Deutsche Manager in Champagnerlaune

23. Mai 2017, 10:36
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Ifo-Geschäftsklima auf höchstem Stand seit Wiedervereinigung

Berlin/München,– Bei deutschen Managern knallen momentan die Korken: Beflügelt von der Wahl von Emmanuel Macron zum Präsidenten des wichtigen Handelspartners Frankreich kletterte der Ifo-Geschäftsklimaindex im Mai auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. "In den deutschen Chefetagen herrscht Champagnerlaune", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest am Dienstag zu der Umfrage seines Instituts unter 7000 Managern. Angesichts der guten Stimmung hob der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) seine Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr von 1,6 auf 1,8 Prozent an. Die gute Konjunktur und die niedrige Arbeitslosigkeit dürften Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Bundestagswahl im September in die Karten spielen.

Positive Aussichten

Das Ifo-Geschäftsklima kletterte unerwartet deutlich um 1,6 auf 114,6 Punkte. "Die deutsche Konjunktur zeigt eine hohe Schlagzahl", so Fuest. Die Führungskräfte beurteilten sowohl ihre Geschäftslage als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate besser. Die Wahl Macrons habe dabei geholfen, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe im Reuters-Interview. Der Linksliberale hat sich gegen die rechtsextreme, Euro-feindliche Kandidatin Marine Le Pen durchgesetzt. "Diese Nachricht hat Rückenwind gegeben. Es ist ein Signal dafür, dass die Europäische Union nicht akut unter Druck steht wie noch vor einem Jahr." Macron will unter anderem den Arbeitsmarkt reformieren. Von einer Belebung ihres zweitwichtigsten Handelspartners Frankreich würde auch die deutsche Wirtschaft profitieren.

Experten warnen allerdings vor möglichen Rückschlägen. "Es ist kein Selbstläufer, die gute konjunkturelle Entwicklung auch in den nächsten Jahren halten zu können", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben, dessen Verband 25.000 Unternehmen befragt hat, die ihre Geschäftslage derzeit so gut wie noch nie seit der Wiedervereinigung bewerten. Zu den Risiken zählten nicht nur der geplante EU-Austritt Großbritanniens, drohende Handelsbeschränkungen in den USA oder Probleme mit der Türkei, sondern vor allem der Fachkräftemangel. Ohne letzteren könnte das Wachstum schon jetzt höher sein.

"Hochmut kommt vor dem Fall"

"Allzeithoch – das ist eine tolle Nachricht", sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle mit Blick auf den Ifo-Bestwert seit der Wiedervereinigung 1990. "Aber mal ehrlich: Befindet sich auch die deutsche Konjunktur auf einem Allzeithoch? Wohl kaum." Die Bundesregierung erwartet in diesem Jahr ein Wachstum von 1,5 Prozent. 2018 sollen es 1,6 Prozent sein. "Wenngleich es derzeit für das Wachstum gut aussieht, für einen Boom reicht es nun aber doch nicht", sagte auch der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. "Wir sollten uns darauf einstellen, dass es in den kommenden Monaten in den Rückwärtsgang geht." In den USA – der wichtigsten Triebfeder der Weltkonjunktur – habe sich die Konjunkturstimmung deutlich eingetrübt. "Trotz der guten Lage und Stimmung sollte deshalb nicht gleich in Euphorie ausgebrochen werden. Bekanntlich heißt es ja: Hochmut kommt vor dem Fall."

Das Ifo-Geschäftsklima hellte sich im Großhandel, in der Baubranche und in der Industrie auf. "Die Auftragsbücher füllen sich", sagte Fuest zur Entwicklung in der Industrie. "Viele Unternehmen planen die Produktion weiter auszuweiten. Auch die Preise dürften steigen." Nur im Einzelhandel trübte sich die Stimmung etwas ein.

Kräftiges Wachstum

Bauboom, konsumfreudige Verbraucher und die von der robusteren Weltkonjunktur profitierenden Exporteure schieben derzeit Europas größte Volkswirtschaft an. Diese wuchs im ersten Quartal mit 0,6 Prozent drei Mal so stark wie die USA. "Das kräftige Wachstum der deutschen Wirtschaft wird sich im Frühjahr 2017 wohl fortsetzen", schreibt die Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht.

Die guten Nachrichten aus der Wirtschaft dürften vor allem Bundeskanzlerin Merkel nutzen: In der wöchentlichen Forsa-Umfrage verbesserten sich CDU und CSU um einen Punkt auf 39 Prozent. Die SPD büßt einen Punkt zur Vorwoche auf 25 Prozent ein. Auch bei der Kanzlerpräferenz vergrößert sich der Abstand zwischen Merkel und SPD-Herausforderer Martin Schulz: 51 Prozent (plus eins) würden sich demnach für die CDU-Vorsitzende entscheiden, wenn der Kanzler direkt gewählt werden könnte, nur 22 Prozent (minus zwei) für Schulz. (Reuters, 23.5.2017)

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