Einer von drei Jugendlichen in Europa ist übergewichtig oder adipös

17. Mai 2017, 15:03
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Besonders in Osteuropa steigt die Zahl der übergewichtigen Jugendlichen stark an. Forscher befürchten einen generationenübergreifenden Krankheits-Kreislauf

Eine aktuelle Studie zeigt: Die Zahl der fettleibigen Jugendlichen in Europa steigt weiter an. Zudem steht das Risiko, dass Jugendliche adipös werden, in einem direkten Zusammenhang mit ihrem Geschlecht und ihrer sozioökonomischen Herkunft. Dafür haben Forscher erstmals Daten der länderübergreifenden "Health Behaviour in School-aged Children"-Studie zu zeitlichen Verläufen der Adipositas und übergewichtsrelevanten Verhaltensweisen analysiert.

Ziel war es, die Veränderung zwischen 2002 und 2014 im Übergewicht und der Adipositas sowie Essverhalten, körperlicher Bewegung und Sitzverhalten von Jugendlichen im europäischen Vergleich aufzuzeigen. Das Forschungsprojekt wurde in Zusammenarbeit mit der World Health Organization Europe (WHO) durchgeführt.

Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass die Zahl der adipösen Jugendlichen in zahlreichen europäischen Ländern und insbesondere in Osteuropa stetig steigt. Die Studie zeigt die anhaltenden Unterschiede bezüglich der Adipositas von jungen Menschen. So sind insbesondere Kinder, die in sozialschwachen Familien aufwachsen, davon bedroht, adipös zu werden.

Erhöhtes Risiko

In den letzten zwölf Jahren habe überdies die Zeit, die Jugendliche sitzend vor dem Bildschirm verbringen, sehr deutlich zugenommen, während die Zeit für allgemeine Bewegungsanlässe und das Sporttreiben relativ unverändert geblieben ist.

"Besonders besorgniserregend ist, dass etwa vier von fünf adipösen Jugendlichen auch als Erwachsene unter Gewichtsproblemen leiden und damit einem höheren Risiko für Stigmata, Diskriminierung und viele chronische Krankheitsbilder gegenüber stehen", sagt Jens Bucksch von der Pädagogischen Hochschlule Heidelberg, der an der Studie beteiligt war. So erkranken insbesondere übergewichtige und adipöse Kinder und Jugendliche häufiger an Diabetes Typ2, Asthma und Schlafstörungen, sie leiden öfter an Erkrankungen des Bewegungsapparats bzw. des Herz-Kreislaufsystems und sie fehlen häufiger in der Schule, haben eher psychische Probleme und erfahren oftmals soziale Isolationen.

Bewegungsanregende Infrastruktur

Die Forscher fordern Regierungen daher auf, ihre gesundheitsförderlichen Aktivitäten deutlich auszubauen und insbesondere Umwelten zu schaffen, die Zugang zu einer ausgewogenen Ernährungsweise ermöglichen sowie zu mehr Bewegung und zu häufigen Sitzunterbrechungen anregen.

Bucksch befürchtet in betroffenen Familien die Gefahr eines generationenübergreifenden Kreislaufes aus Armut und Krankheit. Er fordert: "Denkbar ist neben der Schaffung bewegungsanregender Infrastrukturen im städtebaulichen Kontext zum Beispiel auch die Ausstattung von Schulen mit Sitz-Steh-Pulten, da sich auch kurze Sitzunterbrechungen positiv auf die Gesundheit auswirken und sich so als eine neue Norm bereits frühzeitig etablieren können." (idw, red, 17.5.2017)

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