Müllentsorgung in unseren Zellen

20. Mai 2017, 14:39
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Manuel Alonso y Adell hat den molekularen Abbau defekter Zellteile erforscht

Wien – Manuel Alonso y Adell ist Experte für das Abfallwirtschaftssystem im menschlichen Organismus. "Müllentsorgung", erläutert der 30-jährige Zellbiologe, "hält den Körper gesund und erfolgt permanent in unseren Zellen." Ausgediente oder defekte Zellteile werden in den sogenannten Lysosomen abgebaut und "recycelt". Um diesen Prozess in Gang zu setzen und zu halten, bedarf es einer molekularen Maschine, die von den Forschern ESCRT genannt wird. Sie sorgt dafür, dass die nicht mehr gebrauchten oder fehlerhaften Membranproteine ins Lysosom transportiert werden und schließlich mit ihm verschmelzen.

"Die ESCRT-Maschinerie kann Zellmembranen verformen und zerschneiden", sagt Alonso. "Sie ist deshalb nicht nur für den Abbau von defekten Zellteilen und die Reparatur von Zellmembranen unentbehrlich, sondern auch für alle biologischen Prozesse, in denen eine Zellverformung stattfindet – wie etwa bei der Zellteilung." Aber auch bei schweren Erkrankungen wie etwa Krebs, Neurodegeneration oder HIV spielt ESCRT eine zentrale Rolle. Wenn diese molekulare Maschine nicht funktioniert, können beispielsweise im Fall von HIV die Retroviren nicht aus den Zellen ausgeschleust werden, wodurch die Krankheit ausgelöst wird.

In seiner mit dem "Award of Excellence" des Wissenschaftsministeriums ausgezeichneten Dissertation hat Alonso untersucht, welche Bestandteile der ESCRT-Maschine für die Membranverformung wichtig sind. "Einer ihrer Hauptbestandteile und zugleich ihr 'Motor' ist VPS4", so der Forscher. Durch genetische, biochemische Experimente und 3D-Elektronentomografie in der Bäckerhefe konnte er zeigen, dass das Enzym VPS4 nur mit zwei anderen ESCRT-Komponenten interagieren muss, um Membrandeformationen voranzutreiben.

Seit vergangenem Jahr widmet sich Manuel Alonso allerdings einer ganz neuen Forschungsaufgabe. Als Postdoc am IMBA, dem Institut für Molekulare Biotechnologie der Akademie der Wissenschaften in Wien, untersucht er jetzt die Chromosomenfaltung während der Zellteilung. Eine hochkomplexe Angelegenheit, immerhin befinden sich im winzigen Kern jeder menschlichen Zelle an die zwei Meter aufgewickelter DNA. Ein paar Jahre wird er sich damit noch beschäftigen. Danach ist für ihn sein weiterer Karriereverlauf offen: "Ich bin da sehr flexibel und könnte mir sogar vorstellen, in die Pharmaindustrie zu gehen, wenn sich im akademischen Bereich für mich keine Türen auftun."

Die auf eine gewisse Abenteuerlust verweisende Nonchalance, die der gebürtige Tiroler in Hinblick auf seine berufliche Zukunft an den Tag legt, ist möglicherweise ein Erbstück des spanischen Großvaters. Der tourte mit seiner Band durch ganz Europa – bis er sich in Manuels Oma verliebte.

Und noch etwas hat El Cantante Alonso y Adell seinem Enkel mitgegeben: die Liebe zur Musik. "Fast hätte ich das Konservatorium besucht", sagt Manuel Alonso lachend. Daraus wurde zugunsten der Naturwissenschaft zwar nichts, aber das Klavierspielen gehört nach wie vor zu seinen großen Leidenschaften. Insbesondere Mozart fasziniert ihn: "Bei ihm muss man sich wie in der Naturwissenschaft auf die Details einlassen und sehr genau spielen." (Doris Griesser, 20.5.2017)

  • Manuel Alonso y Adell ist Postdoc am Wiener Institut für Molekulare Biotechnologie.
    foto: privat

    Manuel Alonso y Adell ist Postdoc am Wiener Institut für Molekulare Biotechnologie.

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