2016 mehr Verkehrsunfälle, aber weniger Tote

22. Mai 2017, 13:57
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Mit 432 zweitniedrigste Zahl der Getöteten – Zunahme von über zehn Prozent bei verletzten Kindern

Wien – Im Vorjahr hat es mehr Verkehrsunfälle auf Österreichs Straßen gegeben, dabei wurden auch rund 1.000 Personen mehr verletzt als 2015. Rückläufig war wiederum die Zahl der Toten. 432 Menschen starben bei Unfällen, das ist die zweitniedrigste Zahl seit Beginn der Aufzeichnungen. Eine Zunahme von über zehn Prozent gab es bei verletzten Kindern, hieß es bei einer Pressekonferenz am Montag in Wien.

38.466 Unfälle mit Personenschaden – rund 500 mehr als 2015 – ereigneten sich 2016, das sind im Schnitt 105 Unfälle pro Tag, erläuterte Statistik Austria-Generaldirektor Konrad Pesendorfer. Eine Zunahme gab es in allen Bundesländern – mit Ausnahme von Kärnten und Oberösterreich. 48.393 Personen wurden verletzt. Einen massiven Anstieg von 10,4 Prozent gab es bei verletzten Kindern – 2.858 Unter-14-Jährige verzeichnete die Statistik. Dafür gab es mit sieben um vier getötete Kinder weniger als 2015. Generell verunglücken Kinder vor allem als Mitfahrer in Pkw (43 Prozent), als Fußgänger (23 Prozent), mit dem Fahrrad (19 Prozent) sowie mit dem Moped (sechs Prozent). In rund fünf Prozent der Fälle waren Kinder ungesichert.

"Horrorjahr 2015"

432 Getötete bedeuteten im Schnitt alle 20 Stunden ein Todesopfer – ein Rückgang von 9,8 Prozent zum Jahr 2015 und insgesamt nach 430 im Jahr 2014 die zweitniedrigste Zahl. Heuer starben bis Montag insgesamt 124 Menschen, im Vorjahr waren es nach Zahlen des Innenministeriums 135. "Wir haben nach dem Horrorjahr 2015 mit 479 Toten die Trendumkehr geschafft", konstatierte Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ). Drei von vier Toten – 72 Prozent – waren Männer, bei den 20- bis 24-Jährigen machten sie sogar 89 Prozent aus. Auch bei den Verletzten waren mit 55 Prozent mehr Männer betroffen, berichtete Pesendorfer.

Mit 85 getöteten Motorradfahrern waren es ähnlich viele wie im Jahr 2015 (83). Die Zahl der getöteten Fußgänger sank um elf auf 73, jene der Radfahrer stieg von 39 im Jahr 2015 auf 48. Der längerfristige Vergleich auf Basis der Daten 2006 zeigt die höchsten prozentuellen Rückgänge bei den getöteten Mopedfahrern, gefolgt von getöteten Pkw-Insassen und Fußgängern.

Fünf Prozent Alkoholunfälle

Alkoholunfälle machen rund fünf Prozent aller Unfälle aus. Ihre Zahl ist gegenüber 2015 um rund sechs Prozent auf 2.361 gestiegen, jene der dabei verletzten Personen erhöhte sich um mehr als 200 auf 3.055. Mit 22 Todesopfern bei Alkoholunfällen (2015: 27) wurde zwar das bisher niedrigste Ergebnis erzielt, die Zahl der Schwerverletzten stieg aber von 521 im Jahr 2015 um 4,6 Prozent auf 545. Seit 2016 haben sich Alkoholkontrollen der Polizei fast verdreifacht, berichtete Martin Germ, Leiter des Verkehrsdiensts im Innenministerium. In dieser Zeit gingen schwere Verstöße, die die sofortige Abnahme des Führerscheins zur Folge haben, um rund 40 Prozent zurück, Verkehrsunfälle mit Alkolenker um zehn Prozent, schilderte Germ.

Rund 5,2 Millionen Anzeigen wurden wegen Geschwindigkeitsübertretungen erstattet, berichtete Germ. Er verwies darauf, dass die Polizei bereits über 243 stationäre Messsysteme verfügt. Laut Germ hat die Polizei außerdem 1.300 Handlasergeräte erneuert, diese messen nun auf einen Kilometer und nicht mehr 500 Meter. Das Motto der Exekutive laute "durch Repression Prävention erzeugen", berichtete Germ. Er forderte von Verkehrsteilnehmern Rücksichtnahme.

Mehr Unfälle mit Lkw

Gestiegen ist die Zahl der Unfälle mit schweren Lkw – drei Prozent der Unfälle forderten 17 Prozent aller Todesopfer. An 1.291 Unfällen waren Lkw über 3,5 Tonnen beteiligt, um 10,5 Prozent mehr als 2015. Die Zahl der dabei verletzten Verkehrsteilnehmer (1.668; plus 11,5 Prozent) nahm ebenso wie die Anzahl der dabei Getöteten zu (von 66 auf 74). Von den 74 Todesopfern waren 13 Insassen in schweren Lkw und 61 andere Verkehrsteilnehmer. 28 Prozent dieser Unfälle ereigneten sich im hochrangigen Straßennetz (Autobahnen, Schnellstraßen). Im Vergleich dazu passierten sich nur sechs Prozent des Gesamtunfallgeschehens auf Autobahnen und Schnellstraßen. 64 Prozent aller Unfälle (24.604) ereigneten sich auf Straßen im Ortsgebiet, vor allem auf Gemeindestraßen, 36 Prozent im Freiland (13.862).

Leichtfried verwies auf zahlreiche Maßnahmen, mit denen die Probleme bekämpft werden sollen. So wird beispielsweise mit 1. Juli die Probezeit beim Führerschein von zwei auf drei Jahre verlängert. Seit Jahresbeginn wird ein Verstoß gegen das Handyverbot am Steuer mittels Fotobeweis geahndet, ab 1. Juli wird dieses Delikt auch in den Katalog für den Probeführerschein aufgenommen. Alkolocks sollen ab September verhindern, dass sich Alkolenker erneut betrunken hinter das Steuer setzten. (APA, 22.5.2017)

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