Streetfood bis Amalfi: Neue italienische Kochbücher

20. Mai 2017, 07:30
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Vielen gilt die italienische Küche als die weltbeste. Ob das stimmt, kann in neuen Büchern mit Rezepten aus verschiedenen Regionen Italiens nachgeschlagen werden

Toskana: Stadtbummel

foto: dorling kindersley

Emiko Davies kam über die Kunst nach Italien und hat hier ihre neue Heimat gefunden. Sie nimmt uns in ihrem Kochbuch Florenz mit auf einen Spaziergang durch die Stadt. Dieser beginnt in der Pasticceria (Konditorei), wo die Florentiner gerne ihr schnelles, süßes Frühstück einnehmen. Ein Cornetto und einen kurzen Espresso an der Bar und schon geht es weiter. Die nächste Station im Buch ist die Bäckerei. Brot und Olivenöl sind elementar und werden in der Florentiner Küche reichlich verwendet. Das Brot ist ungesalzen und wird, wie fast alle Lebensmittel, aufgebraucht, denn die Florentiner sind sparsame Menschen. Sie brauchen die meist einfachen Lebensmittel auf. Reste werden mit viel Kreativität verkocht.

Über dem Markt geht es weiter zur Trattoria. Diese sorgen in Florenz dafür, dass die Menschen ein einfaches und schnelles Mittagessen bekommen. Die Rezepte dieses Kapitels sind Penne, Ravioli oder Spinat-Ricotta-Knödel – einfache Pastagerichte. Fleischgerichte hingegen finden sich im Kapitel "Beim Metzger". Die letzte Station führt in den Eissalon, denn angeblich wurde das Gelato in Florenz erfunden.

Dazwischen erzählt die Autorin viele interessante Geschichten über die Kunst und Geschichte in Florenz. Zum Beispiel über die Weinfenster in so manchem Palazzo. Hier hat der verarmte Florentiner Adel im 17. Jahrhundert diskret Wein von seinen Weingütern "ab Hof" verkauft. Die Türchen waren gerade so hoch, dass eine Flasche Wein reingepasst hat.

Wer schon bald nach Florenz reisen möchte, für den hat die Autorin noch Adressen von guten Konditoreien, Bäckereien und Trattorien angehängt.

"Florenz, Emiko Davies". 256 Seiten, 27,80 Euro. Dorling-Kindersley-Verlag


Streetfood: Auf die Hand

foto: emf / cettina vicenzino

Pablo Macias ist weder Italiener noch Koch, sondern Spanier und Opernsänger. Und hier kommt die Küche Italiens ins Spiel: Bei seinen italienischen Auftritten hat er sich in diese verliebt. Seiner Koch-Leidenschaft frönt er jetzt im Münchner Streetfood-Lokal "Pablo Panini". Die Liebe zu Musik und Essen verbindet Pablo Macias auch in Italian Streetfood – dem Buch ist eine CD mit italienischen Liedern beigelegt.

In Italien hat Streetfood ja Tradition, ohne jemals so genannt zu werden. Auf Märkten oder in kleinen Lokalen werden einfache Speisen wie Tramezzini oder Panini "auf die Hand" verkauft. Wie fantasievoll die Füllungen der Brote sind, zeigen die Rezepte. Pizza muss nicht immer rund und flach sein, als Pizza Stromboli wird sie geflochten und länglich aufs Blech gelegt. Und Süßes zum Mitnehmen gibt es natürlich auch.

"Italien Streetfood". Pablo Macias, 176 Seiten, 25,70 Euro. EMF-Verlag

Umbrien: Familienalbum

foto: gerstenberg/felix partenzi

Ins grüne Herz Italiens entführt das Buch So kocht Umbrien mit dem Untertitel "Gerichte und Geschichten von Tanten und Typen aus Italiens Mitte" – dieser verrät schon einiges über den Inhalt. Autorin Daniela Partenzi wuchs zwar in Deutschland auf, hat aber einen italienischen Koch als Vater. Die Sommerferien verbrachte und verbringt sie praktisch immer bei der umbrischen "Sippe". Gemeinsam mit ihrem Mann sammelte sie jede Menge Fotos und kurzweilig zu lesende Familienanekdoten und beschreibt Begegnungen mit Menschen, die besondere Produkte herstellen.

Jene, die das Büro gegen den Bauernhof getauscht haben, um Ziegenkäse herzustellen, mit Leidenschaft ihr Selleriefeld preisen oder lieber Weinreben statt Menschen verarzten. Dazu gibt es natürlich die passenden Rezepte. Von Isabella beispielsweise, die 500 Bäume mit alten Sorten kultiviert und ein Apfelgelee-Rezept beisteuert. Gianni, eigentlich Post-Angestellter, weiß alles über Safran, wie man die beste Qualität erzielt und wozu er am besten passt und Margherita bäckt Ciambellone, einen Rührkuchen mit Olivenöl und Weißwein.

"So kocht Umbrien". Daniela und Felix Partenzi, 192 Seiten, 26,80 Euro. Gerstenberg-Verlag


Rom: Instagram-Star

foto: knesebeck/david loftus

Perfekt inszenierte Fotos der Autorin Eleonora Galasso auf der Vespa, über den Dächern Roms oder in der Bar sowie regelmäßiges Zitieren des Hashtags #Foodhappiness: Die Zielgruppe von La Dolce Vita ist eindeutig die Generation Instagram, die Einblicke in die römische Lebensart und die Kindheit der in Rom geborenen Autorin bekommt.

Die Rezepte sind nicht nach Speisenfolgen, sondern nach Tagesablauf und Personen, die bekocht werden, gegliedert. So gibt es ein Kapitel "Mittagessen unterwegs", aber auch eines "mit der Familie". Abends folgt das "romantische Abendessen", danach #Foodhappiness. Und davor bitte noch rasch ein Foto posten!

"La Dolce Vita". Eleonora Galasso und David Loftus, 304 Seiten, 30,80 Euro. Knesebeck-Verlag


Kampanien: Artenvielfalt

foto: phaidon

Almalfi-Zitronen, San-MarzanoTomaten, Mozzarella di bufala und natürlich Pizza Neapolitana, dafür und noch für einiges mehr ist die Region Kampanien berühmt. Kein Wunder ist sie doch durch den Vulkanboden besonders fruchtbar. Und auch die Küste steuert Meeresfrüchte und Fisch bei. Jedem dieser Lebensmittel widmet das Kochbuch Neapel und die Amalfiküste ein eigenes Kapitel.

An Rezepten enthält es echte Klassiker, wie "Caprese di Mozzarella", aber auch Aufwendigeres wie die Reis-Timbale mit Fleischsauce "Satrù di Riso al Ragù".

Neapel gilt auch als Geburtsort der Macchinetta Napoletana, einer Espressomaschine, die aussieht wie eine umgedrehte Kaffeekanne. Zum Kaffee serviert wird "Torta Caprese alle Noci", ein Nusskuchen oder Baba, ein in Rumsirup getränkter Germteigkuchen.

Umrahmt werden die ausführlichen Produktinformationen und Rezepte von Fotos der einzigartig schönen Landschaft, den freundlichen Menschen und den Speisen. Gut möglich, dass durch die Bilder die Sehnsucht nach Kampanien entfacht wird. Die gute Nachricht: Mit dem Flugzeug ist man in zwei Stunden in Neapel!

"Neapel und die Amalfiküste". Tara Stevens, 272 Seiten, 30,80 Euro. Phaidon bei Edel

(Helga Gartner, Petra Eder, RONDO, 20.5.2017)

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