Oligarch Oleg Deripaskas magere Jahre sind vorbei

16. Mai 2017, 14:26
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Der russische Aluförderer Rusal ist optimistisch und investiert wieder kräftig in eine neue Produktion

Beim russischen Aluminiumproduzenten Rusal herrscht Optimismus. Die Krise in der Branche scheint endgültig überwunden. Der Konzern von Oligarch Oleg Deripaska präsentierte einen Quartalsgewinn von 434 Millionen Dollar. "Das übertrifft den Wert aus dem Vorjahr fast um das Dreifache", kommentierte Rusal-Generaldirektor Wladislaw Solowjow das Ergebnis. Ein Grund für die wachsenden Gewinne sind die Preissteigerungen auf den Rohstoffmärkten. Die Tonne Aluminium kostete Anfang 2017 1850 Dollar, ein Anstieg von 140 Dollar im Vergleich zum Vorquartal.

Rusal rechnet mit weiter steigenden Preisen und einem zunehmenden Defizit an Aluminium weltweit. Dabei setzt der Konzern konkret auf die steigende Nachfrage in Europa durch den Automobilbau und Infrastrukturprojekte wie die Verlegung von Hochspannungsleitungen oder neuer Gaspipelines. Laut der Konzernpräsentation wird das Alu-Defizit zwischen 2017 und 2021 bei ein bis zwei Millionen Tonnen liegen.

In eben diese Lücke will Rusal nun durch Fabrikneubauten vorstoßen. Nach acht Jahren Stillstand hat der Vorstand so grünes Licht für die Wiederaufnahme des 2009 gestoppten Baus einer Fabrik im sibirischen Taischet gegeben. Deren Kapazität ist gehörig; allein in der ersten Ausbaustufe soll die Kapazität bei 428.500 Tonnen liegen, in der – allerdings noch in ferner Zukunft liegenden – Endstufe dann sogar bei fast einer Million Tonnen. Bisher hat Rusal schon fast 800 Millionen Dollar in das Projekt investiert.

Investitionen per Kredit

Für das laufende Jahr hat der Vorstand weitere 38,5 Millionen Dollar freigegeben. Doch das ist nur der Anfang. Medienberichten nach verhandelt Rusal mit der staatlichen Förderbank VEB über einen Kredit von einer Milliarde Dollar für die erste Ausbaustufe der Taischet-Fabrik.

Neben Taischet forciert der Konzern zudem den Ausbau einer weiteren Fabrik: Bogutschansk. Dort hat Rusal mit dem staatlichen Wasserkraftriesen RusHydro bereits einen Partner an Bord und will den Ausstoß von derzeit 150.000 Tonnen vervierfachen; ein weiteres Milliardenprojekt.

Selbst das ist noch nicht alles: Solowjow stellte jüngst bei einem Treffen mit Regierungsvertretern den Ausbau der Fabrik in der sibirischen Republik Chakassien in Aussicht. Dies dürfte mehr als zwei Milliarden Dollar kosten. Allerdings ruderte der Konzern anschließend zurück. Informationen über das Projekt seien "verfrüht", teilte der Pressedienst mit. Angesichts der weiter hohen Verschuldung Rusals (8,22 Milliarden Dollar) muss der Konzern neue Investitionen genau abwägen. (André Ballin aus Moskau, 16.5.2017)

  • Rusal setzt auf steigende Nachfrage aus Europa.
    foto: reuters/ilya naymushin

    Rusal setzt auf steigende Nachfrage aus Europa.

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