"Im Zentrum"-Debatte über Sebastian Kurz: "Über Wasser gehen"

15. Mai 2017, 16:31
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Für Elisabeth Köstinger gelte es, "in eine unbewegliche Partei Bewegung einzubringen", und Bernhard Görg wirkte erquickt vom Sommerwind der Hoffnung

In Abwesenheit des Jungen, der aktuell eher nur solo im freundlichen TV-Ton Forderungen diktiert, klammert sich die Wissenssucht an Sebastian Kurz' Vertraute. Elisabeth Köstinger – EU-Abgeordnete und im Film an der Seite des Umrührers zu sehen – zelebriert jedoch die Repetition des Bekannten auf Basis der Einsicht, die ÖVP hätte "ein strukturelles Problem."

Jetzt, da alles gut, also zentral personalisiert wird, gelte es, "in eine unbewegliche Partei Bewegung einzubringen". Das Ziel sei also, "stärker in eine Bewegung zu kommen und Chancen zu nutzen", konsequent auch "programmatisch in eine Wahlbewegung zu gehen." Das hat im Stil etwas vom alten Funktionärshohlsprech.

Aber geschenkt. Es ist tatsächlich viel in Bewegung und etwas fragiler als die Euphorie eines alten ÖVPlers. Bernhard Görg wirkte erquickt vom Sommerwind der Hoffnung (Motto: "Dass ich das noch erleben darf!"). Zwar stimmte er Analytiker Peter Filzmaier zu, der Kurz die Fähigkeit absprach, wie der Messias "über Wasser gehen" zu können. Viel wichtiger für Görg: "Erstmals in meinem Leben glaubt die ÖVP, dass einer durch Wahlen Kanzler werden kann! Alle glauben, Kurz kann es, er wird Kanzler!" Falls der Gemeinte irgendwo Zeuge dieser Im Zentrum-Folge gewesen ist, wird er es als gutes Omen empfunden haben, dass niemand Görg widersprach.

In die Thesennähe von Analytikerin Christine Bauer-Jelinek geraten zu sein wird ihn vielleicht aber weniger amüsiert haben. Versprechen brechen würde "zur Kernkompetenz des Politikers" gehören, es sei gutes "Handwerk", sprach sie. Der erfolgreiche Politiker – nur ein rückgratloser Lügenwendehals? Auch Kurz' Zukunft wird es zeigen. (Ljubiša Tošić, 15.5.2017)

  • "Im Zentrum" mit Claudia Reiterer.
    foto: screenshot / orf tvthek

    "Im Zentrum" mit Claudia Reiterer.

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