Mikroalgen fördern Artenvielfalt und Fruchtbarkeit von Böden

17. Mai 2017, 07:00
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Aktuelle Studie weist auf Risiko in Zusammenhang mit Herbiziden hin

Neuenburg – Mikroalgen sind für die Nährstoffkreisläufe im Boden offenbar noch bedeutender als bisher angenommen. Als Quelle für organischen Kohlenstoff fördern sie vor allem die Artenvielfalt, berichten Forscher der Uni Neuenburg in der Schweiz. Ihre Studie wirft ein neues Licht auf die Risiken des Einsatzes von Herbiziden.

Algen verbindet man in erster Linie mit Wasser. An der Oberfläche des Erdreichs kommen sie jedoch ebenfalls vor: einzellige Algen, die mit ihrer Größe von einem Hundertstel bis einem Zehntel Millimeter unter dem Mikroskop sichtbar sind. Und: Sie spielen für Böden eine nicht unerhebliche Rolle.

Ein Forscherteam um Edward Mitchell und Christophe Seppey von der Universität Neuenburg hat die Rolle dieser einzelligen Algen in der Nahrungskette von Bodenmikroorganismen untersucht. Die Mikroalgen leisten demnach einen wesentlichen Beitrag zur Artenvielfalt im Boden, berichten die Forschenden im Fachblatt "Soil Biology & Biochemistry".

Zusammenhang zwischen Algen und Räubern

Für ihre Studie haben die Wissenschafter die Mikroorganismen verschiedener Böden – beispielsweise aus dem Wald, Kulturböden oder von Freiflächen – per DNA-Analyse bestimmt. So beobachteten sie eine Korrelation zwischen der Anzahl räuberischer Protisten – einer Gruppe mikroskopischer Lebewesen, die sich von den organischen Verbindungen anderer Lebewesen ernähren – und der Fülle einzelliger Algen, wie die Universität mitteilte.

Es scheine demnach einen Zusammenhang zwischen diesen Arten zu geben, sagte Mitchell gemäß der Mitteilung. Genauer gesagt: Die Protisten ernähren sich offenbar von den Mikroalgen.

Das Paradoxe an diesem Zusammenhang: Mikroalgen scheinen auf dem Erdreich relativ wenig vertreten. Bei günstigen Bedingungen können sie sich zwar schnell vermehren, aber wenn sie genau so schnell verzehrt werden, wie sie sich vermehren, lässt sich ihre Rolle in der Nahrungskette im Boden kaum bestimmen.

Riskanter Herbizideinsatz

Die Ergebnisse der Studie werfen nun ein neues Licht auf die Rolle der Mikroalgen und weisen zudem auf ein Risiko in Zusammenhang mit Herbiziden hin: Gegenüber diesen sind die Algen nämlich empfindlich. "Da sie von Natur aus schon nicht sehr reichlich vorhanden sind, könnte ihre Abnahme oder Verschwinden unbemerkt bleiben", warnte Mitchell.

Wenn die Mikroalgen für das Ökosystem Boden eine so wichtige Rolle als Quelle von organischem Kohlenstoff spielen wie die Studienergebnisse andeuten, würde nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch die Fruchtbarkeit von Böden durch den Einsatz von Herbiziden leiden. (APA, red, 17.5.2017)

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