Zensurvorwurf: Polnische Künstler boykottieren Musikfestival

22. Mai 2017, 22:46
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Öffentlicher Fernsehkanal TVP soll Künstler ausgeladen haben – Dieser weist Zensurvorwürfe zurück

Warschau/Opole – Fast zwei Dutzend polnische Musiker und Sänger haben einen Boykott des diesjährigen Musikfestivals in der Stadt Opole angekündigt. Zur Begründung erklärten sie, der öffentliche Fernsehkanal TVP habe Gruppen wie die Rockband Dr Misio von der Teilnahme am Festival ausgeschlossen und damit Zensur ausgeübt.

Opoles Bürgermeister Arkadiusz Wisniewski sagte am Montag, TVP habe seinen Vertrag nicht erfüllt. "Wir haben es mit einem großen politischen Skandal zu tun", fügte er hinzu.

Kirchenkritik stoppt Übertragung

Mitglieder von Dr Misio treten in einem Videoclip in Priestergewändern auf. Die Zensurgegner vermuten, dass die Gruppe deswegen ausgegrenzt wurde, weil die TVP-Leitung in dem Clip eine unzulässige Kritik an der mächtigen katholischen Kirche sieht. Die international bekannte Sängerin Kayah schrieb auf ihrer Facebookseite, sie werde aus Solidarität mit den zensierten Künstlern diesmal nicht in Opole singen. Ähnlich äußerten sich Kasia Nosowska und Maryla Rodowicz.

TVP erklärte am Montag, bei den Zensurvorwürfen handle es sich um "Lügen". Das Festival werde wie geplant vom 9. bis 11. Juni stattfinden.

Die klerikal-rechtskonservative Partei für Recht und Gerechtigkeit (PiS) ist in Polen seit 2015 an der Regierung. Gleich nach ihrem Amtsantritt säuberte sie TVP von unliebsamen "proliberalen" Journalisten. Etwa ein Drittel der Mitarbeiter musste gehen. (APA, 22.5.2017)

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