Urologie: Menschen untenrum behandeln

    15. Mai 2017, 15:32
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    Die Urologen tagen in Wien und diskutieren die häufigen Krankheitsbilder wie Prostata- und Blasenkrebs, aber auch die Reizblase, Inkontinenz oder Erketionsstörungen

    Rund 20 Prozent aller Tumorerkrankungen bei Männern und Frauen fallen in den urologischen Bereich. Das betonte Michael Rauchenwald, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie, bei einer Pressekonferenz in Wien.

    "In der Behandlung von Tumoren des Urogenitaltraktes findet derzeit ein Paradigmenwechsel statt", hielt Rauchenwald fest. "Urologische Tumore sind heute wesentlich besser behandelbar als noch vor wenigen Jahren. In Abhängigkeit von der Tumorart ist heute Langzeitüberleben auch in fortgeschrittenen Stadien möglich." Verantwortlich für diese Erfolge seien Innovationen sowohl im Bereich der Diagnostik als auch im Bereich der Behandlung. Dazu zählt etwa die Entwicklung sogenannter Checkpoint-Inhibitoren, die das Überleben bestimmter Patienten mit fortgeschrittenen Blasenkarzinom deutlich verlängern.

    Das Arsenal gegen Tumoren

    Auch multidisziplinäre Kombinationstherapien werden in der Tumorbehandlung zunehmend eingesetzt. Durch ein Zusammenwirken von Chirurgie, Strahlen-, Immun- und Chemotherapie bzw. Hormontherapie lasse sich immer besser eine individuell auf den Patienten zugeschnittene Strategie entwickeln. Neben dieser "personalisierten Medizin" seien neue Diagnosemethoden wie z. B. Magnetresonanztomographie (MRT) oder Positronenemissionstomographie (PET) sowie neue Verfahren der Prostatabiopsie "heiße" Themen, so Rauchenwald. Diese würden zur Zeit im klinischen Bereich auf ihren Stellenwert in der klinischen Routine untersucht.

    Ein höherer Stellenwert werde nun insbesondere in der Uroonkologie zudem der Rehabilitation beigemessen, darunter fallen etwa psychologische Betreuung und Beratung bezüglich einer Änderung des Lebensstils.

    Erektionsstörung und Harninkontinenz

    Weiters werden Neuerungen zur Behandlung von Erektionsstörungen mittels Stoßwellentherapie sowie der Verkrümmung des Penis durch Injektion von Kollagenasen vorgestellt, kündigte Eugen Plas, Vorstand der urologischen Abteilung im Wiener Hanusch-Krankenhaus, an. Weiters stehen Umwelteinflüsse und deren möglicherweise negativen Auswirkungen auf die männliche Zeugungsfähigkeit im Fokus der Tagung. Studien hätten noch nicht eindeutig gezeigt, ob Nikotin, Alkohol oder Phthalate (Weichmacher) verantwortlich für eine schlechte Samenqualität sind.

    "Man kann nicht oft genug betonen, dass wir für alle Geschlechter und alle Altersstufen zuständig sind", sagte Rauchenwald in Hinblick auf weitere Programmschwerpunkte. Unfreiwilliger Harnverlust (Harninkontinenz) und die Reizblase zählen zu den häufigsten urologischen Erkrankungen bei beiden Geschlechtern, erläuterte Stephan Madersbacher vom Kaiser-Franz-Josef-Spital. Vor allem Frauen seien von Harninkontinenz betroffen – in Österreich sind es derzeit rund 810.000. Jenseits des 60. Lebensjahres erkranke jeder Fünfte (unabhängig vom Geschlecht) an einer Reizblase.

    Regelmäßige Checks

    "Aufgrund der älter werden Bevölkerung werden diese beiden Erkrankungen nicht zuletzt aus sozioökonomischer Sicht eine zunehmende Herausforderung darstellen", warnte Madersbacher. Um diese bewältigen zu können, müssten verschiedene Strategien verfolgt werden, u. a. Verbesserungen der Ausbildung von Ärzten sowie der Versorgungsstrukturen und eine Steigerung des Bewusstseins in der Bevölkerung über die Ursachen und mögliche Vorbeugemaßnahmen. Gerade Männer sollen nicht zuletzt mit der "Loose Tie"-Kampagne zur (regelmäßigen) Vorsorge motiviert werden. (15.5.2017)

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