Was sich Sparer von Zinsportalen erwarten dürfen

22. Mai 2017, 06:00
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Sparer in der Zwickmühle: Immer weniger Zins trotz steigender Inflation. Etwas mehr Ertrag bieten Zinsportale – samt gewisser Tücken

Wien – Die mageren Jahre für Sparer nehmen kein Ende. Vielmehr kennt die Zinsentwicklung in der Eurozone seit Anfang 2012 nur eine Richtung: nach unten. Auch in den vergangenen zwölf Monaten hat sich die Lage weiter verschärft. Gemäß Daten der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) lag der durchschnittliche Einlagensatz im Neugeschäft mit einjähriger Bindungsfrist im März 2016 noch bei 0,32 Prozent, ein Jahr später erhielten Anleger im Mittel nur noch kümmerliche 0,2 Prozent Verzinsung.

Richtig in die Zwickmühle geraten Sparer durch die höhere Inflation. Im Vorjahresmonat lag die Teuerung noch bei 1,2 Prozent, ist in den folgenden zwölf Monaten jedoch auf 2,1 Prozent angestiegen. Somit ergibt sich folgendes Bild: Wer sein Geld für ein Jahr auf einem durchschnittlich verzinsten Sparbuch parkt, würde bei konstanter Inflation binnen zwölf Monaten 1,9 Prozent seiner Kaufkraft einbüßen.

Teuerung übersteigt Zinserträge

Selbst das attraktivste Zinsangebot in Österreich kommt derzeit nicht annähernd an die Teuerung heran. Laut Bankenrechner der Arbeiterkammer bietet die Austrian Anadi Bank für einjähriges Online-Festgeld 0,96 Prozent bei einer Mindestanlage von 2.500 Euro, was die zu erwartenden Kaufkraftverluste auf gut 1,1 Prozent drückt.

Gegen Inflation ist kein Kraut gewachsen, Sparer müssen sie als gegeben hinnehmen. Allerdings gibt die aktuelle Teuerung keinen Aufschluss über die künftige Entwicklung. Das Positive: Für EZB-Präsident Mario Draghi ist der jüngste Inflationsanstieg nicht selbsttragend, sondern hauptsächlich auf gestiegene Energiepreise zurückzuführen. Dies nährt die Hoffnung, dass in den nächsten zwölf Monaten die Teuerung geringer als zuletzt ausfallen könnte.

Was sonst können Sparer in dieser Situation tun? Grundsätzlich gilt: Zinsen sind Verhandlungssache. Langjährige Kunden bekommen von der Hausbank womöglich ein kleines "Zinszuckerl" obendrauf – allzu üppig wird es derzeit jedoch nicht ausfallen. Zudem lohnt ein Zinsvergleich angesichts der Angebotsspanne für einjährige Einlagen bei österreichischen Anbietern von fast einem bis nur noch 0,05 Prozent.

Auf der Suche nach etwas mehr Ertrag fallen Angebote von Zinsportalen wie Savedo oder Weltsparen auf. Diese bieten mehr Zins mit Festgeldangeboten als heimische Geldhäuser, indem sie das Geld an Partnerbanken im EU-Ausland mit höherer Verzinsung vermitteln. Weltsparen erhält dafür laut eigenen Aussagen eine Provision von der Partnerbank, für Kunden gebe es keine versteckten Kosten oder Gebühren. So bietet die Plattform aktuell etwa für eine Einlage von 10.000 Euro bei einjähriger Bindung 1,3 Prozent Zinsen über die portugiesische Haitong Bank, Tochter der chinesischen Investmentbank Haitong Securities.

Ausländische Einlagensicherung

Dem Sicherheitsbedürfnis österreichischer Sparer soll dabei EU-Recht Rechnung tragen, da Einlagen durch nationale Fonds bis zu 100.000 Euro abgesichert seien. Allerdings gibt die deutsche Stiftung Warentest auf finanztest.de zu bedenken, dass es noch keinen einheitlichen Mindeststandard für Einlagensicherung gibt. Viele nationale Systeme befänden sich demzufolge noch im Aufbau, weshalb noch nicht alle Töpfe entsprechend gefüllt seien.

Im Pleitefalle einer Bank müsste der Staat einspringen, betont Finanztest unter Verweis darauf, dass Länder wie Portugal nicht von allen Ratingagenturen als durchgängig "sicher" bewertet würden. Zudem lasse sich in Portugal für Ausländer der Abzug von 28 Prozent Quellensteuer auf Zinserträge nicht verhindern, mit Ansässigkeitsbescheinigung sinke der Satz auf 15 Prozent. Die Kapitaleinkünfte sind im Inland damit aber nicht endbesteuert und sollten in der Steuererklärung angeführt werden, wobei die Quellensteuer angerechnet wird. Ob der zusätzliche Zins diesen Aufwand und ein etwas höheres Risiko rechtfertigt, muss freilich jeder für sich selbst entscheiden. (Alexander Hahn, 21.5.2017)

  • Die Zinseinkünfte eines Sparbuchs nähern sich immer stärker dem Ertrag eines Sparschweins an.
    foto: guenter r. artinger

    Die Zinseinkünfte eines Sparbuchs nähern sich immer stärker dem Ertrag eines Sparschweins an.

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