Posing mit Poesiealben: Mädchen hatten schon vor 400 Jahren soziale Medien

    22. Mai 2017, 11:56
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    Adelige junge Frauen in den Niederlanden präsentierten ihre Popularität schon vor über 400 Jahren mit einer Art Facebook

    Nijmegen – Bereits im 16. und 17. Jahrhundert bedienten sich adelige Mädchen einer Form von sozialen Medien. Die Literaturwissenschafterin Sophie Reinders von der Universität in Radboud in den Niederlanden enträtselte für ihre Dissertation einen Abschnitt aus dem Leben junger Frauen aus dem Adelsstand und rekonstruierte über 400 Jahre alte soziale Netzwerke.

    Damals wurde es unter adeligen jungen Frauen modern, ein Freundschaftsbuch zu haben und es mit anderen auszutauschen. Darin sammelten sie Gedichte, Lieder, Zeichnungen und kurze Freundschaftssprüche. Der Grund war schon damals, sich mit Gleichgesinnten zu "vernetzen", sich an bestimmte Ereignisse zu erinnern oder um der Identität der Besitzerin Ausdruck zu verleihen.

    Je mehr, desto besser

    "Diese Freundschaftsbücher sind sehr lebendig und interaktiv, daher sind sie auch vergleichbar mit aktuellen sozialen Medien", erklärt Reinders. Und noch eine Gemeinsamkeit gibt es: Je mehr Leute an dem jeweiligen Freundschaftsbuch mitgewirkt haben, desto besser konnte die Inhaberin des Freundschaftsbuches ihre Popularität auch außerhalb dieses Netzwerkes unter Beweis stellen. Diese Freundschaftsbücher aus dem niederländischen Goldenen Zeitalter waren mehrere Generationen hindurch Mode. Das letzte Buch, das Reinders untersuchte, war mit dem Jahr 1640 datiert.

    Insgesamt untersuchte die Forscherin 22 Freundschaftsbücher und rekonstruierte so das Leben der Besitzerinnen. "Ich habe versucht, die Geschichten dieser jungen Frauen zum Leben zu erwecken. Wir können darin sehen, wie Freundschaften gepflegt und die eine oder andere Liebe gefunden und wieder verloren wurde", so Reinders in der Aussendung der Universität. (red, 22.5.2017)

    • In die Freundschaftsbücher wurde gezeichnet oder Lieder wurden darin verewigt.
      foto: sophie reinders/radboud university

      In die Freundschaftsbücher wurde gezeichnet oder Lieder wurden darin verewigt.

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