Die Top-Männer bleiben länger im Chefsessel sitzen

20. Mai 2017, 09:00
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Von Geschlechterdiversität an den großen Hebeln der Wirtschaftsmacht der größten börsennotierten Firmen ist nichts zu sehen

In den Top-Chefsesseln ist die Schleuderfunktion nun nicht mehr ganz so heftig, sagt die aktuelle (mittlerweile 16.) Untersuchung der Berater von Strategy & über die Fluktuationsrate der 2500 weltweit größten börsennotierten Firmen. 300 Unternehmen dieser Kategorie aus dem deutschsprachigen Raum sind Teil dieser "CEO Success"-Studie.

Dort wurden "lediglich" 12,7 Prozent der CEO-Posten im vergangenen Jahr neu besetzt. "In den 31 österreichischen Unternehmen, die zu den 300 deutschsprachigen Unternehmen mit der größten Marktkapitalisierung zählen, gab es nur vier neue Gesichter an der Spitze. Die niedrige Fluktuation in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist vor allem auf einen starken Rückgang der außerordentlichen Vertragsbeendigungen, beispielsweise aufgrund von schlechter wirtschaftlicher Performance, zurückzuführen", so Harald Dutzler, Managing Partner im Wiener Office von Strategy&.

Längere Amtszeiten

Die DACH-Region wies auch im internationalen Vergleich die niedrigste Fluktuationsrate an der Unternehmensspitze auf. Zudem stieg diedurchschnittliche Verweildauer im Amt im deutschsprachigen Raum von 6,6 Jahren auf 7,8 Jahre.

Weltweit mussten 14,9 Prozent der CEOs ihren Posten räumen. Als besonders unbeständig erwiesen sich die Schwellenländer Brasilien, Russland und Indien mit einer Fluktuationsrate von über 17 Prozent. Während vorzeitige Demissionen 2015 noch knapp ein Drittel der CEO-Wechsel ausmachten, waren sie 2016 nur noch bei rund 18 Prozent der Fälle die Ursache. In 13,4 Prozent der Fälle lagen Fusionen bzw. Aufkäufe von Unternehmen zugrunde. "Trotz vieler externer Unsicherheitsfaktoren sehen wir in den C-Suites im deutschsprachigen Raum wieder mehr Stabilität. CEO-Wechsel scheinen von den Aufsichtsräten langfristig und strategisch geplant – mit Fokus auf dem Aufbau interner Kandidaten. So wurden im vergangenen Jahr gerade einmal 25 Prozent der neuen Vorstandsvorsitzenden in Deutschland, Österreich und derSchweiz extern rekrutiert, während es 2015 noch 36 Prozent waren", kommentiert Dutzler.

Ethische Verfehlungen

Mit Blick auf die weltweiten CEO-Wechsel ortet die Studie einen massiven Anstieg außerplanmäßiger CEO-Demissionen aufgrund ethischer Verfehlungen in den letzten Jahren. Während im Zeitraum zwischen 2007 und 2011 3,9 Prozent der CEOs ihren Posten wegen entsprechender Fehltritte räumen mussten, waren es in den Jahren zwischen 2012 und 2016 bereits 5,3 Prozent, was einem Zuwachs von mehr als einem Drittel entspricht. In Westeuropa stieg dieser Wert noch stärker.

"Unsere Analyse untersucht zwar nicht, ob es tatsächlich mehr ethische Fehltritte gibt oder ob solche einfach heutzutage härtere Konsequenzen nach sich ziehen. Laut unserer Einschätzung ist es aber ganz klar, dass sich nicht das Verhalten der CEOs grundlegend geändert hat, sondern das Umfeld, in dem sie agieren: Kritischere Beobachtung durch die Öffentlichkeit und dadurch bedingt auch schärfere Regulatorien, Hand in Hand mit digitaler Vernetzung und Echtzeit-Publizität, zum Beispiel in sozialen Medien", erklärt Dutzler.

Männer, Männer – Männer

Trotz des zunehmenden politischen Drucks bleiben die Führungsetagen der untersuchten Unternehmen meist eine reine Männerdomäne. So lag der Frauenanteil unter den in der DACH-Region 2016 neu angetretenen CEOs mit drei Prozent sogar unter dem globalen Schnitt (3,6%), womit das Ziel einer stärkeren Geschlechterdiversität an der Spitze der Unternehmen erneut massiv verfehlt wurde. "Mit Elisabeth Stadler von derVienna Insurance Group AG ging der einzige neu weiblich besetzte CEO-Posten im deutschsprachigen Raum an eine Österreicherin", sagt Dutzler.

Besonders im Regionenvergleich zeigt sich, dass der deutschsprachige Raum in diesem Bereich weit hinterherhinkt. So wurden 2016 etwa in den USA und Kanada bereits 5,7 Prozent weibliche CEOs berufen, der höchste Anteil aller Weltregionen.

Die neuen CEOs in Deutschland, Österreich und der Schweiz verfügen mit einem Anteil von 57 Prozent mehr als doppelt so häufig über internationale Arbeitserfahrung als der globale Schnitt. Mit einem Anteil von 68 % stammt jedoch die überwiegende Mehrheit der DACH-CEOs auch weiterhin aus dem Land ihres jeweiligen Unternehmens. (kbau, 20.5.2017)

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