ÖBB-Fernbus: Dumping auf Staatskosten

Kommentar22. Mai 2017, 06:39
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ÖBB zieht Notbremse bei Verlustbringer

Er wolle sich lieber selbst kannibalisieren, als von der Konkurrenz kannibalisiert zu werden. So rechtfertigte der damalige ÖBB-Chef Christian Kern 2015 die Gründung einer eigenen Fernbus-Gesellschaft in der Bundesbahn. Kern ist mittlerweile Kanzler – und mit dem defizitären Omnibusgeschäft Hellö darf sich sein Nachfolger Andreas Matthä herumschlagen.

Der steigt nun auf die Bremse und beginnt, das mangels Auslastung über erwartbare Anfangsverluste hinausgehende Investment zurückzufahren. Matthä hätte mit der Verlassenschaft viel früher aufräumen sollen, ja müssen. Denn es ist nicht Ehrgeiz oder Eitelkeit eines privaten Unternehmers, der hier befriedigt und aus eigener Schatulle bezahlt wird. Just ein Unternehmen, das nicht nur bei Bau und Erhaltung der Bahninfrastruktur mit Steuermilliarden finanziert wird, fährt den eigenen Zügen mit Autobussen um Ohren und verbrennt so Millionen. Auch operativ bewegt sich bei der Bundesbahn ohne öffentliche Finanzierung wenig. Kein Pendlerzug oder Bus würde in Österreich fahren, bestellten nicht Bund, Länder und Gemeinden Bus- und Bahnverbindungen.

Vor diesem Hintergrund war die Idee der ÖBB, im Autobus um die Wette mit dem Schnellzug von Wien nach Berlin, Venedig, München und Zürich zu fahren, eine besonders schlechte. Der Fernbusmarkt ist heißumkämpft, die Unternehmen fahren zu ruinösen Preisen.

Fährt ein öffentlich finanzierter Staatsbetrieb den privaten Busgesellschaften unterpreisig in die Parade, dann ist das schlicht staatlich subventioniertes Dumping. (Luise Ungerboeck, 21.5.2017)

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