Einbahnstraße Nullzins: Warum es kein Zurück mehr gibt

    20. Mai 2017, 12:00
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    Wie Vermögen trotz auch künftig anhaltender Zinsdiät zunehmen können, erklärt Buchautor Gerhard Massenbauer

    Wien – "Ein Strohfeuer." Hoffnungen, dass sich der jüngste Aufschwung in Europa und anderen Teilen der Welt als nachhaltig und langanhaltend erweist, zerstreut Buchautor Gerhard Massenbauer im Handumdrehen. Der Schwung auf dem Alten Kontinent wird laut dem Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Censeo durch eine relative Schwäche in den USA, die evident zu werden beginne, sukzessive unterlaufen. Zudem steige auch China auf die Bremse, erklärt Massenbauer unter Verweis auf jüngste Zinserhöhungen, was schon im zweiten Halbjahr zu nachlassender Konjunktur der Weltwirtschaft führen werde.

    Es werde zwar immer wieder kurzfristige Ausschläge nach oben von Wachstum und Inflation geben, im Grunde erwartet Massenbauer aber japanische Verhältnisse auf globaler Ebene. Wie er auch in seinem Buch Nie wieder Zinsen darlegt, führt er diese Prognose auf eine "Vierfaltigkeit" zurück, welche weite Teile der Welt aus seiner Sicht prägt: Überalterung, Digitalisierung, Globalisierung sowie eine hohe Verschuldung von Staaten, Unternehmen und Haushalten, welche Inflation und damit auch Zinsen am Boden halten würden.

    Da Notenbanken mit Nullzinsen und Anleihenkäufen dagegenhalten, kommt für Massenbauer ein weiterer Effekt hinzu. Die künstlich tiefen Zinsen würden zu einer "Zombiewirtschaft" führen, da sich nicht mehr überlebensfähige Unternehmen doch noch über Wasser halten könnten. Als Folge sieht er ein Überangebot an Waren und Dienstleistungen: "Es ist fast undenkbar, dass wir langfristig Inflation bekommen." Was auch die Zinsen nahe null halten werde.

    Ertragserwartung null

    Keine erfreulichen Aussichten für Sparer und Anleger, denn auf die Frage, welche Ertragserwartungen bei null Prozent Zinsen realistisch seien, weiß Massenbauer eine knappe Antwort: "Null." Um dennoch Geld zu erwirtschaften, ist es aus seiner Sicht nicht nur erforderlich, Risiken einzugehen, sondern sich auch laufend um die Anlagen zu kümmern. Denn die jahrzehntelange Phase, in denen klassische Anlagen wie Aktien, Anleihen und Immobilien von langfristig sinkenden Zinsen profitiert haben, ist laut Massenbauer passé.

    Folglich geht er von künftig langfristigen Seitwärtsbewegungen der Anlageklassen aus, innerhalb deren man mittelfristige Bewegungen ausnutzen sollte. Zudem hält er passive Anlagevehikel wie Indexfonds für kaum geeignet, um auf jene wenigen Branchen und Unternehmen zu setzen, die von diesen Rahmenbedingungen profitieren könnten.

    Für Leser mit wirtschaftlichem Basiswissen ist das Buch leicht verständlich, die Erkenntnisse in sich schlüssig erklärt. Zudem skizziert Massenbauer den Aufbau eines für ihn erfolgversprechenden Anlageportfolios. Allein der trockenen Aufmachung haftet ein gewisser Makel an: Mehr optische Elemente wie Grafiken oder Kurscharts hätten dem Werk durchaus gutgetan. (aha, 20.5.2017)

    Gerhard Massenbauer
    Nie wieder Zinsen

    Wie Sie in der Nullzins-Eiszeit immer noch Geld verdienen können
    Finanzbuch-Verlag 2017
    208 Seiten, 20,60 Euro
    • Für Buchautor Gerhard Massenbauer ist der Nullzins eine Einbahnstraße, aus der es in den nächsten zehn bis 15 Jahren kein Entrinnen geben soll.
      foto: apa/dpa/boris roessler

      Für Buchautor Gerhard Massenbauer ist der Nullzins eine Einbahnstraße, aus der es in den nächsten zehn bis 15 Jahren kein Entrinnen geben soll.

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