Dokumentation: Blind geboren und Gamer mit Leidenschaft

Video23. Mai 2017, 11:36
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Video-Dokumentation "Gaming Through New Eyes" porträtiert Toby Ott, der ohne Augen auf die Welt gekommen ist

Toby Ott schaut gerne TV-Serien, Filme und Youtube-Videos. Seit er fünf Jahre ist, spielt er auch leidenschaftlich Videogames. Und das, obwohl er seit Geburt an vollkommen blind ist. Er kam aufgrund einer genetischen Anomalie ohne Augen auf die Welt.

Der Youtuber, Gamesstreamer und Filmemacher Berk Icel (Pseudonym: dansg08) hat nun eine kurze Dokumentation über den außergewöhnlichen Gamer gedreht. Das 14-minütige Werk namens "Gaming Through New Eyes" ist kostenlos auf Youtube zu sehen.

dansg08

Lieblingsgenre: Rollenspiele

Besonders angetan hat es dem blinden Spieler, der stets "Mainstream-Schulen" besuchte und eine Ausbildung zum Informatiker absolviert hat, die "Final Fantasy"-Reihe. Die Unterstützung von Freunden ermöglichte es ihm auch, zu erlernen, sich in Spielen dieser Art zurecht zu finden. Ein guter Teil besteht dabei aus Auswendiglernen. Ott kennt nicht nur die Menüs seiner Spiele aus dem Effeff, sondern findet auch seinen Weg durch die virtuellen Welten. Auch die Zufallsbegegnungen mit Gegnern hat er gelernt zu meistern.

Zu seinen Lieblingsgames gehört auch der Oldie "Doom". Er spielt den Shooter nicht nur, sondern lädt auch Erweiterungen aus dem Netz herunter. Dabei konnte er im Laufe der letzten zehn Jahre zahlreiche Level erfolgreich abschließen. Auch Beat‘em‘Ups spielt er regelmäßig – bevorzugt gegen Freunde oder im Online-Multiplayer, wo er auch höherrangige Spieler schon besiegen konnte.

Sein Lieblingsgenre bleiben aber Rollenspiele. "Ich liebe Games mit einer gelungenen Handlung, und interessanten Bosskämpfen", erklärt Ott. Eine große Bedeutung misst er zudem der akustischen Untermalung bei. Musik, Soundeffekte und gesprochene Dialoge erlauben ihm, sich in Spiele einzufühlen und Anteil am Schicksal von Charakteren zu nehmen.

Wie Entwickler Spiele verbessern könnten

Ott wünscht sich, dass Entwickler bei ihren Produktionen mehr Rücksicht auf blinde Spieler nehmen. "Eine der wichtigsten Dinge, die eingebaut werden sollten, sind Audiobeschreibungen – etwa für Cutscenes", so der Gamer. So ließe sich etwa nachvollziehen, was in Erzählszenen passiert, in denen die Charaktere nicht reden. Auch könnte die Spielumgebung auf diesem Wege durch Richtungsangaben besser erforschbar gemacht werden. Ebenso wäre es hilfreich, wenn Menüpunkte vorgelesen werden könnten, wie es etwa in "Virtua Fighter 4" der Fall ist.

Der Informatiker legt auch anderen Blinden das Medium Videospiele nahe. Habe man einmal gelernt, sich in einem Spiel zurecht zu finden, könne man sich ganz auf dessen Welt einlassen. "Es war immer ein großer Teil meines Lebens und macht viel Spaß. Ich hoffe, dass auch andere Blinde sich darauf einlassen und das gleiche empfinden werden." (gpi, 23.05.2017)

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