ehemaligen Präsidentin gegenüber kritisch waren.

Das Parlament hatte im Dezember ein Amtsenthebungsverfahren gegen Park eingeleitet. Mit ihrer Absetzung am 10. März verlor sie auch ihre Immunität. Zuvor hatte es monatelang Straßendemonstrationen gegen Park gegeben. Am 9. Mai wurde der linksliberale Politiker Moon Jae In bei der vorgezogenen Präsidentenwahl zum Nachfolger Parks gewählt. (APA, 23.5.2017)

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