Nichtärztliche Gesundheitsberufe fordern Zusammenarbeit auf Augenhöhe

    20. Mai 2017, 07:00
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    Im Primärversorgungsgesetz müssen nicht-ärztliche Gesundheitsberufe fest verankert sein, fordern ihre Vertreter. Ärzte könnten nicht alleine für die Versorgung verantwortlich sein

    Vertreter der österreichischen Verbände für Psychotherapie, Krankenpflege und der gehobenen medizinisch-technischen Dienste fordern multiprofessionelle Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Medizinern und nicht-ärztlichen Gesundheitsberufen in der Primärversorgung. Eine gesetzliche Verankerung im neuen Bundesgesetz sei dringend notwendig.

    "Rund um den Patienten ist jede verfügbare Gesundheitskompetenz wichtig", betont Gabriele Jaksch, Präsidentin des Dachverbands der gehobenen medizinisch-technischen Dienste Österreichs (MTD Austria). Alle beteiligten Berufe – darunter biomedizinische Analytiker, Diätologen oder Physiotherapeuten, so Jaksch – seien juristisch abzusichern und angemessen zu honorieren. Ebenfalls müsse überlegt werden, wie freiberuflich Tätige in das System am besten eingebunden werden können. "Zwischen Hauptverband und den einzelnen Berufsgruppen muss es Verhandlungen geben."

    Arbeit auf Augenhöhe

    International sei eine multiprofessionelle und interdisziplinäre Primärversorgung Standard, sagt Jaksch. "In skandinavischen Ländern gibt es das schon lange, dass alle Gesundheits- und Sozialberufe auf Augenhöhe miteinander kooperieren." Das ist auch Anliegen der Österreichischen Verbandes für Psychotherapie (ÖBVP). "Grundsätzlich ist die Primärversorgung eine sehr gute Idee", hält deren Präsident Peter Stippl fest. Es fehle aber ein Gesamtvertrag mit Spezifika der einzelnen Berufsgruppen. Die Leistungen würden sich je nach Kasse und Bundesland viel zu sehr unterscheiden.

    "Ein Beruf allein kann nicht dafür verantwortlich sein, welche medizinische Versorgung ein Mensch bekommt", kritisiert Jaksch die ihrer Meinung nach bestehende Dominanz der Ärzte im derzeit in Begutachtung befindlichen Gesetzesentwurf. Und es gehe nicht nur um bereits erkrankte Menschen. Man hoffe, dass auch Prävention und Gesundheitsvorsorge einen Platz im Primärversorgungsgesetz finden werden.

    Insgesamt zeigen sich die Vertreter der nicht-medizinischen Gesundheitsberufe bezüglich der Umsetzung ihrer Forderungen äußerst optimistisch: "Was die innenpolitischen Ereignisse der nächsten Tage betrifft, müssten wir natürlich Kaffeesud lesen. Aber die Gesundheitsministerin und die politischen Parteien stehen dem positiv gegenüber", so Jaksch.

    Bessere Ergebnisse

    Die Forderung nach der Umsetzung einer Primärversorgung nach internationalem Vorbild wurde kürzlich auch im Rahmen eines Pressegesprächs vom Österreichischen Forum Primärversorgung (OEFOP) und der Jungen Allgemeinmedizin Österreich (JAMÖ) am Institut für Höhere Studien deutlich. Multiprofessionalität sei notwendig, da diese sowohl für Erkrankungen und deren Behandlung als auch in der Gesundheitsförderung und Prävention eine große Rolle spielen. Ein Primärversorgungssystem bringe nachweislich bessere Gesundheitsergebnisse für die Bevölkerung mit sich. Aus wissenschaftlicher Sicht sei die Umsetzung einer Primärversorgung nach internationalem Vorbild ein wesentlicher Schritt zur Verbesserung der Gesundheit der österreichischen Bevölkerung.

    Die Schaffung gesetzlicher Rahmenbedingungen dafür werde ausdrücklich begrüßt. Die Änderungsvorschläge, die sich für OEFOP und JAMÖ aus internationalen Erfahrungen ergaben, beinhalteten ebenfalls die Multi- und Interprofessionalität und eine Überarbeitung des Gesetzesentwurfs unter Einbeziehung aller Gesundheits- und Sozialberufe. Hinzu kamen außerdem eine verbindliche Diagnosen- und Leistungserfassung sowie eine Aufwertung des Berufsbildes Allgemeinmedizin. (APA, 20.5.2017)

    • Vertreter nicht-ärztlicher Gesundheitsberufe kritisieren die Dominanz der Ärzte im aktuellen Gesetzesentwurf.
      foto: apa

      Vertreter nicht-ärztlicher Gesundheitsberufe kritisieren die Dominanz der Ärzte im aktuellen Gesetzesentwurf.

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