Cholera im Jemen: "Nie da gewesene Katastrophe"

19. Mai 2017, 09:57
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Das Gesundheitssystem im Jemen stehe vor einem "völligen Kollaps" berichtet die Österreich-Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen

Die internationale Hilfe für den Jemen müsse "ganz, ganz dringend" aufgestockt werden. Mit diesem Appell wendet sich die Präsidentin der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen Österreich, Margaretha Maleh, kürzlich an die Öffentlichkeit. Vor allem aufgrund der Cholera-Epidemie im Bürgerkriegsland warnte sie vor einer "nie da gewesenen Katastrophe".

Der Bereich Gesundheit müsse bei der Hilfe Priorität haben, denn das Gesundheitssystem stehe vor dem "völligem Kollaps", warnte Maleh. Aufgrund der Sicherheitslage habe sich Ärzte ohne Grenzen (MSF) vorübergehend aus dem Jemen zurückziehen müssen, Gesundheitseinrichtungen mussten geschlossen werden. Krankenhäuser würden "systematisch bombardiert und angegriffen", kritisierte Maleh. "Kriege dürfen nicht den Freibrief haben, Krankenhäuser zu bombardieren." Heute ist die Hilfsorganisation wieder im Land aktiv.

Schwerste Krise weltweit

Im Jemen kämpfen seit Anfang 2015 die schiitischen Houthi-Rebellen gegen die Truppen von Präsident Abd Rabbo Mansour Hadi. Extremistenorganisationen wie der "Islamische Staat" (IS) oder Al-Kaida machen sich den Konflikt zunutze, um ihre Macht in dem Land auszuweiten. Hilfsorganisationen wie MSF, aber auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO), sprechen von einer der schwersten humanitären Krisen weltweit.

Die Hälfte der Menschen sind laut MSF ohne Gesundheitsversorgung. Besonders seit Ausbruch der Cholera sei die Lage dramatisch. Seit Ende März hat Ärzte ohne Grenzen nach eigenen Angaben über 2.200 Cholera-Fälle behandelt – und die Zahlen steigen stündlich, berichtete Maleh.

Für MSF ist der Einsatz in dem Bürgerkriegsland einer der umfangreichsten: Über 1.600 Mitarbeiter – 82 davon internationales, der Großteil einheimisches Personal – sind in 13 medizinischen Einrichtungen und 18 Krankenhäusern und Kliniken tätig. Seit dem Beginn des Konflikts haben die Teams mehr als 60.000 Kriegsverletzte behandelt. Ärzte ohne Grenzen ist derzeit auf der Suche nach weiteren Einsatzkräften. (APA, 19.5.2017)

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