Thiem als Nummer zwei auf Sand nach Paris

20. Mai 2017, 12:27
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Niederösterreicher im Head-to-Head gegen Djokovic 0:4 zurück, aber heuer mit klar besserer Bilanz auf Sand – Coach Bresnik bremst aber wie immer: "Er kann das Niveau noch nicht tagein tagaus abrufen" – Im Rom-Finale würde Alexander Zverev warten

Rom – Der Serbe Novak Djokovic ist der Halbfinalgegner von Dominic Thiem beim Masters-1000-Tennisturnier in Rom. Zwei Tage vor seinem 30. Geburtstag besiegte der Weltranglisten-Zweite im Viertelfinale den ungesetzten Argentinier Juan Martin del Potro verdient 6:1,6:4. Das Match war am Freitag bei einer 2:1-Führung des Südamerikaners im zweiten Satz wegen Regens unterbrochen worden.

In der Fortsetzung gelang Djokovic zur 3:2-Führung das entscheidende Break, danach ging es mit dem Aufschlag. Der "Djoker" sparte in dem 91-Minuten-Match Kräfte, hatte er doch Samstagnachmittag nur noch sieben Games zu spielen. Dennoch war seine Regenerationszeit für das Halbfinale mit rund fünf Stunden viel kürzer als jene von Thiem, bei dem etwa 26 Stunden zwischen Viertelfinale und Halbfinale lagen.

Die Chance

Der Niederösterreicher hatte am Freitag in der Runde der letzten acht dem Spanier Rafael Nadal mit einem 6:4,6:3-Sieg dessen erste Niederlage in dieser Sandplatzsaison nach 17 Siegen en suite zugefügt und im Head-to-Head auf 2:6 verkürzt. Im direkten Vergleich mit Djokovic lag der 23-jährige Lichtenwörther vor dem fünften Match 0:4 zurück. Seinen einzigen Satz gegen Djokovic gewann Thiem beim World-Tour-Finale 2016. Das bisher einzige Sand-Duell verlor er im French-Open-Halbfinale 2016.

Die heuer bessere Sandbilanz weist aber klar Thiem auf. Während Österreichs Star den Rio-Titel gewann, in den Endspielen von Barcelona und Madrid erst Nadal unterlag sowie nun das zweite Masters-1000-Halbfinale en suite wie auch seiner Karriere erreichte, hat der als Nummer zwei gesetzte Djokovic heuer auf Asche das Viertelfinale in Monte Carlo und das Halbfinale in Madrid stehen. Thiem, Turnier-Nummer 8, würde bei einem Finaleinzug in der Weltrangliste erstmals auf den sechsten Platz vorstoßen.

Die Entwicklung

Sein Coach Günter Bresnik predigt es eigentlich schon seit Jahren: Dominic Thiem braucht so viel Matches wie möglich gegen die ganz Großen des Tennis-Sports. Nur so kann man lernen, weiter wachsen und auch sehen, wo man steht. Drei Matches innerhalb von drei Wochen gegen den aktuell Besten auf Sand – und nun der Sieg über Rafael Nadal. Thiem steigert sich seit einigen Wochen kontinuierlich weiter.

"Ich bin dankbar, dass es überhaupt diese absoluten Topspieler gibt. Da gehört Nadal dazu, aber auch Federer, Djokovic und Murray. Matches gegen die sind einfach unschätzbare Erfahrungen", erklärte Thiem nach seinem zweiten Sieg im sechsten Duell mit Nadal. Ohne Zweifel ist er, unabhängig vom Ausgang des Rom-Halbfinales am Samstag (nicht vor 20.00 Uhr/live Sky), der aktuell zweitbeste Sandplatz-Spieler der Welt. Und wenn er so weitermacht, dann sollte auch der erstmalige Vorstoß in die Top Five der Weltrangliste kurz bevorstehen.

Im ATP-Race, also der Zwischenwertung der ersten 20 Wochen des Jahres, hat Thiem seinen dritten Platz hinter Nadal und Federer bereits abgesichert. Allein das Finale in Madrid (600 Zähler) und (zumindest) das Halbfinale in Rom (360) sind gemeinsam schon mehr wert als das Vorjahres-Halbfinale bei den French Open (720), das ihm freilich demnächst aus der Wertung fällt.

Die Erwartungshaltung

"Diese drei Spiele in kürzester Zeit gegen Nadal waren eine riesige Sache für mich. In diesen Matches lerne ich mehr als irgendwo anders", bestätigte Thiem nach dem vor allem in dieser Dominanz gegen den Sandplatz-"König" sensationellen Auftritt. Diese Intensität, mit der er gegen Nadal auftrat, zur Selbstverständlichkeit zu machen, wird eine der Aufgaben des achtfachen Turniersiegers sein. "Es ist sehr schwer die ganze Spannung das ganze Match zu halten. Es wird sehr schwierig am Samstag die gleiche Intensität an den Tag zu legen", weiß auch Thiem und der Madrid-Finalist fügte hinzu, "aber genau das ist nötig, wenn man vielleicht auch einen Turnersieg holen will."

Thiem-Coach Bresnik sieht den Lichtenwörther noch nicht ganz so weit. "Ich glaube noch nicht, dass er jetzt ein Spieler ist, der das tagein tagaus auf dem Niveau abrufen kann. Aber Dominic ist ein konsequenter, kontinuierlicher Entwickler seines Spiels. Er macht keine großen Sprünge", wiederholte der gebürtige Wiener mit Wohnsitz in Innermanzing. "Dann hoffe ich, dass man ihn hier einmal als Sieger sieht, auch wenn es nicht diese Woche ist."

Melzer: "Wichtig zu wissen, dass er Rafa schlagen kann"

Auf den Spuren von Thomas Muster, um den ewigen Vergleich mit dem French-Open-Sieger 1995 zu strapazieren, ist Thiem aber allemal. Nicht nur, weil er der erste Österreicher seit Thomas Muster (1990, 1995 und 1996) sein könnte, der den Rom-Titel holt. Sondern, weil er sich in eine ausgezeichnete Ausgangslage für Roland Garros gebracht hat. Jürgen Melzer twitterte eine ähnliche Sichtweise nach der Leistung des Weltranglisten-Siebenten. "Dieser Sieg gibt Thiem eine WIRKLICHE Chance in Roland Garros. Es ist so wichtig zu wissen, dass er Rafa schlagen kann, ehe es zu den French Open geht", schrieb Melzer und fügte #austrianpower hinzu.

Finalgegner fix

Sollte es Thiem ins Finale von Rom schaffen, würde dort Alexander Zverev warten. Der Deutsche hat erstmals in seiner Karriere das Endspiel eines ATP-Masters-1000-Turniers erreicht. In Rom als Nummer 16 gesetzt, besiegte der 20-Jährige den ungesetzten US-Aufschlag-Riesen John Isner mit 6:4,6:7(5),6:1.

Für Zverev, der vor wenigen Wochen sein erstes Turnier auf Sand gewonnen hatte, ist es bereits die sechste Finalteilnahme auf der Tour. Er hat bisher drei Titel gewonnen. (APA, 20.5.2017)

  • Dominic Thiem darf mehr Autogramme schreiben denn je.
    foto: imago/staccioli

    Dominic Thiem darf mehr Autogramme schreiben denn je.

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