Benettons werden größter Autobahnbetreiber

16. Mai 2017, 07:13
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16 Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot für spanische Abertis präsentiert

Italiens Unternehmerfamilie Benetton, einstiger Strickpulli-Gigant, avanciert zum weltweit größten Autobahnbetreiber. Die Benetton-Tochter Atlantia hat zu Wochenbeginn ein 16,3 Mrd. Euro schweres Übernahmeangebot für den spanischen Autobahnbetreiber Abertis präsentiert. Das Gelingen der Offerte ist an die Beteiligung von 50 Prozent und einer Aktie der Abertis-Aktionäre gebunden. Durch die angepeilte Fusion entsteht ein Autobahnbetreiber mit rund 14.000 Kilometern mautpflichtiger Straßen, einer Börsenkapitalisierung von 36 Mrd. Euro und einen für heuer auf 2,2 Mrd. Euro geschätzten Nettogewinn.

Atlantia biete 16,50 Euro plus 0,697 eigene Aktien pro Abertis-Papier. Der Preis liegt um 0,3 Prozent über der letzten Notierung von Abertis am vergangenen Freitag und um acht Prozent über dem Preis vom 18. April, als die Fusionsgerüchte bekannt wurden. Abertis soll weiterhin an der Börse bleiben. Sollte das Angebot Erfolg haben, handelt es sich bei der Akquisition von Abertis um Italiens größte Übernahme im Ausland innerhalb der letzten neun Jahre, seit der Stromkonzern Enel die spanische Energiegruppe Endesa im Jahr 2008 erwarb.

Internationalisierung

Für Atlantia bringt die angepeilte Fusion zwei Vorteile: die Internationalisierung voranzutreiben und die Finanzkraft zu stärken. Laut Analysten von Equita würde der aus internationalen Tätigkeiten stammende Ebitda (Ertrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von derzeit 25 auf 60 Prozent zunehmen. Durch die als freundlich bezeichnete Übernahme würden auch Kostenersparnisse von geschätzt 100 Mio. bis 150 Mio. Euro entstehen. Durch die Fusion könnte die Rentabilität, so Equita, des Autobahnbetreibers um drei bis vier Prozent verbessert werden.

Atlantia wird mehrheitlich von der Benetton Familienholding Edizione kontrolliert und ist sowohl für den Betrieb von Autobahnen (Autostrade) als auch von Airports (Flughafen von Rom) zuständig. Abertis Großaktionär La Caixa werde dem Vernehmen nach seine 22,3-Prozent-Anteile nicht verkaufen und damit zum zweitgrößten Aktionär (nach den Benettons) von Atlantia avancieren. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 16.5.2017)

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