"La scuola de' gelosi": Eifersüchteleien en masse

19. Mai 2017, 14:16
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Antonio Salieris Opera buffa "La scuola de' gelosi" ist in einer schönen Inszenierung in der Wiener Kammeroper zu erleben

Wien – Die Zeit der Perücken war auch eine des Puderns. "Die Liebe wird zum Liebhabertheater, zu einer abgekarteten Komödie, in der alles vorhergesehen und vorausbestimmt ist", schreibt Egon Friedell über das Rokoko. Liebe in der Ehe habe für "altfränkisch und absurd" gegolten: "Eine Frau, die keine Liebhaber hat, gilt nicht für tugendhaft, sondern für reizlos, und ein Ehemann, der sich keine Mätressen hält, als impotent oder ruiniert."

Auch in Antonio Salieris Opera buffa La scuola de' gelosi (Die Schule der Eifersucht) ist der Graf (Julian Henao Gonzalez) im zweiten Akt bass erstaunt, dass seine Gattin (Shira Patchornik) ihn auch als Liebhaber haben möchte. So eine spinnerte Idee! Nein, der glamouröse Galan stellt viel lieber Ernestina (Carolina Lippo) nach, der kecken, vergnügungssüchtigen Frau des Kaufmanns Blasio (Matteo Loi). Doch der notorisch Eifersüchtige hütet Ernestina fast noch besser als seine Marie.

Ja, da ist ziemlich was los in Caterino Mazzolas Libretto, und auch Jean Renshaws Inszenierung der einstigen Erfolgsoper (von 1778) quillt förmlich über vor drastischer Situationskomik. Christof Cremer hat der Britin als zentrales Bühnenelement ein Ineinander von Rahmen und Türen gebaut: Alles dreht sich, alles bewegt sich. Selbst die fantastischen, geschmackvollen Kostüme Cremers scheinen schelmisch durch die Jahrhunderte zu tänzeln – eine witzige, klasse Produktion in der Kammeroper.

Ermüdet das ewige Intrigieren und Herumgebalze im Handlungsgang mit der Zeit, so bleibt Salieris Musik unterhaltsam, auch dank Stefan Gottfried, der das Bach Consort Wien zu erfrischendem Musizieren anleitet. Das Junge Ensemble des Theaters an der Wien unterhält mit stupender Spielfreude; das sängerische Juwel der Truppe ist Hernandez, der sich nach anfänglicher Premierenbefangenheit frei singt und mit seinem geschmeidigen, goldenen Tenor bezaubert. Begeisterung. (Stefan Ender, 19.5.2017)

Bis 13. 6.

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Theater an der Wien

  • "Die Liebe wird zum Liebhabertheater", schrieb Egon Friedell über das Rokoko: Das junge Ensemble des Theaters an der Wien weiß das humorvoll darzustellen.
    foto: herwig prammer

    "Die Liebe wird zum Liebhabertheater", schrieb Egon Friedell über das Rokoko: Das junge Ensemble des Theaters an der Wien weiß das humorvoll darzustellen.

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