Extravagante Antwort auf den Birkenstock-Schlapfen: Knoten auf dem Schuh

    Kolumne18. Mai 2017, 08:00
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    Kaum ein Schuhhersteller kann derzeit auf den Knoten auf dem Schuh verzichten

    In der Mode geht es alles andere als vorurteilsfrei zu. Lange hieß es, dass diese Branche ausschließlich von jugendlicher Schönheit besessen ist. Dabei stimmt das längst nicht mehr. Faltenfrei war einmal, auch die Models sind heute glücklicherweise nicht mehr die, die sie einmal waren. Für Calvin Klein wirbt beispielsweise gerade Lauren Hutton. All jenen, die mit ihrem Namen eine Zahnlücke oder einen Auftritt mit Richard Gere verbinden, sei gesagt, dass Hutton mittlerweile 73 Jahre alt ist. Ihre Falten haben das amerikanische Unternehmen nicht davon abgehalten, sie für seine aktuelle Unterwäschekampagne zu verpflichten.

    Neuerdings gelten Fältchen als authentisch, als Widersacher glattgebügelter Hollywood-Gespenster (Nicole Kidman!), als elegante Hinterlassenschaft eines natürlichen Alterungsprozesses. Insofern verwundert es nicht, dass in der Mode derzeit so ziemlich alles in Falten gelegt wird – wer will schon eine glattgebügelte Spielverderberin sein! Jedes noch so schmale Stück Stoff wird gefältelt und zu Knoten zusammengedreht.

    Unzählige von ihnen baumeln von Blusen und Kleidern. Besonders erwischt hat es aber die Schuhe. Kaum ein Hersteller kommt in dieser Saison um Knoten auf Schlapfen, Sandalen, Slip-ons herum. Wenn man so will, sind sie die extravagante Antwort auf den Arizona-Schlapfen von Birkenstock. Jener erdige Flachtreter hatte einige Sommer lang den gemeinen Hipster verzaubert.

    foto: hersteller
    Teure Knoten: Schlapfen von NO21, erhältlich bei Avenue 32, 470 Euro.

    Jetzt ist alles anders. Mit der Mode von Gucci ist die verrüschte Extravaganz zurückgekehrt. Und mit ihr der eingedrehte Knoten auf dem Rist.

    Der kanadische Schuhhersteller Ports 1961 jedenfalls hat mittlerweile von babyblau bis zitrusgelb unzählige Sneaker aus verknotetem Leder im Angebot, beim skandinavischen H&M-Ableger Cos gibt es gerade schwarze, ineinander verdrehte Ledersandalen, bei Charlotte Olympia bilden die Lederknoten das ebenerdige Pendant zum eleganten Stiletto-Absatz.

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    Die deutsche Bloggerin Jessica Weiss in einem Paar Slip-ons von Ports 1961.

    Die Modebloggerinnen haben bereits Vorschläge gemacht, was der Extravaganz am Fuß entgegenzusetzen ist: simple Jeans, die den eleganten Knoten wieder auf den Boden zurückholen. Keine so schlechte Idee eigentlich. (Anne Feldkamp, 18.5.2017)

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