Kritik an "World of Tanks": Entwickler drohte Youtuber mit Copyright-Beschwerde

22. Mai 2017, 11:13
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"SirFoch" schimpfte über zunehmendes "Pay2Win" – Videomacher aus Partnerprogramm entfernt

Weil sie einen Youtuber mit der Androhung einer Copyright-Beschwerde zur Entfernung eines Videos gedrängt haben, sehen sich die Entwickler des Online-Actiongames "World of Tanks" scharfer Kritik ausgesetzt. Der Videomacher "SirFoch" hatte in dem Clip heftige Vorwürfe gegen das Studio Wargaming erhoben und sich über zunehmendes "Pay 2 Win" beschwert.

Stein des Anstoßes war die Einführung eines neuen Premium-Panzers, dem "Chrysler K Grand Finals", fasst Kotaku zusammen. Nach Einschätzung des Youtubers verfügt das digitale Kriegsgerät, das in der vollausgebauten "Ultimate Edition" um 80 Dollar im Ingame-Store erhältlich ist, über keine realistischen Schwachstellen. So lasse er sich auf der Frontseite kaum beschädigen, obwohl dort Maschinengewehre montiert seien.

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"Greedy fucks"

"Fuck Wargaming", schimpft er bereits einleitend, ehe er sich das Kollisionsmodell des Panzers genauer ansieht. Er bemängelt, dass Wargaming die Spieler mit neuen Premium-Panzern zunehmend dazu dränge, auf bezahlte Accounts umzusteigen bzw. Geld in die aufgewerteten Schlachtvehikel zu investieren, um gegenüber anderen Spielern nicht benachteiligt zu sein. Dabei bezeichnet er die Entwickler auch als "greedy fucks" (grob übersetzt: "gierige Säcke").

Wargaming hat nach der Veröffentlichung des Clips über einen Community Manager Kontakt zu SirFoch aufgenommen. Man erklärte, dass man über Youtube eine Copyright-Beschwerde einreichen werde, wenn er das Video nicht selber lösche. Der Youtuber entfernte dieses daraufhin.

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Rauswurf aus Partnerprogramm

Mittlerweile hat er eine längere Version veröffentlicht, in welcher er mit seiner Kritik ausführlicher ins Detail geht und auf Beschimpfungen verzichtet. Sein Vorwurf bleibt aber aufrecht: "Es ist unglaublich, wie gierig diese Firma ist". Der Original-Clip wurde derweil von einem anderen Nutzer erneut hochgeladen.

Die Affäre hat ihn allerdings seine Position als "Community Contributor" gekostet. Im Rahmen dieses Programms ermöglicht Wargaming besonders einflussreichen Youtubern Zugriff auf neue Inhalte, noch bevor diese im Spiel für die Allgemeinheit freigegeben werden.

Partner müssen "Etikette wahren"

"Uns ist bewusst, dass SirFoch nicht immer das beste Vorbild war, doch haben wir seine Beiträge ausreichend geschätzt, um ihn in dieses Programm aufzunehmen", heißt es in einem Eintrag im "World of Tanks"-Forum und in einer Stellungnahme an Kotaku. "Das war möglicherweise ein Fehler, denn er hat seinen Status, Einfluss und die Möglichkeit zur exklusiven Einsicht dazu missbraucht, um Wargaming und ‚World of Tanks‘ herabzuwürdigen."

Man unterstelle ihm dabei keine bösartigen Intentionen, dennoch hätte er sich vor der Veröffentlichung des Videos an die Entwickler wenden und seine Kritik vortragen sollen. Obwohl die Teilnehmer des Contributor-Programms nicht für das Studio arbeiteten und für ihre Videos auch nicht bezahlt würden, würden sie dennoch das Unternehmen zu einem gewissen Grad den Spielern gegenüber repräsentieren. Man nehme keinen Anstoß an der von SirFoch geäußerten Kritik an sich, erwarte aber die Wahrung einer "gewissen Etikette" bei der Äußerung selbiger.

Zensurvorwürfe weist man zurück, da es bei dem fraglichen Clip ausschließlich um Tonfall und Wortwahl gegangen sei. "Wir bedauern, dass wir in diesem Fall zu solch extremen Maßnahmen greifen mussten", heißt es weiter.

foto: world of tanks
Der fragliche Panzer: Chrysler K GF.

Copyright-Beschwerden als Waffe

Ein anderer Videoproduzent, der Streamer "SirCircon", war kürzlich ebenfalls in Ungnade gefallen. Er hatte während einer Livesitzung massive Kritik an einer neuen Spielkarte in "World of Tanks" geübt und diese mit einer Serviette verglichen, die vom Kind eines Entwicklers bemalt und zum Naseabwischen verwendet worden wäre. Im Gegensatz zu SirFoch wurde er allerdings nach einer Entschuldigung wieder in das Contributors-Programm aufgenommen.

Der Fall wirft erneut die Problematik von Copyright-Beschwerden über "Let‘s Play"-Videos und andere Games-Formate auf Plattformen wie Youtube auf. Entwickler haben über diese ein Werkzeug an der Hand, um kritische Inhalte schnell entfernen zu lassen. In manchen Fällen werden sie auch eingesetzt, um die Veröffentlichungen von Videos abseits offizieller Partnerprogramme zu unterbinden, wie es etwa Nintendo praktiziert.

Youtuber will weiter schimpfen

SirFoch gibt sich indes auf Reddit kämpferisch. Seine Videos seien immer schon dafür bekannt gewesen, dass er sich bei der Formulierung von Kritik an Spielen kein Blatt vor den Mund nehme, schreibt der Youtuber.

Er habe Wargaming bei seiner Aufnahme in das Contributors-Programm auch mitgeteilt, dass er nicht gedenke, seinen Stil deswegen zu ändern. Seine Einnahmen erwirtschafte er ohnehin durch die Community auf Youtube und Twitch, was sich auch mit anderen Spielen bewerkstelligen ließe. (gpi, 22.05.2017)

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