Aktionsplan Frauengesundheit für Chancengerechtigkeit

22. Mai 2017, 14:13
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17 Ziele, 40 Maßnahmen: Vorhaben berühren auch Aspekte wie Rollenerwartungen, Arbeitsbedingungen, Einkommen und Gewaltprävention

Wien – Frauen leben länger als Männer, verbringen aber weniger Jahre in guter Gesundheit. Der Aktionsplan Frauengesundheit soll die Chancen erhöhen, dass Frauen in Österreich "selbstbestimmt und gesund leben können", sagt Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ).

Rollenerwartungen, Arbeitsbedingungen und Einkommen

Mit 17 Wirkungszielen und 40 Maßnahmen soll die "gesundheitliche Chancengerechtigkeit für Frauen" verbessert werden. Die Vorhaben berühren neben frauenspezifischen Erkrankungen unterschiedlichste Aspekte wie Rollenerwartungen, Arbeitsbedingungen und Einkommen ebenso wie ein gewaltfreies Leben. Mit dem Aktionsplan seien "die wesentlichsten Ziele und Maßnahmen" formuliert, so die Ressortchefin. "Jetzt geht es an die Umsetzung."

Daran beteiligt werden Vertreter des Gesundheitswesens, der Frauenpolitik und anderer Politikbereiche sowie die Interessensvertretungen sein. Gesundheits- wie Frauenpolitik seien gesamtgesellschaftliche Themen, angesetzt werden müsse "schon bei der Bekämpfung der Armutsgefährdung und der Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie", hieß es in einer Aussendung des Ministeriums. Konkrete Schritte seien die Erhöhung des Mindestlohns auf 1.500 Euro sowie der Ausbau der Kinderbetreuungsplätze und der Ganztagsschulen.

Gewaltfreies Leben

Beim Punkt Gewaltprävention werden Daten von 1.500 Frauen zwischen 18 und 74 Jahren angeführt, die über Gewalterfahrungen seit ihrem 15. Lebensjahr befragt worden sind. Körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfuhren demnach 20 Prozent der Frauen in Österreich (33 Prozent in der EU). Durch den (Ex-)Partner erlebten 13 Prozent der Österreicherinnen bzw. 22 Prozent der EU-Bürgerinnen Gewalt. Noch häufiger sind Beschimpfung, Kontrolle, Einschüchterung oder Hausarrest in Beziehungen: 38 Prozent der über 15-Jährigen in Österreich (43 Prozent in der EU) erfuhren psychische Gewalt durch den (ehemaligen) Partner. Mit sexueller Belästigung waren 35 Prozent der Österreicherinnen (55 Prozent der EU-Bürgerinnen) konfrontiert – ein Drittel wurde am Arbeitsplatz belästigt. Stalking sahen sich 15 Prozent der Österreicherinnen (18 Prozent der Frauen in der EU) ausgesetzt, davon wurden 21 Prozent mehr als zwei Jahre lang verfolgt, geht aus dem Aktionsplan hervor.

Mit 14 Millionen Euro werden allein die Kosten für die akute Behandlung und Therapie von Gewaltopfern in Österreich beziffert. Eine geplante Maßnahme ist die Einrichtung multiprofessioneller Opferschutzgruppen in Einrichtungen des Gesundheitssystems.

Gesundes Selbstbild

Der Aktionsplan ist entlang der Lebensphasen – Jugend, Berufsalter, höheres Alter – strukturiert. In den nächsten Monaten stehen die gesundheitliche Chancengerechtigkeit, die psychosoziale Gesundheit und ein positives Selbstbild von Frauen im Mittelpunkt.

Zu letzterem Punk sind neben Bewusstseinsbildungsprogrammen "gesetzliche Maßnahmen zur Unterstützung eines positiven Selbstbildes" in Planung. Die Bestandsaufnahme laut Aktionsplan: Der negative Einfluss von medialen Bildern oder TV-Formaten wie Modelcastings auf das Selbstwertgefühl sei belegt. 40 bis 70 Prozent der Mädchen zwischen zwölf und 16 Jahren seien mit zwei oder mehr Bereichen ihres Körpers unzufrieden, 50 bis 80 Prozent möchten dünner sein, 20 bis 60 Prozent der adoleszenten Mädchen machen Diäten. Mehr als die Hälfte weiblichen Teenager wende ungesunde und teils gefährliche Maßnahmen zur Gewichtskontrolle und -reduktion an, vom Auslassen von Mahlzeiten über Rauchen bis zu Erbrechen.

Sexuelle Gesundheit

Ein weiteres Vorhaben ist, die sexuelle Gesundheit von jungen Frauen zu fördern und schützen. Dafür sind Maßnahmen wie eine Informationsoffensive mit Beratungsstellen und Online-Portalen geplant, und über den Vorschlag kostenloser Verhütungsmittel und Safer-Sex-Tools soll neu diskutiert werden.

Um die "reproduktive Gesundheit" zu fördern, sieht der Plan u.a. vor, Frauen in selbstbestimmter Sexualität zu unterstützen, etwa durch niederschwelligen Zugang zu Verhütungsmitteln und der Möglichkeit zur Abtreibung in allen Bundesländern. Weiters ist die Etablierung einer ganzheitlichen Betreuung in Schwangerschaft und Geburtshilfe angedacht, ebenso Leitlinien zum Kaiserschnitt.

Ein weiteres Ziel ist die Verbesserung der Situation der – hauptsächlich weiblichen – pflegenden Angehörigen. Als Maßnahmen sind "aufsuchende Entlastungsgespräche sowie Bestärkungsangebote" vorgesehen. Außerdem sollen Arbeitgeber für die Lage Betroffener sensibilisiert werden. (APA, 22.5.2017)

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